Immobilien

Berggruen kündigt allen Mietern bei Knorr-Bremse

Hochschule soll raus, Zalando will in Denkmalbau einziehen

Zalando, Europas größter Online-Anbieter für Mode, wird im April 2013 das alte Gebäude der Knorr-Bremse an der Neuen Bahnhofstraße in Friedrichshain beziehen. Mehr als 1000 Zalando-Mitarbeiter sollen Platz finden - zusätzlich zu den bereits bestehenden Zalando-Standorten in Berlin. Das ist die gute Nachricht in einer Stadt, in der jeder Arbeitsplatz zählt. Die schlechte Nachricht ist jedoch: Damit Zalando das Haus komplett nutzen kann, hat die neue Hauseigentümerin Berggruen Holdings allen Altmietern gekündigt.

Das Immobilienunternehmen des deutsch-amerikanischen Finanzinvestors und Karstadt-Besitzers Nicolas Berg-gruen hatte das unter Insolvenzverwaltung stehende Gebäude im Zuge einer Zwangsversteigerung im August dieses Jahres erworben. Drei Tage nach der Versteigerung folgte dann der Schock für die Altmieter: Berggruen macht von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch, alle Mieter müssen bis zum 31. März 2013 raus. Davon betroffen sind drei Schulungsträger der Berliner Agenturen für Arbeit, zwei Berufsfachschulen, die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin und die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG). Besonders die Hochschule mit ihren 600 Schülern und Studenten am Standort in Friedrichshain stellt der Rauswurf vor enorme Probleme. "Unsere beiden anderen Standorte in Schöneberg und Lichtenberg sind nicht groß genug, um den Lehrbetrieb aus der Neuen Bahnhofstraße aufzunehmen", sagt die Sprecherin der HWR, Sylke Schumann. Zudem fühle sich die Hochschule von Berggruen getäuscht: "Noch im Juni hatten sich Berggruen-Mitarbeiter bei uns umgeschaut und uns signalisiert, dass wir sehr willkommene Mieter seien, die gut ins Portfolio passen", erinnert sich die Sprecherin. Ihnen sei sogar in Aussicht gestellt worden, ihre Räumlichkeiten dort zu erweitern. "Wir wollten zum 1. Oktober weitere 1200 Quadratmeter anmieten", so Schumann. Die HWR stehe vor kaum lösbaren Problemen: Das neue Hochschulsemester beginnt am 1. Oktober.

Unter Verkehrswert erworben

In einer gemeinsamen Presseerklärung berichten auch die anderen Mieter von ähnlichen Gesprächen mit Berggruen Holdings. Die ODEG beklagt zudem, dass sie erst vor wenigen Monaten eingezogen sei und in die Räume viel Geld und Technik investiert habe. Ein Schulungsträger, der Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen fördert, berichtet von seinen Räumlichkeiten, die aufwendig für diese Zwecke umgebaut und zugelassen werden mussten.

Die Berggruen Holdings, die das Gebäude, dessen Verkehrswert auf 22,5 Millionen Euro festgesetzt war, nach eigener Auskunft für 15 Millionen Euro erworben hat, verweist dagegen auf die Notwendigkeit, das in weiten Teilen leer stehen Gebäude so schnell wie möglich wieder voll zu vermieten. "60 Prozent des Hauses stehen derzeit leer", so Berggruen-Sprecherin Ute Kiehn. Zalando aber wolle 100 Prozent der rund 25.000 Quadratmeter großen Nutzfläche anmieten. Für diesen Mieter habe man bereits Anfang dieses Monats damit begonnen, umfassend zu modernisieren. "Das Gebäude stand zudem seit 2009 unter Zwangsverwaltung", sagt die Sprecherin. Jedem Mieter sei also klar gewesen, dass der Verkauf bevorsteht. Dass Berggruen den Mietern vor der Versteigerung Mietzusagen gemacht habe, sei zudem schlichtweg falsch. Kiehn: "Bevor man nicht Eigentümer einer Immobilie ist, macht man keine Zusagen."