Gartenlust

Hitzegärtnern

Gabriella Pape über die Blumen des Sommers

Erst zu lange Kälte und nun die große Hitze, da ist schon einiges im Garten zu tun, damit Stauden und Gehölze keinen zu großen Schaden nehmen. Das lang anhaltende kühle Frühjahr hat aber durchaus seine Vorteile für den Garten gehabt, denn viele Bäume, Sträucher und Stauden haben wesentlich länger geblüht. So haben zum Beispiel die großblütigen Hartriegel, wie Cornus kousa, monatelang traumhaft weiß geblüht.

Ich beobachte vor allem an den Stauden in unseren großen Stauden- und Rosenbeeten, dass sowohl die Stauden als auch die Rosen aufgrund des lang anhaltenden kühlen Wetters im Frühjahr wesentlich kräftiger, satter und widerstandsfähiger im Beet stehen. Die Hortensie Annabelle hat so große Blütenköpfe wie noch nie, und die Indianernesseln (Monarda) zeigen sich so schön und frei von Mehltau im Beet wie selten. Bei diesem Wetter ist es höchst ungünstig, wenn ihre Beete nicht dicht genug bepflanzt sind. Ich weiß, ich wiederhole mich, doch die Dichte der Bepflanzung ist bei solchen Temperaturen durchaus ausschlaggebend dafür, ob das Beet durchhält. Wenn die momentan gnadenlose Sonne auf zu viel nackten Gartenboden trifft, wird sie ihn erbarmungslos austrocknen, und bei sporadischer Bewässerung entsteht dann eine Art Saharakruste im Beet, die verhindert, dass bei den angekündigten Gewittern in den nächsten Tagen Wasser aufgenommen wird. Da bleibt dann wirklich nur noch das altbekannte, viel gepriesene, aber sehr lästige Hacken des offenen Bodens.

Ich bin eher ein Freund der üppigen Bepflanzung, gerade mit den vielen tollen Einjährigen, die jetzt endlich so langsam den Markt erobern. Und, nein, ich spreche nicht von Heide oder Chrysanthemen, sondern von ein- oder – mit ein wenig Glück – auch mehrjährigen Stauden, die nicht nur helfen, den Boden im Beet zu bedecken, sondern auch den Blütenzauber in dieser Hitze bis zum Herbst zu erhalten. Dazu gehören natürlich die gerade wieder im Trend liegenden Dahlien, besonders die mit etwas feiner Blüte und schönen dunklen, wohlstrukturierten Blättern, wie zum Beispiel die wiederentdeckten englischen Dahlien der „Bishop-Serie“. An erster Stelle steht hier D. „Bishop of Llandaff“, die traumhaft klar-rote, einfache Blüten auf tiefdunklen Stängeln und Blättern trägt. Dann kommen all die andern Bischöfe, wie D. „Bishop of York“, „of Oxford“, „of Canterbury“ etc. Geben Sie einfach Dahlia Bishop in die Suchmaschine ein, und die Auswahl ist endlos. Auch andere Sorten wie D. „Karma Choc“ oder „D. Arabian Night“ tragen kleine, bezaubernde Blüten auf eben solch einem dunklen Kleid. Und dann quälen Sie bitte die Verkäufer in Ihrer Gärtnerei mit Ihren Wünschen und Ihrem neu erlangten Wissen, denn das ist der einzige Weg, der mir einfällt, um das sommerliche Angebot irgendwann einmal zu verändern.

Es kann doch nicht sein, dass von August bis Oktober nur noch Chrysanthemen und Heide den Markt beherrschen. Pflanzen Sie Gaura (Prachtkerzen) in die Beetlücken, die durch verblühte Pfingstrosen, Türkenmohne oder Tränende Herzen entstanden sind. Es gibt mittlerweile viele verschiedene Sorten, in Weiß, Rosa, Rot und sogar gemischt, und Sie werden sehen, was für eine unglaublich trockenheitsliebende, allerdings nicht unbedingt winterharte Staude sie ist.

Das Gleiche gilt für all die unterschiedlichen Tabaksorten, die lieben es nicht nur erst in der Zigarette heiß, sie brauchen auch im Beet viel Sonne, um üppig zu blühen; was auch für die Spinnenblumen und die ganzen, von mir bereits im Frühjahr angepriesenen Rudbeckia triloba und Cosmeen-Sorten gilt. Und schließlich sollte natürlich kräftig gegossen werden, also lieber nur jeden zweiten Tag richtig und bei der Hitze abends oder nachts; und dann bitte nicht nur rumsprenkeln, das sieht zwar nett aus und hört sich an wie lauschiger Regen, hilft den Pflanzen aber lediglich dabei, ihre Wurzeln zur Oberfläche hin auszubilden, die dort dann verdorren.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.