Wenn der Berliner von der „Brandenburger Pampa“ spricht, meint er das eigentlich spöttisch-metaphorisch. Dass ihm dort leibhaftige Savannengeschöpfe begegnen könnten – für so abgelegen hält er sein „Umland“ dann nun auch wieder nicht. Da hat er aber nicht schlecht gestaunt, als er im vergangenen Jahr tiefere Einblicke in das Brandenburger Tierleben erhalten hat: Ein Känguru hielt wochenlang Polizei und Presse in Atem. Ein leibhaftiges Nashorn tollte bei Luckenwalde durch die Gegend, zwei afrikanische Stachelschweine tourten durch Luckenwalde. Und während sich der Berliner noch verwundert die Augen rieb, bekam er via Twitter von seiner städtischen Polizei gezwitschert, dass ein Kamel durch Stralau stolzierte. Was ist denn da los?

Nashorn und Kamel, so stellte sich rasch heraus, hatten nur mal einen kleinen Spaziergang von ihren Zirkussen unternommen, waren also praktisch Freigänger. Warum sollte dieses Privileg auch Uli Hoeneß vorbehalten bleiben? Die Stachelschweine dagegen waren echte Ausbrecher aus dem Tierpark Luckenwalde. Sie wehrten sich sogar standhaft und schossen einen Pfeil in den Reifen des zu ihrer Bändigung herbeigerufenen Zootierarztes, fielen dann letztlich aber doch seinen Betäubungspfeilen zum Opfer und wachten erst in ihrem Gehege wieder auf. Das Känguru „Zippe“ dagegen ist privaten Tierhaltern in Derwitz bei Werder entsprungen und dachte nicht daran, wieder heimzukehren. Die Parallelen zwischen dem Havelland und dem australischen Outback schienen wohl zu verlockend, da fühlte es sich praktisch wie zu Hause. Über sechs Wochen lang widersetzte es sich allen Festnahmeversuchen, bis es schließlich endgültig den Absprung machte und tot aufgefunden wurde.

Tasmanische Kreaturen

Was ein durchaus überraschendes Ende dieser Geschichte ist, denn als Bennett-Wallaby hätte „Zippe“ eigentlich eine deutlich höhere Lebenserwartung in der Brandenburger Flur gehabt. Die Tiere stammen nämlich von der im Südosten vor Australien liegenden Insel Tasmanien. Dort herrscht ein Klima, das unserem durchaus vergleichbar ist. Kälte, Schnee und Nässe machen den Beuteltieren nichts aus. Sie ernähren sich von Gräsern, Blättern und Kräutern und sind sozusagen das ökologische Pendant zu unseren Rehen. Auch ihr Lebensraum zwischen Wald und Wiese ist vergleichbar.

Das abrupte Ende von „Zippe“ überrascht umso mehr, wenn man den Blick etwas weiter in den Norden richtet. In Mecklenburg bei Burg Stargard springen nämlich schon seit Jahren Artgenossen des Wallabys durch die Landschaft am Rande der Seenplatte. Im März 2001 war ein Einbrecher in den dortigen kleinen Tierpark Klüschenberg eingestiegen und hatte die Bennett-Kängurus wortwörtlich aus ihrem Gehege herausgeprügelt; zwei Tiere kamen bei der Aktion ums Leben, die anderen zehn flüchteten in die Umgebung. Sieben konnten wieder eingefangen werden, drei blieben aber verschwunden und haben sich seither in den blühenden Landschaften fröhlich vermehrt. Inzwischen ist eine kleine Wallaby-Population entstanden, die auch harte Winter gemeistert hat. Abgesehen davon, dass sie zu den Stars einer kurzen 3sat-Dokumentation wurden, die sie lustig im Schnee herumtollend zeigte, blieb es in ihrer neuen Heimat recht ruhig um die Flüchtlinge aus Australien. Ein Beispiel für gelungene Integration.

Dabei sind die Bennett-Kängurus keineswegs die Einzigen, die die Schwelle vom Flüchtlingseinzelschicksal zum sesshaft gewordenen Einwanderer überschritten haben. In Berlin und Brandenburg hat sich eine ganze Reihe tierischer Migranten angesiedelt.

