Von Steffen Pletl Die Adressen haben klingende Namen, Arnold-Schönberg-Platz, Puccini- oder Chopinstraße, und im Komponistenviertel leben, heißt, sich für das ruhige Wohnen zu entscheiden. Der Kiez jenseits der Berliner Allee mausert sich nach der Sanierung vieler Häuser zusehend zu einer behagliche Wohnlage.

Weit weg, kaum mehr zu hören ist mittlerweile das Großstadtgetöse des rund um die Uhr dröhnenden Autoverkehrs auf der Berliner Straße. Wie ein Schutzwall halten die Häuser an der Magistrale Lärm und Schmutz von dem zwischen 1870 und 1930 entstandenen Kiez zurück. Typisch für die damalige Stadtrandbebauung war ein Mix aus Werkstätten und Wohnhäusern. Dieser Charakter ist teilweise noch erhalten. An vielen der kleinen Höfe hinter den drei bis viergeschossigen Häusern haben Töpfer ihre Räume, Maler ihre Ateliers und Designer ihre Kreativwerkstätten.

Das Quartier zwischen Indira-Gandhi- und Gürtelstraße ist seit 1994 ein Schwerpunktgebiet der Berliner Stadtentwicklung. Mehr als drei Million Euro investierte das Land bislang in diesen innerstädtischen Wohnstandort. Bisher wurden mehr als 1300 der zirka 4000 Wohnungen saniert, davon 650 mit Geld aus der Landeskasse. Doch die meisten Mittel verschlingt der Ausbau der Infrastruktur. Schulen mussten dringend auf Vordermann gebracht werden, damit die jungen Familien ihre Kinder im Kiez zur Schule bringen können. Kostspielig ist auch die Instandsetzung und Neugestaltung der Spielplätze. Mehr als 500 000 Euro wurden in derartige Projekte investiert. Derzeit laufen die Bauarbeiten für den Neubau einer Jugendfreizeitstätte.

Dennoch muss in dem zirka 50 Hektar großen Kiez noch eine Menge getan werden. So steht zum Beispiel der seit Jahren geplante Neubau einer Bibliothek am Antonplatz noch aus. Und auch die Sanierung der Gehwege ist in dem 5000 Bewohner zählenden Kiez dringend erforderlich.

Derzeit bestimmen zahlreiche Baustellen das Bild entlang der Straßen. Ein besonderes Problem für die Anwohner ist der Berufsverkehr, denn zahllose Autofahrer nutzen die Bizetstraße, um den Dauerstau auf der Berliner Allee zu umfahren. "Wir brauchen endlich ein Einbahnstraßennetz", sagt Anwohner Gerd Schlaube.

Der Name des Viertels besteht erst seit 1947, als die Straßen nach berühmten Komponisten umbenannt wurden. Als das Gelände des ehemaligen Gutshofes Weißensee Anfang des 20. Jahrhunderts bebaut wurde, erhielten die Straßen zunächst die Namen von Städten oder Schauplätzen des siegreichen Krieges 1870/71 in Frankreich.