Großer Panda gestorben

Ciao, Bao Bao

Der Zoo ist um eine Attraktion ärmer: Der Große Panda ist mit 34 Jahren gestorben

34 Jahre alt ist er geworden: Bao Bao. Am Mittwochmorgen ist der Große Panda für immer eingeschlafen. "Er hatte noch etwas getrunken, gegen 8.30 Uhr ist er dann von uns gegangen", sagt Zoo-Kurator Heiner Klös. Damit verliert der Zoo Berlin nach Knut eines seiner letzten Promi-Tiere. Zootier Bao Bao war der älteste männliche Bambusbär der Welt. Er dürfte zahlreiche der rund 2,9 Millionen jährlichen Besucher angelockt haben. Bleibt mit der 55 Jahre alten Fatou noch der zweitälteste Gorilla der Welt.

Bao Baos Tod kam nicht überraschend. "Wir haben in den letzten Monaten einen altersgemäßen Abbau beobachtet", berichtet Zoo-Tierarzt Andreas Ochs. Zuletzt lag das Tier träge in einer Ecke seines Geheges - viele Stammbesucher dachten, das sei der Hitze geschuldet. Der Kadaver wird in der Tierpathologie der Freien Universität in Düppel untersucht.

Staatsgeschenk an Helmut Schmidt

Es ist das Ende eines Tierlebens, an dem viele Berliner über Jahrzehnte regen Anteil genommen haben. Als Zweijähriger war Bao Bao am 5. November 1980 mit der gleichaltrigen Pandabärin Tjen Tjen im Zoo Berlin eingetroffen. Beide waren ein Staatsgeschenk des chinesischen Regierungschefs Hua Guofeng an Bundeskanzler Helmut Schmidt. "Die Bären haben die Herzen der Berliner Bevölkerung schnell erobert", erinnert sich Zoo-Kurator Heiner Klös. Tjen Tjen starb im Februar 1984 und Bao Bao war allein. In freier Wildbahn gilt seine Spezies als Einzelgänger. Als Nahrungsspezialisten leben Große Pandas nur dort, wo Bambus wächst: in den Bergwäldern Chinas und Burmas. Große Flächen wurden jedoch abgeholzt. Volker Homes, Leiter Artenschutz beim World Wildlife Fund WWF, zeigt sich betroffen: "Bao Bao war eine wichtige Symbolfigur für den internationalen Artenschutz." Der Pandabär ziert das Logo des WWF. Nach Homes' Angaben leben nur noch 1600 Tiere in letzten, kleinen Waldinseln inmitten von Äckern, Straßen und Siedlungen. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wird "Ailuropoda melanoleuca", so die wissenschaftliche Bezeichnung, als bedrohte Tierart geführt. Weltweit leben 140 Pandas in Zoos und Aufzuchtzentren, die meisten davon in China.

Immerhin bis nach London hat Bao Bao es 1991 geschafft. Die Idee: Er sollte sich mit Ming Ming paaren. Die Realität: Er biss ihr ein Ohr ab. Nachwuchs? Fehlanzeige! Betragen: mangelhaft. Bao Bao flog 1993 zurück nach Berlin und bekam eine Gesellin: Yan Yan reiste zu Ostern 1995 als Leihgabe aus Peking an.

Doch trotz Nachhilfe durch Wissenschaftler gab es keinen Nachwuchs. Bao Bao konnte Yan Yan genauso wenig ab wie Ming Ming. Die Tiere wurden getrennt gehalten und glänzten mit putziger Gemütlichkeit, Kauen und Nichtstun. Das hat Gründe: Die bis zu 135 Kilogramm schweren Bären ernähren sich fast nur vegetarisch. Um auf ihr Gewicht zu kommen, vertilgen sie zwischen 20 und 30 Kilo Bambusblätter und -stängel am Tag. Bis zu 16 Stunden kann das dauern.

Bao Bao fraß täglich und lange, er hatte keine Zeit für Winterschlaf. Seine jüngere Nachbarin überlebte er deutlich. Yan Yan starb als 22-Jährige am 26. März 2007 - drei Tage zuvor war Knut erstmals präsentiert worden. Yan Yans Fell ist im Naturkundemuseum in Mitte gelagert, Eigentümer: die chinesische Regierung. Eine Einigung, ob ein Tierpräparat daraus hergestellt werden darf, stehe noch aus, sagt Museumssprecherin Gesine Steiner.

Nun ist auch Bao Bao gestorben. Was aus seinem Fell wird, ist offen. Dass ein neuer Panda-Bär nach Berlin kommt, ist unwahrscheinlich. "China überreicht Große Pandas nicht mehr als Staatsgeschenk. Sie werden auf vertraglich definierte Dauer verliehen", sagt Eveline Dungl. Die zoologische Abteilungsleiterin ist im Wiener Tierpark Schönbrunn für die Pandabären Yang Yang und Long Hui zuständig - Leihgaben der chinesischen Regierung auf zehn Jahre. Weitere Pandabären leben in Madrid, Beauval und Edinburgh.

Leihgabe gegen Millionen Euro

Es kursieren Gerüchte, wonach eine solche Leihgabe eine Million Euro pro Jahr kostet. Klös will sich an die Kosten für Yan Yan nicht erinnern. Dungl sagt lediglich: "Die Verträge sind von Zoo zu Zoo unterschiedlich." Wien unterstützt als Gegenleistung Panda-Artenschutzprojekte finanziell wie fachlich und führt mit den chinesischen Kooperationspartnern Forschungsprojekte durch. Anders als Bao Bao und seine drei Frauen sind Wiens Pandas reproduktiv. Ein Jungtier wurde gemäß Leihvertrag in die chinesische Pandastation Bifengxia überstellt, sagt Dungl. Das zweite folge im Herbst. Nach Berlin kommt keines.