Das bekannteste Beispiel sind wohl die Waschbären. Die putzigen, ursprünglich aus Nordamerika stammenden Pelzknäuel mit dem Hang zum Containern kommen in der Region inzwischen flächendeckend und individuenstark vor. Sie scheuen auch die Nähe zum Menschen nicht, wie viele Hausbesitzer schon entnervt feststellen mussten, wenn sie zum Opfer der Plünderungen einer kleinen Waschbärhorde geworden sind. Die cleveren Tiere leben aber meist sehr versteckt, sodass vielen menschlichen Mitbürgern ihre Präsenz gar nicht bewusst ist.

Ebenfalls aus Nordamerika stammen die inzwischen omnipräsenten Bisamratten, bei denen vielen Menschen gar nicht mehr klar ist, dass es sich um Einwanderer handelt. Die kräftigen Nager siedeln am Rand von Gewässern, gerne auch Kanälen und Teichen, wo sie ihre Baue im Ufer anlegen. Ursprünglich kamen sie als Pelzlieferanten zu uns, und zwar in so großer Zahl, dass immer mal wieder Tiere aus den Farmen entkommen konnten. Seit über hundert Jahren sind sie hier nun sesshaft. Und schlagen sich inzwischen mit südamerikanischer Konkurrenz herum, dem Nutria, das eine ganz ähnliche Lebensweise führt und den Bisams auch in der Erscheinung auf den ersten Blick ähnelt, wenn es auch weniger rattig wirkt.

Aus Asien ist der Marderhund zu uns gekommen und inzwischen ebenso fest etabliert wie der marderartige Mink. Und das sind nur die prominentesten Beispiele größerer Tiere, zumal solche, die als Einwanderer auch meistens noch erkannt werden. Kaum jemandem dagegen ist bewusst, dass auch so vermeintlich einheimische Arten wie Fasan, Kaninchen und Kartoffelkäfer in Wirklichkeit Zuwanderer sind.

An die 1200 „gebietsfremde Tierarten“ hat das Bundesamt für Naturschutz in Deutschland inzwischen ausgemacht, von denen 264 als fest etabliert gelten. In den meisten Fällen handelt es sich um Wirbellose. Etwa fünf Prozent der Etablierten gelten als invasiv und damit als Problem für Naturschutz oder Wirtschaft. Besonders betroffen sind Gewässer, etwa durch den Amerikanischen Flusskrebs, der einst die Krebspest bei uns eingeschleppt hat, die seinen einheimischen Verwandten großflächig den Garaus machte.

Vorsprung der Wirbellosen

Aber während diese Neubürger kaum je größere Aufmerksamkeit erfahren, schrecken Einzelfälle mit Arten, die auch der naturkundliche Laie sogleich als exotisch erkennt, immer wieder die Öffentlichkeit auf. Nashörner und Kängurus eben. Oder verlässlich mit dem höchsten Erregungspotenzial: Reptilien. „Zwei Würgeschlangen an Berliner S-Bahnhof gefunden“, „Echse in S-Bahn – Übernachtung bei der Bundespolizei“, „Schlange stört Berliner Mieter bei Fernsehabend“, „Python-Fund in Bernau“ – nur einige Beispiele von Schlagzeilen aus dem vergangenen Jahr.

Diese plakativen Fälle gehen, wie das verblichene Känguru „Zippe“, auf private Exotenhalter zurück. Zur Verwunderung und oft auch zum Ärger vieler Normalbürger. Wer bitte schön hält denn Kängurus zu Hause? Oder Würgeschlangen? Die Antwort lautet schlicht: Menschen, die Freude daran haben. Und das sind einige. Wie viele genau, weiß niemand. Nur geschützte und (in Berlin) gefährliche Arten sind meldepflichtig. Die große Mehrzahl der Exoten ist aber vollkommen harmlos und schlägt zahlreiche Tierfreunde in ihren Bann.

Die private Haltung solcher Tiere ist ein traditionsreiches Hobby. Auch wenn den meisten Menschen heute Guppys, Skalare oder Neonfische sicherlich nicht allzu exotisch vorkommen, sind die aus tropischen und subtropischen Gebieten aus aller Welt stammenden Zierfische natürlich genau das. Berlins ältester Aquarienverein, „Triton“, gründete sich bereits im Jahr 1888, seine Mitglieder beschäftigen sich seit jeher mit der Haltung exotischer Fische, Reptilien und Amphibien. Große Zoohandelsgeschäfte in Berlin importierten damals noch praktisch frei von gesetzlichen Restriktionen die erstaunlichsten Tierarten, an die heutige Halter kaum zu denken wagen.

