Die US-Stadt Boca Raton hat dem Bezirk Spandau die Freundschaft gekündigt, und in Berlin herrscht helle Aufregung. Teils düpiert über den Schritt der Amerikaner, teils entsetzt über die öffentliche Wirkung, bemüht man sich in Spandau um Schadensbegrenzung. Auch die deutsch-amerikanische Gesellschaft will vermitteln.

Aus der Stadt in Florida war am Mittwoch ein Brief eingegangen (wir berichteten), in dem der Partnerschaftsvertrag von 1974 gekündigt wurde, "weil sie uns gegenseitig nicht mehr nützlich ist", wie es heißt. Der Sprecher der Küstenstadt, Neil Evangelista, hat inzwischen bestätigt, dass die deutsche Haltung im Irakkrieg für die Entscheidung nicht ausschlaggebend war. Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) will sich "wegen der Symbolik des Schritts" aber bemühen, die Wogen zu glätten. Kontakte zu amerikanischen Streitkräften aus Mauerzeiten möchte er nutzen, um die US-Partner dazu zu bewegen, ihre Entscheidung zu revidieren.

"Wir sind bereit, unsere Kanäle zu nutzen", sagt auch Bruno Kaiser, Geschäftsführer der Deutsch-amerikanischen Gesellschaft Berlin. Nach Boca Raton gebe es aber keine Kontakte. Die Kündigung der Partnerschaft ist für Kaiser "Indiz für die Stimmung, die zwischen Amerika und Deutschland derzeit herrscht". Menschliche Kontakte, wie sie Städtepartnerschaften fördern, seien deshalb umso wichtiger.

In Spandau war lange Zeit nicht bemerkt worden, dass im sonnigen Florida die Meldungen über antisemitische Ausfälle bei der Rückbenennung der Kinkel- in Jüdenstraße am 1. November vergangenen Jahres für Zündstoff und eine öffentliche Debatte über die Partnerschaft mit Spandau gesorgt hatten. Bis heute sind die Vorgänge ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer. Boca Ratons Bürgermeister Steven Abrams aber hatte seinen Spandauer Kollegen Birkholz zu Jahresbeginn um Aufklärung gebeten und keine Antwort erhalten. "Diesen Brief habe ich nie gesehen", sagt Birkholz. "Und bevor ich jemandem nach 30 Jahren die Freundschaft kündige, frage ich noch einmal nach."

Von den Verstimmungen unterrichtet waren die Spandauer dennoch. Der Vorsitzende des Spandauer Partnerschaftsvereins, der Ex-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Behrendt (SPD), der gestern die Auflösung der Partnerschaft sehr bedauerte, hatte bereits im Februar an den Vorsitzenden des Partnerschaftskomitee von Boca Raton, Bob Hildreth, geschrieben, dass der Bezirk an der Fortsetzung interessiert sei. Birkholz reagierte im April. Zu spät, um die verärgerten Amerikaner umzustimmen.

Die Senatskanzlei blieb gestern eine Stellungnahme schuldig. Auch Christiane Hohmann, Fachsprecherin für Amerika im Auswärtigen Amt, wollte den Vorgang nicht kommentieren. "Wir sind mit Städtepartnerschaften nicht befasst und würden nur eingreifen, wenn man uns darum bittet."