Potsdam/Cottbus Nach der Wahl des Brandenburger Infrastrukturministers Frank Szymanski (SPD) zum Cottbuser Oberbürgermeister hat Ministerpräsident Matthias Platzeck(SPD) gestern den bisherigen Staatssekretär Reinhold Dellmann als Nachfolger vorgestellt.

Der 48-Jährige soll im November vereidigt werden. Er ist ein Mann des zweiten Bildungswegs und kommt aus der Kommunalpolitik, was Platzeck besonders hervorhob. Der aus der Nähe von Leipzig stammende Dellmann hatte nach seiner Ausbildung bei der Deutsche Reichsbahn zehn Jahre als Fahrdienstleiter gearbeitet. Daneben erwarb er nach einem Studium der Verkehrstechnologie den Abschluss eines Diplomingenieurs. Von 1990 an engagierte er sich in der Kommunalpolitik und wurde Bürgermeister in Wandlitz (Barnim), ehe er dem Amt Wandlitz als Amtsdirektor vorstand. Dem Landtag gehörte Dellmann von 1999 bis 2004 an. Er kündigte gestern an, die Arbeit seines Vorgängers Frank Szymanski fortsetzen zu wollen. "Es wird keine Neuausrichtung geben", sagte der künftige Minister. Als Hauptaufgaben nannte er die gemeinsame Landesplanung mit Berlin und die Umsetzung des neuen Förderkonzepts der Landesregierung mit der Neuregelung der zentralen Orte. Das Ministerium erarbeitet derzeit zudem ein Entwicklungskonzept für die Gemeinden im Umland des künftigen Flughafens Berlin-Brandenburg International in Schönefeld. In dieser Woche will der Bund den Verkehrs-Investitionsplan für die nächsten Jahre vorstellen. Dann wird sich abzeichnen, in welche Autobahnen und Bundesstraßen im Land Geld fließen wird.

Beim Stadtumbau setzt das Ministerium angesichts sinkender Einwohnerzahlen neue Prioriäten, gefördert werden verstärkt die Sanierung in Innenstädten und der Rückbau von Wohnungen. Neue Staatssekretärin unter Dellmann wird die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Boden GmbH (BBG), Dorette König. Die 42-Jährige arbeitete zu DDR-Zeiten im Hochschulministerium und gehörte in den 80er-Jahren der SED an. Seit der Wende ist sie parteilos. "Das ist alles besprochen und ausgewertet", sagte Platzeck. Probleme mit der Biografie der künftigen Staatssekretärin hat auch die CDU nicht. Deren Verkehrsexperte Dieter Dombrowski sprach von einer "erstklassigen Wahl".

Auch die vorgesehene Ernennung von Reinhold Dellmann als Minister wurde von allen Fraktionen im Landtag und auch von den Bündnisgrünen begrüßt. "Der Vorzug dieser Besetzung ist, dass die Arbeit weitergeführt wird", sagte CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek.

Erwartungen, dass Cottbus nach der Wahl des bisherigen Infrastrukturministers bevorzugt in den Genuss von Fördergeldern kommen wird, dämpfte Reinhold Dellmann, sagte aber auch: "Frank Szymanski hat gute Konzepte, und damit wird es Cottbus künftig sicherlich besser gehen." Ministerpräsident Platzeck ergänzte: "Die Stadt ist in letzter Zeit aus dem Tritt geraten." Sie werde aber in Zukunft mit Unterstützung der Landesregierung wieder ihre Rolle als zweitgrößte Stadt spielen.