Während die Aquaristik und die Haltung exotischer Vögel – man denke nur an den australischen Wellensittich – rasch auch in der breiten Bevölkerung Verbreitung fanden, führten Reptilien bis in die 1990er-Jahre hinein eher ein Nischendasein, mit Ausnahme der zahlreich verkauften europäischen Landschildkröten und Wasserschildkröten. Verbesserte technische Möglichkeiten und daraus resultierende Zuchterfolge führten dazu, dass nun auch Schlangen und Echsen populärer wurden. Längst gibt es inzwischen zahlreiche Zuchtformen auch bei ihnen, etwa von Königspythons, Kornnattern, Bartagamen oder Leopardgeckos.

Wenn ihnen oft auch einige Skepsis entgegenschlägt: Viele Fische, Amphibien, Reptilien und Wirbellose lassen sich ebenso gut oder viel leichter tiergerecht halten als klassische Haustiere wie Hund, Katze oder Meerschweinchen. Selbst Känguru „Zippe“ löste in Fachkreisen keine allzu große Verwunderung aus. Es gibt bundesweit eine ganze Reihe privater Züchter von Bennett-Kängurus. Die Beuteltiere gelten als unproblematisch, man braucht eben nur ordentlich Platz im Garten, um sie artgerecht unterzubringen. Und, bitte, eine ausbruchsichere Umzäunung.

Mit der steigenden Popularisierung und allmählichen Haustierwerdung der Exoten treten allerdings auch typische Haustierprobleme auf. Tiere ziehen ihr Ding einfach durch, Menschen dagegen sind oft wechselhafter Natur. Nicht jeder, der sich ein Tier zulegt, ist der Verantwortung dauerhaft gewachsen. Er kümmert sich womöglich nicht richtig, verliert das Interesse, setzt es im schlimmsten (und verbotenen) Fall irgendwann einfach aus. Bei anderen Haltern wechseln die Lebensumstände, und plötzlich ist kein Platz mehr für den ehemals heißgeliebten Pflegling. Menschen machen auch Fehler, und ehe sie sich versehen, ist das Tier entwischt. Oder, hier gleichen sich Mensch und Tier wieder, eines Tages geben sie den Löffel ab. Hat es den Menschen zuerst erwischt, bleibt das Tier zurück. All das passiert bei Hund, Katze und Kanarienvogel ebenso wie bei Python und Chamäleon.

So tauchen mitten in Berlin plötzlich exotische Tiere auf, die ihren Haltern entfleucht sind oder ausgesetzt wurden. Was bei klassischen Haustieren Alltag und nicht einmal eine Randnotiz in der Zeitung, sondern allenfalls einen Zettel am Laternenmast wert ist, sorgt bei Reptilien oder eben Kängurus regelmäßig für Schlagzeilen.

Dass der vier Meter lange Tigerpython, der im vergangenen April bei Bernau aufgegriffen wurde, einiges Aufsehen erregte, verwundert wenig. Zwar sind diese Riesenschlangen weit weniger gefährlich, als gemeinhin angenommen wird, aber in der Bernauer Größenordnung ist so ein Tier durchaus ernst zu nehmen. Ganz anders bei den meisten Schlangeneinsätzen der Feuerwehr, zu denen es auch im vergangenen Jahr immer mal wieder gekommen ist. Im Regelfall entpuppt sich das aufgegriffene Reptil als harmlose, nordamerikanische Korn- oder Königsnatter, vielleicht auch mal als ebenso unbedenklicher afrikanischer Königspython. All diese Arten werden bei uns zu Tausenden von Schlangenliebhabern gehalten.

