Stadtplanung

Ein Hotel, ein Jazz-Club und exklusives Wohnen

Bleiben Überraschungen während der Bauphase aus, könnte Gertrud Schmack bereits Anfang 2016 auf die ersten Gäste im "Palast Barberini" hoffen. Zeitlich festlegen will die Potsdamer Unternehmerin sich jedoch nicht.

Zwei Jahre veranschlagt die Inhaberin des Potsdamer Hotels "Bayerisches Haus" für den Hotelneubau nach historischer Vorlage: Friedrich II. hatte das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bürgerhaus 1772 errichten lassen. Schmacks Architekten Urs Ganter und Christopher Kühn gehen von einer 25-Millionen-Euro-Investion aus. Ob Gertrud Schmack das "Barberini" auch selbst betreiben will, hält sie sich noch offen. Das künftige Boutique-Hotel der gehobenen Vier-Sterne-Klasse mit 80 Zimmern und Suiten, Bar und kleinen Läden an der Humboldtstraße 5/6 ist der einzige Leitbau im Gestaltungskonzept für Potsdams neue, historische Mitte. Originaltreue von der Fassade bis zur Innenarchitektur - das ist die Vorgabe der Potsdamer Stadtverordneten. "Wir wussten, auf was wir uns einlassen", sagt sie. Die Mitstreiter beim Wiederaufbau der urbanen Landschaft rund um das bis 2013 wieder errichtete, dann vom Landtag genutzte Stadtschloss sehen es ähnlich gelassen. Zumal es auch einige Bauherren leichter als Schmack haben, müssen sie doch nur für den geschichtsträchtigen "Hingucker", die originalgetreue Fassadenoptik der Gebäude vor deren Zerstörung 1945, sorgen - so beim Wiederaufbau des Palazzo Chiericati und des Palazzo Pompei.

Das Rennen um die Bebauung der Grundstücke an der Alten Fahrt und in der Schwertfegerstraße 9 haben neben Gertrud Schmacks Barberini GmbH die Prinz von Preußen Grundbesitz AG, die Kondor Wessels Holding GmbH, die Bürgerstadt AG, die Lelbach GmbH Berlin Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft und die Complan Kommunalberatung GmbH gemacht. Acht Projekte sollen auf rund 12 000 Quadratmetern Fläche umgesetzt werden. Bis zu vier Bewerbern hätten sich pro Grundstück Chancen ausgerechnet, sagt Erich Jesse, Geschäftsführer des von der Stadt beauftragen Sanierungsträgers. "Im Bieterwettbewerb ging es allerdings nicht darum, welcher Interessent den höchsten Preis vorgibt. Nutzung und Architektur waren im Entscheidungsprozess gleichrangige Kriterien." Das Ergebnis sei trotz der Top-Lage nahezu ernüchternd gewesen, sagt Jesse. Rund 70 Millionen Euro sollen auf dem Areal investiert werden. Am 2. November müssen die Stadtverordneten noch grünes Licht geben. Je nach Gebäudegröße veranschlagen die einzelnen Bauherren 15 bis 18 Monate Bauzeit. So will der niederländische Baukonzern Kondor Wessels an der Humboldtstraße 1 und 2, wo einst das Palasthotel als wilhelminischer Prunkbau glänzte, ein Ärztehaus mit Gewerbe errichten. Auf dem Nachbargrundstück soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Wohnraum will auch die Prinz von Preußen Grundbesitz AG an der Humboldtstraße 4 schaffen. Wohnungen, einen Kunstsalon und Café plant die Lelbach GmbH in der Brauerstraße 2. Gewerbe und Maisonettewohnungen will die Complan Komunalberatung an der Brauerstraße 3 umsetzen. In direkter Nachbarschaft will die Bürgerstadt AG ein Mehrgenerationenhaus bauen. In der Schwertfegerstraße 9 plant die AG ein Haus für Musiker mit schalldichten Zimmern, einem Jazz-Club und Gastronomie.