An seinen Werken ist fast jeder Berliner schon einmal vorbeigekommen. Vom Kunstschmied Fritz Kühn (1910-1967) stammt der Brunnen "Schwebender Ring" am Strausberger Platz, das Portal mit 117 verschieden geformten Buchstaben "A" an der Berliner Stadtbibliothek, Breite Straße 30-36 in Mitte. Er schuf Leuchter und Geländer in der St.-Hedwigs-Kathedrale, Treppengitter am Zeughaus Unter den Linden, Kupferverkleidung und Türen an der Komischen Oper, den Brunnen im Innenhof vom "Café Moskau". Er gestaltete Wände an Bauten der Freien Universität und der Universität der Künste und eine Kupferplatte am Olivaer Platz in Charlottenburg.

Die Werkstatt von Fritz Kühn in Bohnsdorf, einem Ortsteil von Treptow-Köpenick, gibt es bis heute. Sie ist fast unverändert erhalten. Sohn Achim Kühn arbeitet in den Räumen an der Richterstraße 6. Seine Frau Helgard Kühn betreut den riesigen Nachlass ihres Schwiegervaters, der Kunstschmied, Metallbildhauer, Fotograf, Restaurator und Buchautor war. Und Lehrmeister. Seit Jahren arbeitet sie an einem ehrgeizigen Projekt: Der Nachlass soll in einem Fritz-Kühn-Museum gezeigt werden, auf einem Grundstück neben der Werkstatt, das der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 e.G. gehört. Für das Museum soll die 5600 Quadratmeter große Fläche angekauft werden.

Entscheidung im März 2013

Um dieses Projekt voranzutreiben, wurde 2003 die Fritz-Kühn-Gesellschaft gegründet. Sie ist ihrem Ziel jetzt ganz nahe. Der Berliner Senat und das Bezirksamt Treptow-Köpenick unterstützen den Museumsneubau. Die Fritz-Kühn-Gesellschaft hat in diesem Jahr Lottomittel beantragt, mit denen die Fläche erworben und das Museum gebaut werden sollen. Im März 2013 wird über den Antrag entschieden. Doch nun, auf der Zielgeraden, ist ein Hindernis aufgetaucht. Die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 e.G. hatte der Gesellschaft jahrelang ein Vorkaufsrecht für das Grundstück eingeräumt - doch dieses Recht gilt nur noch bis zum 31. Dezember 2012. Man bitte um Verständnis, "dass eine exklusive Kaufoption für Sie nicht länger aufrechterhalten werden kann", schrieb der Vorstand der Genossenschaft im Dezember. Die Tür für die Fritz-Kühn-Gesellschaft bleibe weiter geöffnet. Doch jetzt sei auch anderen Interessenten ein Zugang möglich. Man sei im Gespräch mit drei potenziellen Käufern.

"Das macht uns ein bisschen Angst", sagt Helgard Kühn. Sie fürchtet, dass jemand anderes das Grundstück erwirbt und ihre Bemühungen zunichtemacht. Die Wohnungsgenossenschaft 1892 habe jahrelang das Museumsprojekt großzügig unterstützt, sagt sie. "An drei Monaten sollte es nicht scheitern." Politische Unterstützung für das Projekt kommt aus Treptow-Köpenick. Bürgermeister Oliver Igel (SPD) hat mit der Genossenschaft gesprochen und darum gebeten, den freien Verkauf der Fläche noch einmal zu prüfen. Der Bezirk macht sich bereits Gedanken, wie der Museumsbetrieb zu finanzieren ist. Der Rathauschef hat vorgeschlagen, Erlöse der künftigen City Tax einzusetzen, um die jährlichen Betriebskosten zu bezahlen. Außerdem könnte eine Stiftung zur Unterstützung des Museums gegründet werden, Vertreter der metallverarbeitenden Industrie sollten dafür gewonnen werden.

Die Werkstatt in Bohnsdorf entstand Ende der 30er-Jahre. Fritz Kühn gründete sie in den ehemaligen Stallungen eines alten Gutshauses. Teile der Gebäude wurden im Krieg zerstört und nach 1945 wieder aufgebaut. Wenn Schwiegertochter Helgard durch die Räume führt, zeigt sie die alten Bohrmaschinen und die Werkzeuge, die der Künstler benutzte, den Schreibtisch, an dem er arbeitete, das Bücherregal, die Schränke, einen Mosaiktisch. Zum Nachlass gehören Hunderte Originale, darunter Skulpturen, Kunsthandwerkliches wie Leuchter und Schalen, außerdem Fotos, Skizzen und schriftliche Dokumente über alle Ausstellungen, über alle Arbeiten und alle Mitarbeiter. Zwölf Bücher gab Fitz Kühn heraus, und schon sein erstes, "Geschmiedetes Eisen", 1939 beim Verlag Wasmuth erschienen, sei von der Handwerkskammer als Fachbuch anerkannt und 18-mal aufgelegt worden, erzählt Helgard Kühn. Fritz Kühn habe zwischen 15 und 17 Gesellen in seiner Werkstatt ausgebildet. "Er war ein strenger Meister." Der viel beschäftigte Künstler war nicht täglich in der Werkstatt. "Egal wann er zurückkam - er ging nachts durch die Werkstatt und guckte sich an, was die Gesellen gemacht hatten. Und schrieb Zettel mit Korrekturen." Doch nur einer der Altgesellen konnte lesen. An solchen Tagen, erzählt Helgard Kühn, seien alle Gesellen früher als sonst gekommen, um zu erfahren, wie der Chef ihre Arbeit einschätzte.

Werke von Fritz Kühn stehen in Hannover, Dortmund, Saarbrücken und Düsseldorf, in den Gedenkstätten Buchenwald und Dachau. Auch an der Gedenkstätte in Coventry in Großbritannien arbeitete er mit und am Soldatenfriedhof Futa-Pass in Italien. Er beteiligte sich an den Weltausstellungen 1958 in Brüssel und 1966 in Montreal. "Er war jemand, der auch im anderen Teil Deutschlands hätte aufwachsen und bekannt werden können", meint seine Schwiegertochter. "Doch die Werkstatt stand nun mal in Bohnsdorf, das zur sowjetischen Besatzungszone kam."

Originale aus drei Jahrzehnten

Das Grundstück neben der Werkstatt, auf dem das Fritz-Kühn-Museum entstehen soll, ist eine Wiese, die ehemalige Koppel des Gutshofes. Bänke von Fritz Kühn sollen aufgestellt werden, ein Gebäude im Bauhausstil ist geplant. In einer 6,5 Meter hohen Halle sollen Originale aus drei Jahrzehnten gezeigt werden.

Im Obergeschoss sind wechselnde Ausstellungen geplant, etwa zu Kühns Beiträgen zu den Weltausstellungen und zur Gedenkausstellung für Kühn, die 1969 im Louvre in Paris zu sehen war. Zum Museumsprojekt gehören auch ein Café mit kleiner Bühne und ein 3000 Quadratmeter großer Skulpturengarten. Vorgesehen ist außerdem, dass Stipendien an junge Metallgestalter aus anderen Ländern vergeben werden, die ein Praktikum in der alten Werkstatt machen.