Und auf einmal hat das eher schlicht gehaltene Kneipenschild „Oase“ einen tiefen Sinn. Den Namen gibt’s seit Ewigkeiten, so wahr wie heute war er nie. Hinter den bierflaschenbraunen Butzenscheiben gibt es das kleine Pils für einen Euro zwanzig, Schlager aus der Musikbox, ein qualmendes, fideles, auch manchmal rotziges Neukölln. Kurz: den alten Kiez.
Locker machen die paar Gäste, die ständig da sind, zusammen mehrere Jahrhunderte an Lebensalter voll. Aber lieber Hipster, jetz pass ma jenau uff, hier kannste wat lernen: An Coolness macht den Tresenmotten nämlich keiner etwas vor. Käme ein Splitternackter zur Tür herein, keiner würde auch nur zucken. Schon gar nicht Rosemarie Höpfner, die Chefin. Ihr würde der Clubmaster-Zigarillo nicht aus dem Mundwinkel rutschen. Freundlich wird hier noch jeder empfangen. „Durchhalten“, so beschwören viele schon ihre „Rosi“. Was denn sonst als weitermachen, kontert die Wirtin. Sie macht, was sie will. Kein Brauereivertrag gängelt sie. Bei ihr gibt es Dab aus dem Hahn, keinen Schnick, keinen Schnack. Noch ’ne Frage? Dab. Genannt Dortmunder Arbeiterbier. Und Girlanden am Tresen, und und und. So ehrlich, echt, das ist doch Kult, jubeln Trendologen. Ganze Gruppen Ausgehwütiger fallen neuerdings in der Oase ein, dann brennt die Luft. Der Billardtisch ist dauerbesetzt, die Smartphones laufen heiß – und immer noch mehr Leute spült es hinein. Stoisch managt Rosi oder eine ihrer Stellvertreterinnen den Tsunami, die Stammgäste lassen sich nichts anmerken. Den Sturm abwettern, heißt es also, danach grüßt die Oase wieder.
Oase, Bürknerstraße 6, 12047 Berlin, Tel.: 693 48 36
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