Trockener Mark droht die Versteppung

Potsdam - Umweltexperten schlagen Alarm: Das an Seen und Fließgewässern reiche Brandenburg droht zum Steppenland zu werden. "In manchen Regionen ist die Niederschlagsmenge so gering wie in der südsibirischen Waldsteppe oder in Spanien und Mexiko", sagte gestern der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Er nannte die Entwicklung bedenklich.

Umweltminister Wolfgang Birthler sieht in der Regulierung des Wasserhaushalts eine der größten Herausforderungen für das Land. Der SPD-Politiker warnte aber vor falschen Schlüssen: "Brandenburg muss die Tierhaltung nicht auf Lama und Kamel umstellen." Birthler will die Gewässerbewirtschaftung verbessern. Das Wasser müsse länger in der Landschaft gehalten werden. Dazu gehöre, die Grundwasserneubildung zu fördern und die Abflüsse aus den Fließgewässern zu verringern. Der Wasserverbrauch müsse eingeschränkt werden. Geplant ist, 1000 der 19 000 Stauanlagen umzubauen.

Die Gründe für die in Deutschland einmalige Wasserarmut sind vielfältig: In Brandenburg liegen die Niederschläge aufgrund der geographischen Lage um etwa ein Fünftel unter dem Bundesdurchschnitt. Zudem verschieben sie sich vom Sommer in den Winter. Hauptproblem: Es fehlen vor allem ausreichende Speicherkapazitäten. Das Wasser verdunstet schneller, als neues hinzukommt. Die großen Kiefernbestände speichern zu wenig Wasser. Pro Jahr sinkt der Grundwasserpegel um drei Zentimeter. Ursache dafür ist Experten zufolge der Temperaturanstieg sowie eine zu starke Entwässerung in der Landwirtschaft der DDR, um neue Anbauflächen zu erhalten.

gma