Bei der Aufnahmeprüfung für das Musikgymnasium fiel er durch. Aber in der TV-Show „The Voice Kids“ wählten ihn die Zuschauer am Freitagabend zur Nummer eins. Jetzt muss der 13 Jahre alte Berliner Noah-Levi lernen, mit dem Ruhm zu leben – und dem bizarren Verhalten mancher seiner Anhänger.
Seit Februar war das Ausscheidungsspektakel junger Sänger im TV zu verfolgen. Noah-Levi stach bald heraus. Keiner hatte so viel Soul in der Stimme wie der schlaksige Junge, der als Linkshänder die Gitarre verkehrt herum hält. Mit Charme und einer Lässigkeit, die man eher bei einem Bühnenveteranen aus Las Vegas erwarten würde, quittierte er noch die einfältigsten Kommentare der Sat.1-Moderatoren und lächelte mit funkelnder Zahnspange in die Kameras.
Nach dem Sieg im Studio Adlershof, erzählt Noah-Levi am Sonnabend, habe er „noch ein bisschen gequatscht, Fotos gemacht und Orangensaft getrunken“. Seine Mutter Katharina brachte ihn dann aber zeitig heim. „Wir waren die Ersten, die gegangen sind“, sagt die 52-jährige Synchronregisseurin und Schauspielerin („Elementarteilchen“).
Wo sie leben, will die Mutter besser nicht veröffentlichen. Ihren Nachnamen auch nicht. Der Druck ist schon jetzt groß genug. Noah-Levis Schule haben einige Fans schon ausgeguckt. „Neulich ging mitten im Matheunterricht die Klassentür auf“, erzählt er. „Ein paar Mädchen kamen herein und begannen, laut zu schreien.“ Der Lehrer immerhin habe die Nerven behalten und die Kinder hinausbugsiert. „Als die Stunde vorbei war, standen sie immer noch vor der Tür und fragten ganz schüchtern, ob sie ein Foto machen dürften.“ Die Noah-Levi-Mania in Zahlen: Früher hatte er im sozialen Netzwerk Instagram 300 Follower. Kurz vor Mitternacht am Sonnabend waren es schon fast 94.000. Selbst in einem Damenschuhgeschäft, das er mit seiner Mutter am Vormittag betrat, wurde er von der Verkäuferin erkannt.
Die CDs der Mutter lieferten Noah-Levis erste Musikerinnerungen. Songs von Brachialrockern wie Rammstein und Linkin Park. An der Gitarre dagegen spielte er lieber Volks- und Kinderlieder.
Das Preisgeld von 15.000 Euro will Noah-Levi nun in die Musik investieren. Eine Reise mit seinem Vater, der für Kinohits wie „Gespensterjäger“ die Special Effects macht, soll ihn quer durch Kalifornien und in die Rock-Metropole Los Angeles führen. „Zur Inspiration für neue Songs“, sagt Noah-Levi. Eines Tages als Toningenieur zu arbeiten, ist sein Traum. „Den Abi-Durchschitt dafür werde ich schon irgendwie hinbekommen“, sagt er.
Am Sonnabendnachmittag wollte er sich „mit der Gang“, jenen Freunden, die ihn auch am Freitag in Adlershof angefeuert hatten, die neueste „Avengers“-Folge im Kino ansehen. Es ist ein Film über ein Team mit ganz außergewöhnlichen Fähigkeiten, das von aller Welt bewundert wird. Ein Gefühl, das Noah-Levi momentan nicht unvertraut sein wird.

