Tunnel macht die Bahn schneller

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Gudrun Mallwitz

Potsdam - Rechtzeitig zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer nächsten Jahres soll die Region Berlin-Brandenburg das weltweit am besten ausgebaute Regionalverkehrsnetz erhalten. Dies kündigte der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, gestern in Potsdam zumindest an. Mit der Öffnung des Berliner Nord-Süd-Tunnels im Mai kommenden Jahres würden sich durch neue Linienführungen die Fahrzeiten für die Kunden aus dem Umland in die Hauptstadt und umgekehrt von 20 bis zu 40 Prozent verkürzen, prognostizierte Brandenburgs Infrastrukturminister Frank Szymanski (SPD).

Nachdem sich das Fahrgastaufkommen in den Jahren 2000 bis 2004 bereits um zehn Prozent erhöht habe, rechnet der VBB durch die geplanten Verbesserungen im Regionalverkehrsnetz mit einem weiteren Anstieg der Nutzer der Bahn in der Metropolenregion. "Berlin und Brandenburg rücken näher zusammen", sagte der Minister, der die geplante Öffnung des Tunnels als "Meilenstein für einen besseren Nahverkehr" bezeichnete. Für die Reisenden erfreulich: Die Nord-Süd-Reisezeiten sollen sich stark verkürzen.

Der Grund: Die Bahnlinien aus dem Norden und Süden müssen ab nächstem Frühjahr nicht mehr wie bisher über den Berliner Außenring auf die Stadtbahn geführt werden, sondern könnten direkt durch den Tunnel zum Bahnhof Berlin-Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof fahren. Am zentralen Bahnhof werden Umsteigemöglichkeiten in alle Richtungen entstehen.

Künftig sollen neben den Regionallinien 1 bis 5 zwei zusätzliche Regionalexpreßlinien durch den Knoten Berlin fahren: Die Linie RE 7 (Dessau-Berlin-Stadtbahn-Wünsdorf-Waldstadt) führt in den prosperierenden Landkreis Teltow-Fläming. Sie verknüpft den westlichen Teil der heutigen RE 3 mit der heutigen Linie RB 24. Diese Linie soll nicht nur eine zusätzliche Direktverbindung aus dem bevölkerungsstarken Raum Rangsdorf/Zossen in die Berliner Innenstadt schaffen, sondern auch den Flughafen Schönefeld angebunden.

Bei der zweiten neuen Expreßlinie handelt es sich um die RB 10/RB 14 (Nauen-Berliner-Stadtbahn-Flughafen Schönefeld-Senftenberg). Sie soll neben der Flughafenverbindung für die bereits heute stark nachgefragte RB 14 eine zusätzliche Direktverbindung nach Berlin schaffen. Für den Kreis Havelland ersetzt diese Linienführung den RE 5 (Fürstenberg-Oranienburg-Spandau-Stadtbahn-Senftenberg). Beide neuen Linien binden den Flughafen Schönefeld an die Berliner Stadtbahn weiterhin im 30-Minuten-Takt an.

Außerdem bleibt Potsdam mit der RB 22 im 60-Minuten-Takt an Bahnhof und Airport Berlin-Schönefeld angebunden. Die RE 4 und RE 5 sollen das Angebot für Pendler erheblich verbessern. Die RE 6, der Prignitz-Expreß sowie RE 1 Brandenburg/H.- Frankfurt (Oder) und die Regionalbahn RB 10 (Nauen-Spandau-Charlottenburg) bleiben erhalten.

Durch die neuen Regionallinienführungen wird sich die Fahrzeit zum Beispiel von Luckenwalde zum Potsdamer Platz von derzeit 66 auf 39 Minuten verringern, von Eberswalde soll der Potsdamer Platz künftig in 38 statt 61 Minuten angefahren werden können, von Fürstenberg in 66 statt 92 und von Nauen in 36 statt wie bisher in 45 Minuten.

Laut Infrastrukturminister Frank Szymanski investiert das Land Brandenburg in die Verbesserungen rund sechs Millionen Euro. Für 2006 seien insgesamt 322 Millionen Euro für die Finanzierung der Strecken eingeplant.

Allerdings müßten die Mehrausgaben an anderen Stellen eingespart werden, sagte der Minister. Der große Fahrplanwechsel findet nicht wie gewohnt im Dezember statt, sondern erst zum 28. Mai.

In Berlin hat der Senat indessen gestern eine Vorlage beschlossen, nach der der Nord-Süd-Tunnel für die bessere Einbindung des Lehrter Bahnhofs in den Nahverkehr genutzt werden soll. Als Nahziel soll 2009 der Abschnitt der S 21 Lehrter Bahnhof-Nordring in Betrieb gehen.