Nach zehn Jahren Stillstand rollen wieder Schienenfahrzeuge aus Reinickendorf in alle Welt. Auf dem Gelände der ehemaligen Waggon-Union an der Holzhauser Straße produzierten die Fahrzeugwerke Miraustraße (FWM) nach historischem Vorbild zwei neue Reisezugwagen für die Inselbahn auf Langeoog.

Modernste Technik versteckt sich hinter feuerrotem Stahl. Die Waggons müssen sich nicht hinter einem ICC verstecken. In der Mitte sorgt eine Hubbühne für barrierefreien Zugang. "Vor allem für Familien mit Kinderwagen ideal", wie Langeoogs Bürgermeister Hans Janssen betonte. Er nutzte die Gelegenheit, die Waggons persönlich abzuholen. 1,4 Millionen Euro investierte die Nordseeinselgemeinde in die Erneuerung ihre Schmalspurbahn im Design der 30er Jahre.

Alles andere ist jedoch auf den neuesten technischen Stand und vieles Sonderanfertigung. Wegen des Klimas - viel Salzwasser - arbeiteten die FWM mit sehr dicken, rostfreien Stahlblechen. Türen und Fenster wurde extra für die Züge angefertigt. "Auf die Bremsen mußten wir neun Monate warten", erzählt Ingenieur Günter Ziche, der die Waggons von A bis Z entwickelte.

Firmenchef Reiner Mattias ist stolz: "Wir reparieren und warten nicht nur Schienenfahrzeuge sondern wir bauen nun komplett neue Züge." Der studierte Elektrotechniker sah vor drei Jahren seine Chance, als ABB und Bombardier sich aus dem Schienenfahrzeuggeschäft in Berlin und Brandenburg zurückzogen. "Der Standort Holzhauser Straße war für die Schließung vorgesehen. Da habe ich das Werk 2002 übernommen." Vorher mußte er jedoch erst sein Haus verkaufen. Sein Mut hat sich gelohnt. Bei der FWM werden nicht nur Waggons der Deutschen Bahn AG fit gemacht. Aufträge kommen inzwischen aus ganz Europa. Zur Zeit legen seine Mitarbeiter letzte Hand an eine Straßenbahn an, die bald schwedische Fahrgäste befördert.

Matthias: "In Deutschland gibt es keine Firma mehr, die Schmalspurbahnen baut oder repariert. In diesem Sektor sind wir einzigartig." Der Vater einer erwachsenen Tochter, vor der Firmengründung bei den großen Unternehmen der Bahnbranche tätig, nutzte seine fundierten Kenntnisse für die Firmengründung. Nun beschäftigt er 30 Mitarbeiter.