Brückenschlag am Bahnhof

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Matthias Steube

Die Bahn kommt - aber oft mit Verspätung. Vor allem beim Bau des Bahnhofs Spandau hat sie den Zeitplan heftig überzogen: Auch im fünften Jahr nach Eröffnung fehlen Fahrtreppen und Fußgängerbrücken. Zudem machen enge Fahrstühle und fehlende Kofferkulis den täglich 40 000 Fahrgästen das Leben unnötig schwer. Immerhin soll jetzt endlich die Brücke über die Klosterstraße geschlagen werden.

Immer wieder wurden den Spandauern vom Bahnkonzern neue Termine genannt, zu denen Abhilfe geschaffen werden sollte - eingehalten wurden sie nicht. Also beschäftigte sich der Bauausschuss des Bezirks auf Antrag der SPD erneut mit der Bummel-Bahn. «Die Fahrgäste haben kein Verständnis mehr für die Verzögerungen», begründete SPD-Mann Jochen Liedtke.

Geladen waren DB-Infrastrukturmanagerin Svetlana Stern und Marcus Friebe, Chef im Bahnhof Spandau. Dass auch die beiden mit Verspätung erschienen, nahm der Ausschuss unter Gelächter zu Protokoll, aber nicht übel. Immerhin hatten die beiden Konkretes im Gepäck. Ende März soll mit dem Bau der Fußgängerbrücke über die Klosterstraße begonnen werden. «In der Nacht vom 18. zum 19. Mai werden die S-Bahn-Gleise gesperrt und die Brückenteile eingeschweißt», nennt Friebe einen konkreten Termin. Die versprochene Wiederherstellung der Brücke über die Havel in den Stresow aber wird erst 2004 verwirklicht werden können. Begründung: Ein privater Eigentümer müsse einen Grundstücksteil für den Treppenabgang freigeben. Dies rief Jürgen Czarnetzki, Vorsitzender des Berlin-brandenburgischen Fahrgastverbandes Pro Bahn, und Baustadtrat Carsten Michael Röding (CDU) auf den Plan: Die Planfeststellung sähe den Abgang auf bahneigenen Flächen vor, argumentierten sie unisono. Doch die Bahnvertreter sahen sich außer Stande, Angaben dazu und zur Frage zu machen, ob die Fußgängerbrücke überdacht oder in anderer Weise wettergeschützt sei.

Ins Rollen gekommen ist der Einbau der einzigen nach unten führenden Fahrtreppe am S-Bahnsteig. Die Bahn hatte sie für November 2002 zugesagt. Montiert ist sie mittlerweile. «In den nächsten vier bis sechs Wochen wird sie in Betrieb gehen», sagte Friebe.

Die von vielen Bahnkunden bemängelten häufigen Ausfälle von Aufzügen und Fahrtreppen begründeten die Bahn-Mitarbeiter mit «einer Menge von Mängeln, die mit der Baufirma aufzuarbeiten sind». Die Reparaturen zögen sich in die Länge, weil die Gewährleistungspflicht abgelaufen ist und die Unternehmen nur schwer dazu zu bringen seien, sich bei der Störungsbehebung zu engagieren.

Bahnhofskummer

Der Fahrgastverband Pro Bahn im Netz: www.pro-bahn.de/berlin-brandenburg