Während seine Brüder - der rote Steher und der grüne Geher, besser bekannt als das rote und das grüne Ost-Ampelmännchen - eine Fangemeinde von sicherlich mehreren Millionen Menschen rund um den Globus haben und als Stofftiere, Flaschenöffner, Bücherstützen und was sonst noch allem zu einem beliebten Berliner Souvenir geworden sind, ja geradezu Kult-Status erlangt haben - kennt kaum jemand das gelbe Ampelmännchen.

Vielleicht liegt es daran, dass es nicht einmal gelb ist. Es ist schwarz und leuchtet daher gar nicht selber. Kein warnendes Rot, kein freundliches Grün. Aber dennoch der dritte Ampelmann-Zwilling, wenn man so will. Zumal das gelbe in der Form das grüne Ampelmännchen kopiert. Es geht nämlich. Dafür hat es als Einziges eine Aura - eine gelbe, kräftige, blinkende Aura.

Aber vielleicht ist der mangelnde Bekanntheitsgrad des gelben Ampelmännchens auch dadurch zu erklären, dass es im Vergleich zu seinen Brüdern, die 1961 erstmals erdacht und 1969 in den Dienst gestellt wurden, ein eher scheuer Zeitgenosse ist. Denn während die beiden bekannten rot-grünen Piktogramme in Berlin und in weiten Teilen von Ostdeutschland in großem Stil die Fußgängerampeln auf ihre unauffällige, aber sympathische Art verzieren, kommt das gelbe Ampelmännchen nur in ganz besonderen, ganz brenzligen Fällen zum Einsatz. Denn es arbeitet zwar auch für die Fußgänger, richtet sich aber an Autofahrer.

Das gelbe Ampelmännchen ist ein "Schutzblinker", wie sich nach anfänglicher Irritation ("Gelbe Ampelmännchen?") bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Verkehr in Erfahrung bringen lässt. Diese Blicklichter in der Form von Ampelleuchten werden immer dann an Kreuzungen angebracht, wenn abbiegende Autofahrer vor Fußgängern gewarnt werden müssen. "Die Schutzblinker werden nur nach Einzelfallprüfung angebracht", sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung. Passieren etwa an einer Kreuzung mehrere Unfälle mit Fußgängern, soll das gelbe Ampelmännchen sie "an gefährdeten Stellen" beschützen. Der Grund für die sparsame Einsetzung der Blinker: Autofahrer sollen sich nicht an sie gewöhnen, sondern über den Überraschungseffekt der gelben Signale auf die Fußgänger aufmerksam werden.

Dabei hat das gelb-schwarze Ampelmännchen dem grünen doch etwas voraus: Im Gegensatz zu seinem Bruder ist es wesentlich flexibler. "Manche Städte geben sich bei der Auswahl der gelben Männchen sogar die Mühe, es mal von links nach rechts, mal von rechts nach links gehen zu lassen. Je nachdem, ob es an einer linken oder rechten Seite einer Kreuzung angebracht ist", sagt Joachim Rossberg, Geschäftsführer der Zwickauer Verkehrstechnik. In Zwickau und Umgebung, in Dresden sowie in Leipzig soll das gelbe Ampelmännchen schon gesichtet worden sein, auch in Berlin taucht es immer wieder auf. Doch egal, wo die zusätzlichen Warnsignale nun in Betrieb sind: Die Ampelmänner haben keinesfalls das Monopol für ihre noble Aufgabe. Schutzblinker gibt auch ohne die Männchen, einfach nur in gelb oder auch mit einem Fahrrad darauf, um vor kreuzenden Radlern zu warnen: "Die Vorschrift zu den Schutzblinkern sagt natürlich nicht: Es muss das Ampelmännchen drauf", heißt es bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Es steht also nicht zum besten um den gelb-schwarzen Bruder der berühmten Ampel-Piktogramme. Für das gelbe Ampelmännchen kommt erschwerend sogar noch hinzu, dass von den rund 2200 Ampelanlagen in Berlin nur an 367 Anlagen auch Schutzblinker angebracht sind. Also nur an jeder sechsten Anlage, an denen dann nicht mal der gelbe Ampelmann seinen Dienst tun muss. Der dritte Zwilling führt eben ein Schattendasein.