Tausende Tonnen Müll und Bauschutt in Kiesgrube gekippt

Aus einer Kiesgrube in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) hat ein Bagger gestern illegal gelagerten Abfall zutage gefördert.

Potsdam - Aus einer Kiesgrube in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) hat ein Bagger gestern illegal gelagerten Abfall zutage gefördert. "Es hat sich der Verdacht bestätigt, dass dort ohne Genehmigung Gewerbe- und Siedlungsabfälle entsorgt wurden", sagte der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Christoph Lange.

Nach ersten Laboruntersuchungen handle es sich um Abfälle, die gefährlich für Boden und Wasser sind. Die insgesamt verkippte Menge sei noch unklar. Laut Polizeisprecher Rudi Sonntag dürften es aber "weit mehr" als die zunächst vermuteten 30 000 Kubikmeter sein.

Gegen den 47 Jahre alten Berliner Geschäftsführer der Recyclinganlage auf dem etwa 20 Hektar großen Areal des Kiessandtagebaus "Fresdorfer Heide" wird ermittelt. Aus der Anlage soll der Abfall direkt illegal in der Kiesgrube abgekippt worden sein. Auslöser für die Durchsuchungsaktion - laut Lange überprüften insgesamt rund 30 Beamte des Potsdamer Polizeipräsidiums und des Landeskriminalamtes vier Objekte in Michendorf und Berlin - war eine seit vergangenem August vorliegende Anzeige des Landesbergbauamtes. Ein spezieller Einsatztrupp des Amtes hatte im Vorjahr bei Kontrollen auf acht von 85 Kiesgruben illegal verkippten Müll entdeckt und die Unterlagen - etwa zu ersten Laboruntersuchungen - an die Ermittler weitergeleitet. Unter diesen acht Gruben ist laut Landesbergbauamt auch die jetzt näher durchsuchte "Fresdorfer Heide". Dort wurden gestern neue Proben genommen, um die Zusammensetzung des Abfalls festzustellen; die Grabungen dort dauern an.

"Wir gehen davon aus, dass in den acht Gruben insgesamt 600 000 bis 700 000 Kubikmeter illegaler Müll abgeladen wurden", sagte der Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, Klaus Freytag. Die Kontrolleure stießen unter anderem auf asbestverseuchte Baustoffe, Altpapier, Kleidung und Plastik. Alle Betriebe seien sofort stillgelegt worden. "Eine akute Gefährdung der Bevölkerung sehe ich nicht, aber die Umweltbelastungen sind nicht unerheblich", sagte Freytag.

Zumindest im Fall der 2007 aufgedeckten Grube in Markendorf (Teltow-Fläming) lässt eine Expertise jedoch nichts Gutes ahnen. "Ein externer Gutachter kam zu dem Schluss, dass das Grundwasser mit Schwermetallen und Fäkalien belastet ist", sagte Lange. Es werde im Zusammenhang mit mehreren illegalen Mülldeponien gegen Beschuldigte ermittelt. dpa