Vorläufige Entwarnung gab Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) indes für zwei weitere Investitionen des dänischen Konsortiums in Brandenburg. "Der Bau eines Ferienhausdorfes um die Badelandschaft Tropical Islands in Brand und von Aqua Casa im Lausitzer Seenland werden weiterverfolgt", sagte Junghanns. Dies habe ihm das Unternehmen am Montagmorgen schriftlich mitgeteilt.
2000 Ferienhäuser geplant
Der Bau von 2000 Ferienhäusern neben der Tropical-Islands-Halle südlich von Berlin gilt als Rettung für Brandenburgs größten Freizeitpark. 2007 zählte der Tropenpark nur 700 000 Gäste und machte zwölf Millionen Euro Verlust; seit Betriebsbeginn Ende 2004 waren es rund 50 Millionen Euro.
Die Besucherzahlen nahmen durch das Angebot der neuen Saunalandschaft stark zu, doch der malaysische Hauptgesellschafter Tanjoung setzt auf ein attraktives Übernachtungsangebot um das Tropenparadies herum. Sobald das Resort vollständig fertig ist, will Tropical Island schwarze Zahlen schreiben. Der Vertrag für das 650 Millionen Euro teure "Skandinavische Dorf" war im August vorigen Jahres unterschrieben worden. 2010 sollen die ersten 375 Häuser mit Platz für bis zu 16 Personen fertig sein.
Nach der Insolvenz des dänischen Investors Synerco war das Projekt der Eske Group ins Wanken geraten. Man sei sehr nahe an einem Vertragsabschluss mit einem neuen Investor, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende der Eske Group, Anders Stoltenberg.
Zunächst will der Konzern offenbar auch an den Plänen für das Lausitzer Seenland festhalten. Auf einer Landenge, an drei Seiten von Wasser umgeben, sollen dort mit "Aqua Casa" 400 Ferienhäuser gebaut werden. Man brauche hier mehr Zeit, er sei aber optimistisch, auch für dieses Projekt neue Investoren zu finden, sagte Eske-Vorstandschef Stoltenberg.
Hilfe für 21 Brandenburger Unternehmen
Die Finanzkrise hat auch viele der meist mittelständischen Unternehmen in Brandenburg erreicht. Mehr als 60 Unternehmen haben sich laut Minister Junghanns an dem im November vorigen Jahres geschnürten Hilfspaket der Landesregierung aus Überbrückungshilfen und Sonderkrediten interessiert gezeigt.
"In 21 Fällen organisieren wir derzeit konkrete Hilfe", sagte Junghanns. Die Unternehmen stammen aus den Branchen Textil, Metallbau, Maschinenbau, Kunststoff/Chemie, Bauwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Automobilzulieferung. Es handele sich um Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen einer halben Million Euro und 30 bis 40 Millionen Euro. Das Hilfspaket für Brandenburg umfasst bis zu 400 Millionen Euro. "Die Nachfrage zeigt, dass es richtig war, sich frühzeitig für die heraufziehende Krise zu wappnen", so Junghanns, der derzeit durchs Land fährt und sich die Sorgen aus der Wirtschaft anhört. Laut dem "Mittelstandsbarometer 2009" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young schätzt der Mittelstand in Brandenburg die wirtschaftliche Lage deutlich pessimistischer ein als im Vorjahr. Die Investitionsbereitschaft sei danach um mehr als die Hälfte zurückgegangen. "Die Grundstimmung ist aber nicht schlecht", sagt Junghanns. "Es gibt Hinweise, dass die Wirtschaft im Land bei allen Schwierigkeiten einzelner Unternehmen besser durch das Tal kommt, als es vor wenigen Jahren noch denkbar gewesen wäre." Das größte Problem sei, "dass niemand weiß, wie lange die Finanzkrise dauert". Das Ministerium erreichten auch "verzweifelte Briefe". Die Regierung wolle mit ihrem Maßnahmenpaket "Hilfe zur Selbsthilfe" bieten. Manche in die Schieflage geratenen Unternehmer hätten jedoch unrealistische Vorstellungen. "Der Staat kann nicht ihre Einnahmeverluste kompensieren."
Der derzeitige Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz sprach sich gegen den Einstieg des Staates bei angeschlagenen Unternehmen aus. Hilfen müssten weiterhin über die Hausbanken laufen. Eine absolute Ausnahme könnte der krisengeschüttelte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) sein. Dagegen sollten weitere spektakuläre Fälle wie etwa der des angeschlagenen fränkischen Autozulieferer Schaeffler "im üblichen Rahmen" gelöst werden, sagte Junghanns. Schaeffler hat auch ein Werk für Automotoren-Elemente in Luckenwalde (Teltow-Fläming). Dort sind rund 480 Menschen beschäftigt. Der Autozulieferer hat angesichts der Absatzkrise angekündigt, an der überwiegenden Zahl der 25 deutschen Standorte Kurzarbeit zu fahren.


