Es gab ihn nicht einmal 50 Jahre lang. 1945 versank der Kaisersteg in den Wellen der Spree. Nur zwei Pfeiler ragten nach der Sprengung aus dem Wasser empor, auch sie wurden Jahre später beseitigt. Jedoch vergessen hat man die filigrane Brücke aus Stahl nie. Sie spannte sich im leichten Bogen über den Fluss, von der Laufener zur Hasselwerderstraße und verband Ober- und Niederschöneweide.

Nun ist das Geld für einen Neubau bewilligt. Etwa vier Millionen Euro werden aus EU-Mitteln für regionale Entwicklung bereitgestellt, so die frohe Botschaft, die Michael Wendt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mitteilte. Die Pläne sind längst fertig - es wird kein Nachbau der legendären Fußgängerbrücke sein. Dennoch musste sich die vom Senat beauftragte Ingenieurgesellschaft Schmitt, Stumpf, Frühauf und Partner (SSF) mehreren Herausforderungen stellen.

Unter anderem ist der Verlauf der Spree seit dem Krieg verändert worden. Auf dem Nordufer in Oberschöneweide wurde Sand angeschüttet, am Südufer Boden entfernt. Die Fahrrinne verläuft nicht in der Mitte, sondern nahe am Südufer. Zudem liegen die Straßen auf beiden Ufern nicht in einer Achse. Daher verläuft der neue Steg nicht gerade über die Spree, sondern macht eine Kurve.

Drei Konstruktionsvarianten hat SSF ausgearbeitet. Realisiert wird die Lösung, bei der die 162 Meter lange Brücke in einer eleganten Linie die Spree über drei Flusspfeiler quert. Die größte Distanz mit 76 Metern Spannweite befindet sich dabei über der Fahrrinne. In diesem Abschnitt verläuft die Kurve. Ein geschweißter Stahlbogen steht schräg auf der Brücke und trägt die Konstruktion. Die Gesamtbreite beträgt sechs Meter.

Noch 2002 könnten laut Wendt die Aufträge ausgeschrieben werden, 2003 der Bau beginnen. Gerade ältere Bewohner aus Ober- und Niederschöneweide freuen sich darauf. Sie haben den alten Kaisersteg, der wegen des steten heftigen Windes auch «Schwindsuchtbrücke» genannt wurde, gut in Erinnerung. Waltraud Krause, Ortschronistin von Oberschöneweide, ist als Kind über den Kaisersteg gelaufen: «Wenn wir mit der Schulklasse im Gleichschritt gegangen sind, schwankte der Boden unter uns.» Auch andere Oberschöneweider erinnern sich, dass sie über die Brücke zum Kino Elysium gegangen sind, vor allem aber zum Bahnhof Schöneweide.