In letzter Zeit häufen sich bundesweit aber auch Einsätze, bei denen sich die vermeintlich exotische Schlange als hiesige Ringelnatter entpuppt. Es gibt in Berlin und Brandenburg genau eine einheimische Schlangenart, und die ist nicht mal selten (gut, und mit der Blindschleiche noch ein weiteres beinloses Reptil) – da wäre es an sich noch durchaus möglich, den Überblick zu behalten. Dass die Feuerwehr aber auch ausrücken muss, wenn Passanten eine Spielzeug-Gummischlange sichten, wirft dann doch Fragen auf. Beispielsweise die, wieso für Kosten, die durch entfleuchte Pfleglinge entstehen, gehaftet werden muss, nicht aber für solche, die durch Dummheit verursacht werden. So wird die Furcht vor dem Exotischen zum Spiegelbild der Entfremdung des Städters von der Natur.

Brisante Funde

Obschon in Berlin wohl noch niemals ein Mensch durch ein entkommenes exotisches Tier zu Schaden gekommen ist, während 2013 allein 620 Angriffe von Hunden auf Menschen statistisch verbucht wurden und man also durchaus zu dem Schluss gelangen könnte, dass andere Faktoren für die öffentliche Sicherheit noch ein ganz kleines bisschen relevanter sein könnten, hat die Berliner Politik 2007 eine „Verordnung über das Halten gefährlicher Tiere wildlebender Arten“ erlassen, in der ein Totalverbot etwa von Giftschlangen verfügt wird. Berlin ist damit neben Hessen das einzige Bundesland, in dem die Haltung solcher Tiere verboten ist. Seither können die vom Reptilienterror gepeinigten Hauptstädter endlich wieder ruhig schlafen. Anders als ihre Nachbarn in Brandenburg, die nach wie vor ganz ohne spezielle Regularien auskommen und daher in Angst und Schrecken leben müssen.

Vor brisanten Funden ist man in Berlin deswegen allerdings nicht unbedingt sicherer, wie sich im vergangenen November zeigte, als der Vermieter in einer ansonsten geräumten Weddinger Wohnung eines untergetauchten Mieters plötzlich auf 19 Klapperschlangen stieß, die dort geduldig in ihren Terrarien ausharrten. Da sich die ungewöhnlichen Nachmieter einerseits in keinem schlechten Zustand befanden und andererseits in der Liebhaberszene nicht ganz wertlos sind, liegt der Verdacht nahe, dass diese Gefahrensituation erst durch das Verbot geschaffen wurde. Da der Besitzer offenbar ohnehin ein gespanntes Verhältnis zur Gesetzeslage pflegte, hatte er wohl entschieden, auf weitere Scherereien wegen der verbotenen Haltung zu verzichten und die Tiere einfach zurückgelassen – immerhin wenigstens in ihren Terrarien. Experten haben vor solchen Folgen eines Komplettverbots immer gewarnt und fordern stattdessen eine an Auflagen geknüpfte Genehmigungspflicht. Auch aus Tierschutzgründen, denn wer geht schon mit einer illegalen Kobra zum Tierarzt, wenn es eigentlich erforderlich wäre?

Der Deutsche Tierschutzbund fordert wegen der Gesamtheit der möglichen Probleme strikte Regularien für die private Haltung aller exotischen Tiere und ein Haltungsverbot der meisten Arten. Die Tierheime könnten der Vielzahl exotischer Tiere sonst nicht mehr Herr werden. Bei näherer Betrachtung der zugehörigen Studie, die die Tierschützer im vergangenen Sommer vorlegten, zeigt sich allerdings, dass diese Schwemme doch eher relativ ist: Der Anteil an Reptilien in deutschen Tierheimen scheint bei deutlich unter fünf Prozent zu liegen.

Im Tierheim Berlin ist er größer, allerdings wurde dort auch 2009 ein Anbau eigens für exotische Tiere errichtet, sodass nach eigener Aussage ein „deutschlandweit einmaliges Kompetenzzentrum für Aufnahme nicht heimischer Tiere entstanden ist“. Derzeit sind dort neben rund 300 Hunden, 500 Katzen, 110 Kleintieren (überwiegend Kaninchen, Meerschweinchen usw., aber auch vereinzelte Exoten) und 200 Vögeln auch 200 Reptilien untergebracht. Bei Betrachtung der Vermittlungstiere relativiert sich die Aufregung um die Exotenschwemme dann allerdings doch ein wenig: Ganze 11 Bartagamen, drei Grüne Leguane, ein Bindenwaran, eine Königsnatter und eine Handvoll Kornnattern warten auf neue Herrchen oder Frauchen, daneben 13 Landschildkröten. Bis auf den Bindenwaran sind das weit verbreitete, gut zu haltende Arten. Der große Reptilienrest entfällt auf ganz „normale“ Wasserschildkröten, die seit Jahrzehnten als klassische Heimtiere gelten.

