Ermittlungen

Schmauchspuren, aber keine Spur

Ergebnis der Untersuchung beim Westend-Mord nicht eindeutig genug

Mehr als zweieinhalb Wochen nach dem Mord in Westend haben die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Hoffnung der Staatsanwaltschaft, durch Schmauchspuren einen der beiden tatverdächtigen Söhne als Schützen überführen zu können, hat sich zerschlagen. Die Untersuchung der beiden Söhne des 49-jährigen Opfers auf mögliche Schmauchspuren führte „zu keinen Ergebnissen, die geeignet sind, den Täter zu überführen“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Donnerstag.

Der ganze Fall bleibt verworren: „Wir haben Schmauchspuren, aber wo sie gefunden worden sind, sagen wir nicht“, so der Sprecher weiter. Vielmehr werde es im Zuge der intensiv geführten Ermittlungen weitere kriminaltechnische Untersuchungen geben.

Schmauchspuren sind Pulverrückstände, die nach einem Schuss zum Beispiel auf Händen, Armen, Gesicht, Kleidung oder Möbeln zu finden sind. Solche Spuren werden im Wesentlichen durch Verbrennungsprodukte des Anzündsatzes und der Treibladung der Munitionspatrone gebildet. Nachweisbar sind sie etwa durch die Absuche von Klebebändern in einem analytischen Rasterelektronenmikroskop, dieser Vorgang wird auch Tape-Lift-Verfahren genannt.

Problematisch für einen sicheren Nachweis ist allerdings der Umstand, dass solche Pulverreste leicht übertragbar sind, etwa schon durch das Händeschütteln mit einer Person, die eine Schusswaffe benutzt hat. Bedeutsam ist auch die entsprechende Menge, die nachgewiesen wird. Nicht zuletzt besteht auch die Möglichkeit, dass ein Pistolenschütze die Ablagerung von Schmauch gänzlich vermeiden kann. Beispielsweise wenn die Waffe beim Abfeuern in einer geschlossenen Plastiktüte steckt.

Die US-amerikanische Bundespolizei FBI verzichtet seit 2006 sogar auf Schmauchspuranalysen. Der Grund: In einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde nachgewiesen, dass eine hohe Anzahl von Personen, die nachweislich keine Waffe abgefeuert hatten, mit Schmauchspuren an Kleidung und Körperteilen kontaminiert waren. Der Studie zufolge wurden Schmauchspuren etwa durch den Kontakt mit Polizeibeamten bei der Abnahme von Fingerabdrücken übertragen. Schon der Umstand, dass ein Polizist am vorherigen Tag Schießtraining hatte, kann ausreichen, Schmauchspuren weiterzugeben.

Wie berichtet, wurde der 49 Jahre alte Anwalt und Steuerberater Ingo W. am 12.August in seinem Büro erschossen. Der noch unbekannte Täter feuerte neun Patronen aus einer Neun-Millimeter-Pistole ab und traf das Opfer sechs Mal. Bei der Vielzahl der Schüsse entstehen üblicherweise hinreichend Schmauchspuren. Die Tatwaffe konnte von der 5. Mordkommission nach wie vor nicht gefunden werden. Ermittler des Landeskriminalamtes und die Staatsanwaltschaft gehen weiter davon aus, dass die Hintergründe der Tat im familiären Bereich liegen dürften.