Wettbewerb

Regierungsviertel mit Mängeln

Architekten fordern städtebaulichen Wettbewerb für Spreebogen

Im Spreebogen entstehen Erweiterungsflächen für die Regierung und Dienstsitze für weitere Ministerien – weitgehend ohne öffentliche Beteiligung. Anlässlich der vorbereitenden Planungen für ein Besucher- und Informationszentrum (BIZ) für den Bundestag hat der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Berlin jetzt eine öffentliche Debatte und einen Stopp der Planungen gefordert. Die gravierenden städtebaulichen Mängel im Umfeld der zentralen Parlaments- und Regierungsbauten im Spreebogen erforderten einen neuen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal, so der Vorstand des BDA.

Spreebogen bleibt Stückwerk

In einem offenen Brief an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU), an Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), den Ältestenrat des Deutschen Bundestags sowie den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), plädierten die Verfasser am Dienstag für „ein Moratorium, um die beabsichtigten Investitionen in den Zusammenhang einer öffentlichen Debatte zu stellen“. Wie berichtet, gibt es Überlegungen, das geplante Besucherzentrum, in dem auch die Sicherheitskontrollen für den Reichstag stattfinden sollen, südlich der Scheidemannstraße anzusiedeln. Die Besucher sollen von dort über einen Tunnel in das Gebäude gelangen. Nach ersten Schätzungen würden dafür Kosten von rund 150 Millionen Euro entstehen.

Aber auch das weitere Umfeld des Reichstags mit dem sogenannten Band des Bundes präsentiere sich „in einem unfertigen, prekären Zustand“, schreibt Thomas Kaup, Vorsitzender des BDA Berlin. Anstelle des einst geplanten Bürgerforums zwischen Kanzleramt und Parlamentarierbüros sei eine provisorische Grünfläche angelegt worden, die ein Sammelsurium von Straßenfragmenten bündele. „Der Spreebogenpark erscheint als ein Stückwerk aus Distanzgrün zwischen Trampelpfaden und den Asphaltflächen der dauerprovisorischen Umfahrungsstraße an der schweizerischen Botschaft“, so die Kritik.

Statt weitere Einzelbauten zu errichten, sollte der Spreebogen in seiner Gesamtheit neu betrachtet sowie die Bedürfnisse des Kanzleramts, des Bundestags und der Bürger der Stadt Berlin verhandelt werden, schreiben die Architekten. „In diesem Sinne fordern wir eine transparente Programmdiskussion und die Ausschreibung eines offenen städtebaulichen Wettbewerbs“, so Kaup.

„Ich bin sehr offen für eine Weiterentwicklung insbesondere im Bereich des inneren Spreebogens“, begrüßte der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Stefan Evers, den Vorstoß. Nur so könnte ein attraktives Stadtquartier mit lebendigen gastronomischen und kulturellen Nutzungen entlang des südlichen Spreeufers geschaffen werden. „Leider herrscht ja trotz der zentralen innerstädtischen Lage am Nordufer tote Hose“, so der Politiker. Auch ein Besucher- und Informationszentrum des Bundestages könnte hier seinen Platz finden. „Ich bin mir sicher, dass es hierzu viele gute Einfälle gibt, wenn wir in einen Wettbewerb der Ideen eintreten würden“, sagte Evers.

Ähnlich bewerten auch die Grünen den Vorschlag des BDA. „Ich bin entsetzt, wie im Regierungsviertel Tatsachen zementiert werden, ohne dass es eine öffentliche Diskussion darüber gegeben hat“, so die Fraktionsvorsitzende Antje Kapek. Ein Wettbewerb könne dabei helfen, die Nutzbarkeit des Regierungsviertels zu verbessern. „Ich hoffe nur, dass es nicht bereits zu spät ist, um die Aufenthaltsqualität am Spreebogen noch zu steigern.“