Hilfe für arbeitslose Jugendliche

Kay Thiede ist stolz. Er hat gehalten, was er versprochen hat. Mehr als die Hälfte der langzeitarbeitslosen jungen Menschen, die am 1. November 2005 im denkmalgeschützten Baerwaldbad eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme begonnen hatten, sind ein Jahr später vermittelt.

Kreuzberg Kay Thiede ist stolz. Er hat gehalten, was er versprochen hat. Mehr als die Hälfte der langzeitarbeitslosen jungen Menschen, die am 1. November 2005 im denkmalgeschützten Baerwaldbad eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme begonnen hatten, sind ein Jahr später vermittelt. Nicht in irgendwelche Jobs oder Maßnahmen, sondern in verschiedenen Branchen des 1. Arbeitsmarktes.

Mit vierzig 16- bis 25-Jährigen hat Kay Thiede, Projektleiter bei der Dr.-Jörg-Thiede-Stiftung und Sohn des Gründers, im Bad angefangen. Zwei Schulabbrecher, die Hälfte der Jugendlichen ungelernt, ein Drittel ursprünglich aus der Türkei oder dem Libanon stammend. Fünf junge Frauen haben sich auch durch das Baustellen-Programm gebissen.

In Teams halfen sich die Gesellen und Bauhelfer gegenseitig, außerdem standen den Jugendlichen zwei über 50-jährige Meister bei besonders kniffeligen Fragen zur Seite. Eine Sozialpädagogin betreute die jungen Menschen etwa beim Bewerbungstraining.

Bezahlt wurden alle vom Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg: 990 Euro erhielten die Gesellen, 810 Euro die Ungelernten und 1200 Euro die Meister. Die Thiede-Stiftung stellte Material und Know-how sowie den engagierten Projektleiter zur Verfügung.

Die Bilanz des besonderen Bautrupps ist beachtlich: 270 Kubikmeter Schutt, etwa aus dem alten Wannenbad, das später einmal zu einem türkischen Bad - einem Hamam - ausgebaut werden soll, wurden entsorgt. Das entspricht 90 Containern. 25 Holzbänke wurden nach einem eigens mit dem Denkmalamt abgestimmten Farbgutachten aufgearbeitet und neu gestrichen, 200 Fenster überholt und teilweise verglast, eine Wohnung komplett renoviert und ein Treppenhaus vorbereitet.

"Wir haben viel für die weiteren Arbeiten am Bad vorbereitet, und die Jugendlichen haben viel gelernt", sagt Kay Thiede. Dazu gehören auch so simple Dinge, wie morgens um 8 Uhr pünktlich auf der Baustelle zu erscheinen.

Außer den Jugendlichen und der Stiftung, sagt Thiede, habe sich allerdings nach der Planung niemand mehr so recht um das Projekt gekümmert. Die Denkmalschützer hat Thiede zum Beispiel auf der Baustelle vermisst. "Außerdem ist der bürokratische Aufwand riesig", sagt Thiede. Für alles und jedes galt es, irgend ein Papier auszufüllen. "Das ist für eine kleine Familienstiftung kaum zu leisten." Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter lobt er: Alles habe reibungslos geklappt.

Die Stiftung hat unter anderem zum Ziel, benachteiligte Jugendliche gemäß dem Motto: "Gib mir etwas Sinnvolles zu arbeiten und ich werde lernen" zu fördern. Unter dem Motto "Denk mal ans Denkmal" hat die Stiftung bereits mehrere Baudenkmäler in der Bundeshauptstadt Berlin und im Nachbarland Brandenburg saniert. Am 23. Januar 2006 wurde die Dr.-Jörg-Thiede-Stiftung für ihr Engagement im Baerwaldbad mit dem Förderpreis "Jugend in Arbeit" in der Kategorie Freie Träger im Land Berlin ausgezeichnet. Der Bundeswettbewerb wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit initiiert.