Es gibt sogar Kontinentale, die behaupten, speziell Engländer der Oberschicht seien selbst jetzt, im 21. Jahrhundert, nur zu dem Zweck auf der Welt, sich mit Teakholz zu umgeben und auf schweren Ledersesseln mit Gleichgesinnten bei einem oder sieben Brandys ein wenig zu plaudern. Nicht dass das immer Spaß machen würde – es dient eher der Unterscheidung: Für einen echten englischen Club sind diejenigen, die vor der Tür bleiben müssen, mindestens ebenso wichtig wie diejenigen, die Zutritt haben.

Der Journalistenclub im 19. Stockwerk des Axel-Springer-Hauses in Kreuzberg ist, was das Teakholz betrifft, ein absolutes Original: Es ist die Vertäfelung des 1785 errichteten Gebäudes der Londoner „Times“, die man einst nach Berlin schaffen ließ. Couches, Sessel, Butlertische und Leuchter orientieren sich ebenfalls am angelsächsischen Vorbild. Verleger-Porträts von Max Liebermann und Max Slevogt schmücken die Wände. Und wie es sich für einen Club gehört, hat nicht jeder immer und in egal welcher Aufmachung freien Eintritt. Gedacht ist diese Stätte als Refugium, als stiller Ort für ein Interview in vertraulicher Atmosphäre. Allerdings sorgte über Jahrzehnte der dänische Kellner Karsten dafür, dass es nicht zu steif zuging: Der Mann ist Däne und duzt deswegen jeden, in seiner Muttersprache ist das Sie nur für die Mitglieder der königlichen Familie vorgesehen. Er ist nun nicht mehr ständig da, aber seine Nachfolger arbeiten in seinem Sinne. Einschüchternd soll die Umgebung auf keinen Fall wirken.

Der Club ist auch Treffpunkt für Politiker, Wirtschaftsexperten und Künstler geworden. 1999 trafen sich hier George Bush, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl zum Gespräch. Zu den Club-Gästen zählten auch der Dalai Lama und Billy Wilder. Am Abend des 9. November 1989 fand die Verleihung des „Goldenen Lenkrads“, des Preises der „Auto Bild“, statt. Jeder wird verstehen, dass an diesem Abend, an dem Axel Springers Prophezeiung vom Fall der Mauer wahr wurde, alles andere in den Hintergrund rückte. Und bis heute fragen sich die Gäste, was der Verleger wohl zur Aussicht über das wiedervereinigte Berlin zu sagen gehabt hätte.