Verantwortung

DRK-Schwesternschaft: Vier Vorstände legen ihre Ämter nieder

Reaktionen auf Gehaltsaffäre um ehemalige Oberin

Die Gehaltsaffäre um die ehemalige Oberin der gemeinnützigen DRK-Schwesternschaft Berlin, Heidi Schäfer-Frischmann, zieht erste personelle Konsequenzen nach sich. Vier Mitglieder des Vorstands haben ihre Ämter niedergelegt, um einen „personellen Neubeginn“ zu ermöglichen und den „Weg für eine konsequente Neustrukturierung der Gremien der Schwesternschaft“ freizumachen. Wie berichtet, soll Schäfer-Frischmann über mehrere Jahre ein Gehalt sowie Sonderzahlungen von insgesamt bis zu 540.000 Euro pro Jahr bezogen haben. Das gelangte durch einen Beitrag des RBB-Fernsehmagazins „Klartext“ Ende April an die Öffentlichkeit. Schäfer-Frischmann, heute 64, stand von 1996 bis Ende 2012 an der Spitze der Berliner DRK-Schwesternschaft. Ihr Gehalt und die Bonuszahlungen seien nur einem kleinen Personenkreis aus dem Vorstand bekannt gewesen, so „Klartext“.

„Hohe moralische Verantwortung“

Ihre Ämter zur Verfügung gestellt haben nun der erste stellvertretende Vorsitzende des geschäftsführenden Vorstandes, Peter M. Kupsch, die Juristin Heike Ruge-Mydiak, der Schatzmeister Milos Stefanovic und Diane Bedbur, die dem geschäftsführenden Vorstand als „ständiger Gast“ angehörte und Verwaltungsleiterin der Schwesternschaft ist. Das geht aus einem Informationsschreiben der Schwesternschaft hervor, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Demnach begründen sie ihren Schritt mit der „besonders hohen moralischen Verantwortung als Vorstandsmitglieder der DRK Schwesternschaft Berlin“. Im Zusammenhang mit der öffentlichen Diskussion über mutmaßlich überhöhte Bezüge der ehemaligen Oberin sei auch die Frage nach der Verantwortung der Gremien gestellt worden. Nach „Klartext“-Recherchen sollen Kupsch, Stefanovic und Bedbur als Mitglieder der Gesellschafterversammlung maßgeblich am Gehalt der Ex-Oberin mitgewirkt haben.

Die DRK-Schwesternschaft Berlin hat bislang nicht bestätigt, dass Schäfer-Frischmann ein Gehalt plus Boni in der genannten Größenordnung erhielt. Dabei handele es sich um personengebundene Daten, die grundsätzlich nicht an Dritte weitergegeben werden, erklärte Sprecherin Gudrun Wilke. Die Schwesternschaft prüfe aber „schnellstmöglich“ die in Rede stehenden Zahlen und habe ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit einem Gutachten beauftragt. Die Prüfer sollen feststellen, ob die Vergütungen für die damalige Oberin angemessen waren und wie die „Entscheidungsfindung“ zur Festsetzung des fürstlichen Salärs abgelaufen ist. Die Angaben wurden indes nicht dementiert.

Am Mittwoch lud Doreen Fuhr, die jetzige Oberin und Nachfolgerin von Heidi Schäfer-Frischmann, die Schwestern zu einer Info-Veranstaltung ein. Angesichts der Medienberichterstattung „zu mutmaßlich überhöhten Bezügen“ der ehemaligen Oberin sollten die Mitarbeiterinnen „umfassend informiert“ werden, auch zum Stand der Aufklärung der Vorwürfe. Inhaltliche Details wurden nicht mitgeteilt. Etwa 150 Schwestern hätten an der Veranstaltung teilgenommen, sagte Sprecherin Wilke. Der Schwesternschaft gehören etwa 1100 Mitglieder an.

„Respektable Entscheidung“

Als „hoch respektable Entscheidung in einer Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung der Berliner Schwesternschaft“ bezeichnete Oberin Doreen Fuhr den Beschluss der vier Vorstandsmitglieder, ihre Ämter niederzulegen. Sie kündigte an, „die Neustrukturierung im Sinne der Grundsätze der DRK Schwestern konsequent fortzusetzen“. Fuhr hatte in dem RBB-Beitrag erklärt, ihr seien die Bezüge ihrer Vorgängerin nicht bekannt gewesen. Sie selbst verdiene nicht annähernd so viel. Das Generalsekretariat des Roten Kreuzes sowie der DRK Landesverband Berlin hatten erklärt, sollten die Vorwürfe zutreffen, sei ein solches Gehalt für die Oberin einer Schwesternschaft „völlig unangemessen“.