Zehn Jahre ist die Großplastik vor dem ICC bereits abgebaut. Noch immer vermissen Berliner die beeindruckende Skulptur und fordern, dass sie wieder aufgestellt wird. Doch nicht nur die Zukunft des ICC ist ungewiss. Auch für das 6,60 Meter hohe und 16 Meter lange Kunstwerk, das von 1980 bis zum 13. Juli 2005 vor dem Gebäude stand, gibt es noch keine Lösung. Die Skulptur „Ecbatane – Der Mensch baut seine Stadt“ von Jean-Robert Ipoustéguy ist in einer Halle des Messegeländes an der Jafféstraße eingelagert. Vor einer Aufstellung müsste die Skulptur „sehr umfangreich restauriert werden“, so die Auskunft der Messe Berlin. Die Schädigung der Skulptur sei konstruktionsbedingt, da bei der Herstellung im Innern Stahl an die Außenhaut aus Bronze geschweißt worden sei. Das habe zur Bildung von Rost geführt habe. Eine Restaurierung würde laut Messe über 100.000 Euro kosten.
Für Uwe Otzen, langjähriger Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., alles kein Grund, das Kunstwerk weiter in dunklen Messehallen eingelagert zu lassen. Er und andere aus der Initiative, die sich für das Wiederaufstellen der Skulptur einsetzen, sind der Ansicht, dass „Ecbatane“ auch für Berlin und die vielen Touristen eine Bereicherung sein könnte. „Die Wiedererrichtung wäre eine genuine ,win-win-win-Gelegenheit’, bei der Künstler und Kunstwerk wieder eine angemessene Wertschätzung erführen, was wiederum der Stadt zur Ehre gereichen könnte und die Bevölkerung Berlins und ihre Besucher positiv beeindrucken würde“, hat Otzen deshalb an den Senator für Stadtentwicklung, den Kultur-Staatssekretär, die Senats-Baudirektorin und die Kulturstadträtin von Mitte geschrieben. In dem Brief schlägt er vor, das Werk südlich des Spreebogens aufzustellen. „Es wäre eine große städtebauliche Geste, würde man ,Ecbatane’ dorthin postieren. Dort, wo die Reisenden aus aller Welt gen Süden blickend, Berlin in seiner neuen Gestalt wahrnehmen: den Reichstag mit Glaskuppel, das grandiose Band des Bundes mit Bundeskanzleramt, die Moltke-Brücke, die Bootschaft der ,freien Schweiz’ und den weiten Platz der Republik“, regt er an.
Die Monumentalplastik weist viele Berliner Symbole und örtliche Bezüge zur Stadt auf. Sie zeigt eine Männerfigur, die die Arme nach vorn streckt und mit dem Fuß auf die vor ihr liegende Stadt tritt. Darin befinden sich Figuren, darunter Eckensteher Nante und ein Berliner Bär. Nach Auskunft des Berufsverbandes der Bildenden Künstler ging die Plastik damals aus dem ersten demokratischen Wettbewerb für Kunst am Bau nach der neuen Berliner Bau-Anweisung hervor. Otzen hofft jetzt, dass der Senat sich seines Vorschlags annimmt: „Kongenial könne diese Geste an den Künstler Ipoustéguy und seine Gedankenwelt sein, eine Geste der Versöhnung und der Grandezza zugleich, eine Geste des Respekts und der posthumen Würdigung an die Auslober damals“, schreibt er.

