Er beschleunigte den Zug auf 80 Stundenkilometer - und durchbrach die Grenzanlagen. Die spektakuläre Flucht des Oranienburger Lokführers Harry Deterling nach West-Berlin lieferte die Vorlage für den 1963 entstandenen Film "Durchbruch Lok 234". Am 6. August wird der auf 14-Millimeter-Material gedrehte Schwarz-Weiß-Streifen in Falkensee gezeigt, unter freiem Himmel auf der Festwiese am Gutspark.

Der Film sei kein cineastisches Meisterwerk, aber ein Dokument der Zeitgeschichte, sagt Falkensees Bürgermeister Heiko Müller (SPD). "Den Zugezogenen können wir mit diesem Film gut zeigen, welche Historie die Stadt hat, in der sie leben", begründet Müller, warum es im Zuge des Gedenkens an den Mauerbau vor 50 Jahren erstmalig eine Open-Air-Filmvorführung in Falkensee geben wird.

Nach dem 13. August 1961 war die Schienenverbindung auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin zunächst erhalten geblieben - ein Umstand, den sich der damals 26-jährige Harry Deterling zunutze machte. Dort, wo seit dem Bau der Mauer der Interzonenzug abgefertigt wurde, raste Deterling ungebremst weiter und überwand so die Grenzanlagen. Unter den 32 Reisenden im Zug: Deterlings Frau, seine vier Kinder, Mutter, Schwester und weitere Freunde und Verwandte. Auch Heizer Hartmut Lichy war in den Fluchtplan eingeweiht. Von den Reisenden, die nicht Bescheid gewusst hatte, nutzten einige die Chance, im Westen zu bleiben. Sieben kehrten in die DDR zurück.

Die DDR-Behörden reagierten umgehend auf Deterlings Flucht: Schon am Tag darauf ließen sie die Gleise zwischen Albrechtshof und Spandau demontieren und Sperren errichten. Der Interzonenverkehr nach Hamburg führte fortan über die Bahnhöfe Wannsee und Griebnitzsee.

Bereits 1963 kam der Film über die Flucht, bei dem Frank Wisbar Regie führte, in die bundesdeutschen Kinos. Gedreht wurde er in Geesthacht bei Hamburg. Harry Deterling lebte zu diesem Zeitpunkt schon in Radolfzell am Bodensee. Seine Frau und seine Kinder wohnen dort noch immer. Harry Deterling starb 2010 im Alter von 76 Jahren. Ob seine Witwe zur Open-Air-Vorführung von "Durchbruch 234" nach Falkensee kommt, ist noch ungewiss. "Eingeladen haben wir sie und würden uns sehr freuen, sie als Zeitzeugin begrüßen zu dürfen", sagt Gabriele Helbig, Leiterin von Museum und Galerie Falkensee, von der die Idee für die Veranstaltung stammt.

Auch wenn der Falkenseer Pub "schrääg 'rüber" als Mitveranstalter einige Bänke zur Verfügung stellt, sollten Besucher eigene Sitzgelegenheiten und Decken mitbringen. Filmbeginn ist - auch bei Regen - um 21.30 Uhr, Einlass besteht ab 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.