Die früher in Massen eingeführten Rotwangenschmuckschildkröten etwa, die als Fünf-Mark-Stück-große Schlüpflinge in Gartencentern und Baumärkten für einen ähnlichen Preis nicht an spezialisierte Exotenhalter, sondern eher an ganz normale und oft leider sehr unbedarfte Tierfreunde verkauft wurden, sind im Lauf der Jahre auf ansehnliche Suppentellergröße heran- und aus dem Kinderzimmeraquarium herausgewachsen.

So landen sie schließlich im Tierheim – oder gleich in den Berliner Gewässern, wo sie heute, etwa am Weddinger Plötzensee, längst ein gewöhnlicher Anblick für die Badegäste sind. Die nordamerikanischen Reptilien kommen als erwachsene Tiere mit dem hiesigen Klima ganz gut zurecht und haben sich daher mancherorts dauerhaft eingerichtet. Aus Angst vor einer Faunenverfälschung ist ihr Import vor einigen Jahren verboten worden. Dass Rotwangenschmuckschildkröten sich bei uns unkontrolliert vermehren, ist allerdings ohnehin nicht zu befürchten. Zum Ausbrüten der Gelege reicht die Zahl der hiesigen Sonnentage nicht aus.

Angesichts der fortwährenden Debatte um exotische Haustiere und damit verbundene Tierschutzprobleme hat der Landestierschutzbeauftragte, Prof. Horst Spielmann, einen Experten-Workshop einberufen, der kurz vor Weihnachten erstmals tagte. Angestrebt wird eine bessere Vernetzung der Fachleute in der Stadt, damit die Behörden schnell und unbürokratisch auf Experten für einzelne Tiergruppen zurückgreifen können. So sollen exotische Tiere sicher bestimmt und möglichst direkt in kompetente Hände gegeben werden, um das Tierheim zu entlasten. Schon jetzt unterhalten die Bezirksbehörden oft eigene kleine Hilfsstäbe aus Fängern und Haltern, die ihnen bei Problemen zur Seite stehen, es mangelt aber an übergreifender Koordinierung.

Verbote und Meldepflichten

Die bislang oft ungeklärte Finanzierung erweist sich ebenfalls als Hemmnis. Auch die Informationsangebote sollen verbessert werden. Manchen Haltern sind die bestehenden Regularien, Verbote und Meldepflichten gar nicht bewusst, ebenso wenig die Anlaufstellen für Fundtiere oder Expertenrat. Schließlich sollen angehende Halter motiviert werden, sich vor der Anschaffung eines Tieres gründlich zu informieren, um spätere Probleme zu vermeiden. Und als Bezugsquelle bieten sich in vielen Fällen die Tierheime an; so kann die Anschaffung des Wunsch-Exoten einen kleinen Beitrag zum Tierschutz darstellen.

Droht uns also die Exotisierung des Abendlandes? Eher nicht. Die Zahl der Fälle herumstreunender Exoten ist unterm Strich marginal, auch die Tierschutzprobleme sind nicht größer als bei anderen Haustieren. Nennenswerte Umweltprobleme gehen von den schlagzeilenträchtigen Ausbrechern aus privater Haltung ebenfalls nicht aus. Der Eindruck, exotische Haustiere würden zunehmend Berlin und Brandenburg unsicher machen, beruht auf einer verschobenen Wahrnehmung. Während Tausende herumstreunender Katzen, ausgesetzter Hunde und entflogener Kanarienvögel keine Beachtung finden, ist jede einzelne Kornnatter, und sei sie noch so winzig, eine Schlagzeile wert. Hund beißt Mann ist eben keine Meldung, Mann sieht Schlange sehr wohl.

Es ist insgesamt wohl eher die Furcht vor dem Fremden, dem Unbekannten, dem Exotischen eben, die immer wieder für Aufregung und Vorbehalte sorgt. Ein bisschen mehr weltstädtische Offenheit und Toleranz täten auch beim Kontakt mit fremdländischen tierischen Besuchern gut.