„Wir sind hier nicht in Haiti, sondern wir sind hier in Berlin“, hatte Wowereit im Winter 2010 mit der ihm eigenen Flapsigkeit auf die Forderung von Politikern reagiert, wegen des Schneechaos’ das Technische Hilfswerk (THW) um Hilfe zu bitten. Einsatzkräfte des THW waren damals gerade auf die Karibik-Insel entsandt worden, um im Rahmen einer internationalen Hilfsaktion den dort nach einem schweren Erdbeben zu Hunderttausenden obdachlos gewordenen Menschen zu helfen.
Gleichzeitig stöhnten die Berliner zu Jahresbeginn 2010 über Schneeberge und spiegelglatte Gehwege. Einige Zeit zuvor hatte der Senat beschlossen, dass vor allem zum Schutz der Straßenbäume beim Wintereinsatz auf Nebenstraßen und Bürgersteigen grundsätzlich kein Tausalz verwandt werden darf. Lediglich auf Hauptverkehrsstraßen darf die BSR noch Auftaumittel einsetzen. Viele Jahre lang war diese Regelung ohne spürbare Auswirkung geblieben. Doch im Winter 2010 hatte der häufige Wechsel von Frost- und Tauperioden dafür gesorgt, dass vor allem die Gehwege von einer dicken Eisschicht bedeckt waren, der mit normalen Schneeschiebern und Eiskratzern nicht mehr beizukommen war. Das Glatteis sorgte für viele Stürze vor allem von älteren Fußgängern, die in großer Zahl mit gebrochenen Beinen und Hüften in die Krankenhäuser eingeliefert werden mussten. Das THW bot Berlin daraufhin Hilfe beim Räumen eisglatter Bürgersteige an. Wenn Polizei oder Feuerwehr Hilfe anforderten, wäre die Organisation zum Einsatz bereit, sagte THW-Präsident Albrecht Broemme damals.
Doch Berlin verzichtete. Stattdessen wurden die Ordnungsämter aufgefordert, doch stärker das Einhalten der Schneeräumpflicht durch die Hauseigentümer zu kontrollieren – statt Strafzettel für Falschparker zu schreiben.
Frank Henkel (CDU), damals Oppositionsführer, kritisierte den Vergleich als „deplatziert“. Wowereit habe einmal mehr gezeigt, dass er von den Problemen der Berliner meilenweit entfernt sei. Wowereit nahm den umstrittenen Satz übrigens nicht zurück.
fü

