Job

Zweite Karriere als Busfahrerin bei der BVG

Erster Lehrgang nur für Frauen ist jetzt beendet

Andrea Raabe grinst vom einen Ohr bis zum anderen. Die zierliche Frau sitzt hinter dem Lenkrad des BVG-Doppeldeckers und steuert das gelbe Ungetüm über den Betriebshof an der Müllerstraße. Fotokameras klicken, als sie vor der kleinen Gruppe ihrer Kolleginnen anhält. Zehn Frauen, die Verkäuferin waren, Friseurin, Kauffrau oder - wie Andrea Raabe - Arzthelferin. Zehn Frauen, die arbeitslos wurden und nun eine zweite Karriere starten, als Busfahrerin bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Sechs Monate haben sie in der BVG-Verkehrsakademie dafür gebüffelt, sind in Doppeldeckern, Eindeckern und Gelenkbussen durch die Stadt gekurvt, haben das Tarifsystem und die Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) studiert, Englisch gelernt und auch, wie man mit aggressiven Fahrgästen umgeht. In wenigen Tagen beginnt ihr Dienst im Linieneinsatz, und das ist auch in Berlin immer noch etwas Besonderes.

Der Job am Steuer eines Linienbusses gilt noch immer als Männerberuf. Lange galt eine technische Ausbildung als Zugangsvoraussetzung. Die Folge: Aktuell sind gerade einmal fünf Prozent der BVG-Busfahrer weiblich. Unter den mehr als 4000 Fahrern, die im Linieneinsatz für die BVG, ihre Tochtergesellschaft Berlin Transport (BT) und Privatfirmen im Auftrag der Verkehrsbetriebe durch Berlin fahren, sind es zehn bis zwölf Prozent. "Da ist also noch reichlich Luft nach oben", sagt BVG-Chefin Sigrid Nikutta. "Und die Zeiten, als Busfahrer den Blaumann überziehen und selbst ihr Fahrzeug reparieren mussten, sind lange vorbei."

Vor einem Jahr entwickelten der BVG-Vorstand, die Frauenbeauftragte Ines Schmidt und die Arbeitsagentur Mitte deshalb gemeinsam den Plan, gezielt Frauen anzuwerben.

Busfahrer sind begehrt

Der erste Lehrgang ist jetzt beendet. Alle zehn Absolventinnen haben sich bei der BVG beworben und wurden eingestellt. Im aktuellen Ausbildungskurs, der im Juni begonnen hat, sitzen bereits weitere elf angehende Busfahrerinnen. Pro Jahr bildet die Akademie 160 Busfahrer nicht nur für die BVG, sondern für den bundesweiten Arbeitsmarkt aus. Die Nachfrage ist groß. Die Vermittlungsquote liegt laut Akademiechef Fred Juhnke bei 93 Prozent. 76 Prozent davon gehen zur BVG oder ihrem Tochterunternehmen BT. "Wir wollen den Frauenanteil deutlich steigern", sagt Juhnke.

Profitieren sollen davon nicht nur die Frauen, die eine zweite Berufs-Chance bekommen, sondern auch die Verkehrsbetriebe selbst. "Auch wenn Männer das nicht gern hören", sagt Unternehmenschefin Nikutta, frisch gekürte "Managerin des Jahres". "Unfallstatistiken belegen, dass Frauen nun einmal die besseren Fahrer sind."