Zehlendorf Der Sänger und Schauspieler Herbert Grönemeyer hat sich in den Streit um den Verkauf eines Gartenstücks der Zehlendorfer Kita "Weg der Mitte" eingeschaltet.
Der prominente Nachbar der Kita kritisiert, "dass hier der letzte Wille eines Erblassers zu Lasten von Generationen betroffener Kinder einfach missachtet wurde". Als verantwortlicher Bürger müsse man dafür sorgen, dass ein solcher Umgang mit Kindern und Erblassern endgültig der Vergangenheit angehöre, schreibt Grönemeyer in einer Erklärung und appelliert an Klaus Wowereit, seinen Einfluss geltend und den Verkauf rückgängig zu machen
Wie berichtet, sind 600 des 1600 Quadratmeter großen Gartenlandes der Kita in der Schmarjestraße 14 an eine Privatperson verkauft worden. Der Betreiber der Kita, der Verein "Weg der Mitte", wehrt sich gegen den Verkauf, weil eine soziale Bindung auf dem Grundstück liegt. Die Villa wurde 1981 dem Land Berlin mit der Auflage vererbt, sie für gemeinnützige Zwecke zu nutzen. Mit dem Einverständnis der Witwe zog 1988 der Kindergarten ein.
"Der Liegenschaftsfonds sieht keinen Anlass für eine Rückabwicklung des Verkaufs", sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Er klärte darüber auf, dass das Haus etwa nur zur Hälfte von der Kita genutzt werde. Weil es keinen ordentlichen Mietvertrag zwischen Betreiber und Bezirksamt gebe, solle die "Nutzung der Villa jetzt auf eine klare Vertragsbasis gestellt werden", sagte Stäglin.
Die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen stehen hinter ihm. Sie fordern eine Gleichbehandlung aller freien Träger und eine marktübliche Miete für das Objekt. Torsten Hippe (CDU) führt sogar eine Nachzahlung von entgangenen Mieteinnahmen ins Feld. "Man könnte meinen, der Verein hat die Kita nur betrieben, um den Rest des Hause nutzen zu können", mutmaßt Hippe.
Percy MacLean, Richter und Vorstandmitglied im Kita-Verein, wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Er macht sogar Rückforderungsansprüche des Vereins geltend, weil über längere Zeit Gewerbemiete für die Kita-Räume gezahlt wurde. Die restlichen Etagen des Hauses, so MacLean, seien Wohnungen, für die Miete nach dem Berliner Mietspiegel gezahlt würden.
Am meisten erbost Percy MacLean aber, dass bei dem Streit um Nutzung und Miete, die soziale Bindung des Objekts aus dem Auge verloren wurde. Erbrechtsspezialist Professor Manfred Bengel unterstützt ihn in seinen Forderungen. Er bestätigt, dass das Grundstück "auf jeden Fall nicht frei von Auflagen an das Land Berlin gefallen ist, sondern dass es weiterhin zu einem sozialen Zweck genutzt werden muss".


