Diplomat

US-Botschafter spricht seit der Kindheit Deutsch

Seit Mitte August ist John Emerson mit seiner Familie bereits in Berlin, am Montag tritt er sein Amt als neuer Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika offiziell an.

Auf dem diplomatischen Parkett ist Emerson bislang nicht aufgefallen – wie viele US-Botschafter verdiente er sich seinen Posten nicht mit einer Karriere im Außenministerium, sondern als eifriger Spendensammler für den Präsidenten der USA.

Der Jurist und Investmentbanker übernimmt die Vertretung der Vereinigten Staaten in Deutschland zu einem schwierigen Zeitpunkt: Der NSA-Skandal um die massenhafte Ausspähung von Internet- und Telefondaten durch den US-Geheimdienst wirft einen Schatten auf das transatlantische Verhältnis. Die aktuellen Verstimmungen erwähnte Emerson nicht, als er nach seiner Ankunft am Flughafen Tegel vor gut einer Woche in Stoffhose und Sweatshirt eine kurze Ansprache hielt. Flankiert von seiner Frau Kimberly und den drei Töchtern im Teenageralter erklärte er, sich in den kommenden vier Jahren dem Ausbau und der Stärkung der Beziehungen zwischen den USA und Deutschland widmen zu wollen.

„Die ganze Familie Emerson freut sich darauf, die Geschichte und die Schönheit des Landes unserer Vorfahren zu entdecken“, sagte der designierte Botschafter in einem Deutsch, das er selbst als „eingerostet“ bezeichnete.

Emerson betonte, dass die Eltern seines Vaters aus Deutschland stammen. Auch die Familie seiner Frau habe deutsche Wurzeln. „Seit meiner Jugend habe ich mich für die Menschen und die Kultur in Deutschland interessiert“, sagte Emerson Ende Juli bei seiner Nominierungsanhörung im Senat in Washington. Im Alter von zwölf Jahren habe er in der Schule Deutsch belegt, „weil mein Vater und meine Großmutter immer auf Deutsch geredet haben, wenn ich nicht verstehen sollte, worum es ging“. Emerson stammt aus einem Vorort von New York, studierte Philosophie und promovierte in Jura.