Mitte Eines der markantesten Gebäude Berlins hat einen Käufer gefunden: Damit ist die jahrelange Suche nach einem überzeugenden Nutzungs-Konzept abgeschlossen. Die Deutsche Post hat als Eigentümer das ehemalige kaiserliche Postfuhramt an der Ecke Oranienburger-/Tucholskystraße an den israelischen Bauinvestor und Hotelbetreiber Adi Keizman verkauft. Über den Kaufpreis wollen die Beteiligten keine Auskunft geben. Allerdings ist aus Immobilienkreisen zu hören, daß das Postfuhramt für rund 20 Millionen Euro verkauft worden sein soll. Ein offenbar gutes Geschäft für die Deutsche Post, die nach dem Verkauf eine Hauptstadt-Repräsentanz in dem historischen Gebäude unterbringen möchte. Entsprechende Verhandlungen mit dem Investor liefen derzeit, sagte ein Post-Sprecher.
Ob eine Repräsentanz im ehemaligen Fuhramt tatsächlich Platz finden wird, ist offen, denn Investor Adi Keizman hat andere Vorstellungen für die Nutzung des Gebäudes. "Wir sind allerdings noch nicht festgelegt und werden uns gehörig Zeit lassen. Schließlich soll ein besonderer Ort geschaffen werden", erläutert Mirko Nowak, Sprecher der zuständigen Architektengemeinschaft Gottesmann & Smzelcman (Paris) / Pott Architects (Berlin). Innerhalb der nächsten zwei Jahre wolle man Informationen zur Ausgestaltung des Gesamtareals unweit der Jüdischen Synagoge sammeln. "Künstler, Anwohner, der Bezirk, Landesdenkmalamt und Institutionen sollen bei der Findung mithelfen", erläutert Mirko Nowak.
Fest steht allerdings schon jetzt, daß Wohnungen den Gesamtkomplex beleben sollen. Da das Hauptgebäude in seiner baulichen Eigenart allerdings kaum Wohnen zuläßt, dürfte sich dieser Teil der Nutzung auf das Hofgelände konzentrieren. Hier könnten die ehemaligen Pferdeställe und Postillon-Schlafplätze eine Möglichkeit sein, zumal von der Auguststraße aus eine Zufahrt besteht. "Galerien, Bistros, Shops und Eventräume werden in die Nutzung einbezogen", so Nowak. Der Bezirk Mitte hat Unterstützung signalisiert. Bezirksbürgermeister Joachim Zeller (CDU): "Es gibt noch baurechtliche Probleme, die gelöst werden. Grundsätzlich sind wir mit den Vorstellungen des Käufers einverstanden."
Nach Einschätzung des Investors Adi Keizman ist das Fuhramt ein "künstlerisches Meisterwerk". Daher werde er auch nicht sofort eine endgültige Lösung der Nutzung präsentieren: "Zuerst möchte ich das Wesen des Gebäudes verstehen", sagt er.
Mirko Nowak weiter: "So ist geplant, daß junge Kreative dem Postfuhramt eine neue Identität geben sollen." Als erster Zwischennutzer zeigt bereits die Galerie C/O Berlin die Ausstellung "Faces of Football" - Porträts von WM-Teilnehmern.
In einer nächsten Phase werden die Architekten Gottesmann und Pott die Sanierung des Gebäudes in Angriff nehmen. "In unseren ersten Entwürfen entsteht eine Symbiose des denkmalgeschützten Teils und modernen Neubauten im Hof", so Nowak. Im Mittelpunkt des dreigeschossigen Eckgebäudes wird auch in Zukunft der markante achteckige Kuppelbau des ehemaligen Hörsaals stehen. Er kann für Konzerte und Veranstaltungen genutzt werden.

