Polen kommt nach Oberschöneweide: In der einstigen Kaiser's-Kaufhalle an der Siemensstraße 23-26 verkauft eine FU-Studentin "Rolmopsy" und Heringsröllchen aus Gorzow. Eine Handelsvertreterin reicht Kostproben von Wurst aus Nowa Sol und Bogdan Josef von Falkenmeier wirbt lächelnd für Amaretto-Sirup aus Walcz und Konfekt aus Raciborz. Auf der Handelsmesse im früheren Supermarkt präsentieren sich polnische Lebensmittelhersteller noch heute bis 12 Uhr.

In einem Teil der Halle werden aber auch künftig polnische Säfte, Milch und Wurst zu haben sein. Initiator ist das junge Unternehmen Imex GmbH, das die Produkte direkt bei Herstellern im neuen EU-Mitgliedsstaat kauft und in Oberschöneweide anbietet. Geschäftsführer Heinz Klimczak hat die deutsche Firma im Januar gegründet. "Noch im Mai wollen wir der polnischen Imex-Gesellschaft beitreten." Klimczaks Geschäftssitz ist die einstige Kaiser's-Halle, die nach mehrjährigem Leerstand nun wieder eine Zukunft hat. "Wir haben sie von der TLG Immobilien mit einer Kaufoption gemietet." Nach dem kommenden Sommer soll der 1500 Quadratmeter große Bau renoviert und umgebaut werden.

Doch damit nicht genug: Im Neubau gegenüber stehen 13 Geschäfte leer. Die Imex GmbH handelt zurzeit mit der Köpenicker Wohnungsgesellschaft Mietkonditionen für die Räume aus, die zu einer Einkaufspassage werden sollen. "Wir wollen dort Spielzeug, Konfektion und Drogerieerzeugnisse aus Polen anbieten", kündigt Klimczak an. Und polnische Delikatessen, die im Supermarkt auf der anderen Straßenseite nicht zu haben sind. Mit dem deutsch-polnischen Handel erfülle er sich einen Traum, sagt der Firmenchef, der aus der Baubranche kommt und vier Jahre in Oppeln gearbeitet hat.

"Außerdem tun wir etwas für die Infrastruktur in Oberschöneweide." Die stark befahrene Siemensstraße ist bislang alles andere als eine Einkaufsmeile. Klimczak will auch Vorbehalte abbauen. "Ich weiß, dass es auf deutscher wie auf polnischer Seite Berührungsängste gibt, die aus der Geschichte kommen." Beabsichtigt sei, deutsche Arbeitslose einzustellen. Dass auch kleine Unternehmen aus Treptow-Köpenick eine Chance bekommen, ihre Produkte in Polen abzusetzen, wünscht sich Bezirksbürgermeister Klaus Ulbricht (SPD). "Ich hoffe, dass der Handel von gegenseitigem Nutzen ist."

Auch der Bezirk Lichtenberg ist sehr an deutsch-polnischen Wirtschaftskontakten interessiert und plant, dafür ein Büro einzurichten. Das stößt indes bei der Berliner FDP auf Unverständnis. Für den Abgeordneten Wolfgang Mleczkowski hört sich das Vorhaben wie ein "Signal aus Hinterposemuckel an die große, weite Welt" an. Ein einzelner Bezirk brauche solche Kontaktplattformen Richtung Polen nicht. Der Senat stehe vielmehr in der Pflicht, so Mleczkowski, eine gemeinsame Koordinierungsstelle mit Brandenburg zu schaffen. Er plädiert deshalb dafür, die für das Projekt vorgesehenen Fördermittel von knapp 242 000 Euro aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung in ein Berlin-Brandenburger Gemeinschaftsunternehmen umzuschichten.

Berlins Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch steht aber hinter dem Lichtenberger Antrag, dem ein einstimmiger Beschluss der Steuerungsrunde des bezirklichen Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit zu Grunde liege. Auch der Wirtschaftskreis Hohenschönhausen-Lichtenberg habe Bedarf angemeldet, zum anderen unterstütze das Bezirksamt bereits Kontakte mit Warschau-Bialoleka und der ostpolnischen Region Hajnowka. Ein Förderbescheid wurde jedoch bislang vom Senat noch nicht ausgestellt, weil Lichtenbergs Anteil an der Finanzierung des Projekts noch unklar ist.