Gedenken

Trauer an der Langen Brücke

Nach dem schweren Autounfall in Köpenick fragen Freunde, warum die Taucher so spät kamen

50 Freunde und Verwandte stehen ganz leise zusammen auf der Langen Brücke in Köpenick. Dem Ort, an dem in der Nacht auf Dienstag ein Auto mit vier Menschen von der Brückenauffahrt aus in die Dahme gestürzt war. In der Nacht zu Mittwoch starb die 20 Jahre alte Beifahrerin Franziska P. auf der Intensivstation. Sie hatte nach dem Unfall etwa 40 Minuten ohne Sauerstoff unter Wasser in dem Auto gelegen. Zunächst hatte die Familie noch Hoffnung gehabt, weil sie am Ort hatte reanimiert werden können. In der Nacht aber hörte ihr Herz auf zu schlagen. Blumen, Kerzen und eine Porzellanfigur liegen nun an der Stelle, an der das Auto durch die Brüstung der Brücke gebrochen war. Der 18 Jahre alte Fahrer kämpft im Krankenhaus noch immer um sein Leben, zwei weitere junge Menschen haben die Tragödie überlebt. Sie konnten sich selbst aus dem Wrack befreien. Einige Teilnehmer der Mahnwache aber stellen immer wieder die Frage, warum die nach dem Unfall alarmierten Feuerwehrtaucher beinahe eine halbe Stunde gebraucht haben, um zur Einsatzstelle zu kommen.

Kein Vorwurf an die Retter

Der Grund liegt darin, dass die Rettungstaucher der Feuerwehr zentral in Siemensstadt am Nikolaus-Groß-Weg untergebracht sind. Rund um die Uhr sind dort stets vier Taucher mit einem speziellen Fahrzeug und spezieller Ausrüstung in Bereitschaft. Laut Feuerwehrsprecher Björn Radünz ist das Team sofort nach der Alarmierung mit Sonderrechten – also Blaulicht und Martinshorn – zur Einsatzstelle gefahren. Diese Alarmierungen würden durch „Digitale Meldeempfänger“ (DME) erfolgen. „Unsere Kollegen haben keine sogenannte Hilfsfrist, also keine Vorgabe, innerhalb welcher Zeit sie vor Ort sein müssen. Sie fahren so schnell, sie können“, sagte Radünz. Ein Beamter aus dem Ermittlerteam nimmt die Taucher in Schutz. Er sagte der Berliner Morgenpost, es sei fatal, eben diesen Rettern jetzt einen Vorwurf zu machen. Sie hätten alles in ihrer Macht Stehende getan, die vier jungen Menschen zu retten. Noch bevor die Taucher am Unglücksort eingetroffen waren, hatten mit Überlebensanzügen ausgerüstete Einsatzkräfte der Feuerwehr versucht, von einem Mehrzweckboot aus an die Personen in dem in drei Metern Tiefe versunkenen Auto zu gelangen. Die Befreiung gelang jedoch erst nach Eintreffen der Feuerwehrtaucher.

Ein Einsatztaucher der Feuerwehr ist zugleich Rettungsschwimmer, der eine zusätzliche Ausbildung erhält. Diese erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Sie umfasst neben einem Theorieblock einen praktischen Teil. Im Theorieteil bekommt der angehende Einsatztaucher das notwendige theoretische Wissen in den Bereichen Medizin und Biologie, Tauchgeräte und Kompressoren, Gesetze und Richtlinien, Suchmethoden und Einsatztaktik vermittelt. Während der praktischen Hallenausbildung lernt er, sich unter Wasser zurechtzufinden, trainiert das Luftanhalten und kommt an seine Belastungsgrenzen.

Berlin ist mit seiner Wasserfläche von mehr als 51,7 Quadratkilometern mit 41 Seen und 180 Kilometer schiffbaren Wasserstraßen ein großes Terrain für die Tauchergruppe. Wie die Berliner Morgenpost aus Kreisen der Feuerwehr erfuhr, gibt es seit geraumer Zeit Diskussionen darüber, ob diese Spezialisten nicht auf Wachen verteilt werden sollten, um die Anfahrtszeiten bei entsprechenden Lagen zu verkürzen. Das würde allerdings auch bedeuten, mehr als vier Taucher pro 24 Stunden im Dienst zu haben, denn für das spezielle Fahrzeug sind vier Retter vorgesehen.

Eine Sprecherin der Senatsinnenverwaltung sagte auf Anfrage, dass die Schaffung einer zweiten Tauchergruppe an einem zusätzlichen Standort derzeit nicht geplant, aber für die Zukunft auch nicht völlig ausgeschlossen sei. „Berlin ist die einzige deutsche Stadt, die über einen fest besetzten und jederzeit verfügbaren ‚Gerätewagen Wasser‘ mit speziell aus- und adäquat fortgebildeten Tauchern verfügt.“ Gemessen an den Einsatzzahlen der Berliner Feuerwehr kommt die Tauchergruppe eher selten zum Einsatz. Zudem sei jede Feuerwache der Hauptstadt mit einem Schlauchboot oder einem Aluminiumboot ausgestattet, um im Bedarfsfall vom Wasser aus eingreifen zu können. Trotzdem dauerte es sehr lange, bis die Taucher in Köpenick ankamen.

Familie und Freunde der Verunglückten verstehen nicht, wie es überhaupt zu dem Unfall kommen konnte. „Es gab doch kein Glatteis“, so ein Bekannter der Toten. Verkehrspolizisten sollen nun den Hergang der Todesfahrt rekonstruieren. Gelbe Markierungen wurden auf dem Asphalt aufgetragen und zeichnen den Weg nach, den das Fahrzeug vor dem Fall in die Dahme genommen hat. Ein Ergebnis steht noch aus.