Gutspark am Rand der Stadt lockt mit Naturidylle pur

Berlin bietet viele schöne Ecken: Plätze, von denen oft nur Kiezkenner wissen, verschwiegene Orte, die man zufällig bei einem Spaziergang entdeckt. Wir stellen Ihnen in loser Folge zwölf Berliner und ihren jeweiligen Lieblingsplatz in der Stadt vor.

Den historischen Gutspark Falkenberg hat Gret-Dörten Michaelis zu ihrem Lieblingsplatz auserkoren. Sie nennt ihn einen Ruhepol. "Viel Muße, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, habe ich aber nur manchmal", sagt die Leiterin des Dorfkindergartens. Denn meist schwirren in der Idylle wissbegierige Kinder um die passionierte Naturkennerin herum.

Die 44 Jahre alte Friedrichsfelderin gesteht: "Als ich die Anlage vor zwei Jahren zum ersten Mal durchstreifte, fühlte ich mich von ihrer Abgeschiedenheit magisch angezogen." Allerdings war der 6000 Quadratmeter große Gutspark da noch völlig verwildert. Hinter dichtem Unterholz döste der Teich vor sich hin, eher ein verschwiegenes Plätzchen für Liebespaare.

Inzwischen macht der einstige barocke Lustgarten seinem historischen Vorbild wieder alle Ehre. "Der Bezirk hat seine Investitionen von 570 000 Euro gut angelegt", sagt Michaelis. Nun lassen geschwungene Pflasterwege unter majestätischen Ahornbäumen oder Akazien die Spaziergänger ahnen, wie dort vor 200 Jahren adlige Damen und Herren des nahen Rittergutes lustwandelten. Rustikale Treppen überwinden das Landschaftsgefälle, Wiesen laden zum Spielen, 800 Rhododendronsträucher, 10 000 Krokusse und Wildstauden sorgen zu jeder Jahreszeit für Farbspiele.

Rund um das Gutsteich-Biotop mit seinem Schilfgürtel führt wieder ein schmaler, romantischer Weg. Trauerweiden hängen ihre Äste über das Wasser, von Bänken lässt sich die Natur entspannt beobachten, sind Blesshühner und Frösche zu sehen und zu hören. "Unsere Kinder, die zumeist aus den Plattenbausiedlungen stammen, lernen so Flora und Fauna hautnah kennen", sagt Gret-Dörten Michaelis. Sie kam 1982 aus einem mecklenburgischen Dorf nach Berlin: "Zu Hause lernte ich früh, dass man die Natur achten und schützen muss. Das gebe ich jetzt weiter."

Der Gutspark ist auch Eingangstor in den länderübergreifenden Regionalpark "Barnimer Feldmark". Dorthin gelangen Wanderer über den Stegeweg, vorbei an Obstwiesen und Auerochsen auf den Weiden. In diese Richtung soll der Gutspark demnächst erweitert werden, mit Spiel- und Picknickwiesen sowie Aussichtsinseln. Ein weiterer Anziehungspunkt ist die Humboldt'sche Familiengruft auf dem benachbarten Dorffriedhof. Marie Elisabeth von Humboldt (1741-1796) - Mutter der Gelehrtenbrüder Alexander und Wilhelm - ist dort mit ihren Ehegatten bestattet. Sie war Patronin von Gut Falkenberg, machte sich um Gemeinde und Schule verdient. Obwohl die Familie in Schloss Tegel residierte, wurde ein Gewölbe unter dem Altar der 1945 gesprengten Dorfkirche als Begräbnisstätte bestimmt.