Tempelhof-Schöneberg Von Katrin Lange Der offiziell erste deutsche Bioladen muss schließen. Schuld daran ist nicht die zu geringe Nachfrage, sondern der Bio-Boom. Das 1971 in der Schöneberger Pallasstraße gegründete Geschäft Peace Food, das seit Sommer 2000 unter dem Namen "Lebensbaum Naturwaren Laden" in der Winterfeldtstraße zu finden ist, gibt sich aufgrund der wachsenden Konkurrenz der Bio-Supermarktketten geschlagen. Der Ausverkauf läuft, die Regale leeren sich. Morgen ist Schluss. Die Inhaber Florence Spitz und Ronald Brauer tragen es nach monatelangem Hoffen, Bangen und Rechnen mit Fassung - nehmen es fast erleichtert. Sie mussten einsehen: "Die kleinen Läden haben keine Chance mehr."

Eigentlich sind beide Akademiker. Ronald Brauer hat Mineralogie studiert. Die gebürtige Französin Florence Spitz ist Germanistin. Die 55-Jährige hat nach ihrem Studium in Paris und Berlin als Lehrerin in der Erwachsenenbildung gearbeitet. Fast nebenbei entdeckte die Vegetarierin die Naturprodukte. Nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung, Kosmetik, Kerzen, Papier. Mit dem Vertrieb ergonomischer Stühle stieg Florence Spitz zunächst bei Peace Food ein, 1989 übernahm sie den Laden.

Es lief gut. Als das Haus in der Pallasstraße saniert wurde und sie im Jahr 2000 rausmussten, wurde es sogar noch besser. In der Winterfeldtstraße fanden sie ein helleres und größeres Geschäft. "Der Umsatz verdoppelte sich fast", erzählt Ronald Brauer. 2001 war das beste Jahr. Die BSE-Krise brachte neue Kunden in den Bioladen, in dem es nie Fleisch gab. Dafür die größte Auswahl an Tofu und Brotaufstrichen. Bis zu 15 Angestellte kümmerten sich um die Kunden, zwei Kassen waren besetzt. Doch 2004 ging es bergab. Um die Ecke in der Hauptstraße hatte ein Bio-Supermarkt aufgemacht. Das war das Ende. Nicht die Preise, sondern das breite Angebot des Konkurrenten machte das kleine Geschäft kaputt.

Die Umsätze gingen um 70 Prozent zurück, bis November 2006 mussten alle Angestellten entlassen werden. Wie es jetzt weitergeht, wissen die beiden noch nicht. Mit den Naturprodukten haben sie abgeschlossen. "Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass überall Bio angeboten wird", sagt Florence Spitz. Aber ihr Geschäft hat das nun kaputt gemacht.