Es wurde nicht nur lange geredet, auch viel gelacht.

Berliner Morgenpost: Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Tag. Wie fühlt man sich, wenn plötzlich das Lebensalter mit einer 7 beginnt?

Hans Wall: Verdammt gut. Ich wundere mich selbst, wie fit ich noch bin. Aber ich tue ja auch was dafür. Ich schwimme jeden Vormittag und geh in die Sauna im Keller meines Hauses. Danach fühle ich mich wie dreißig. Das hält allerdings nur zwei bis drei Stunden an. Aber es reicht ja, wenn man sich einmal am Tag wie dreißig fühlt.

Berliner Morgenpost: Sie sind ein Unternehmer, der wirklich etwas unternommen hat und dabei sehr erfolgreich war. Haben Sie unternehmerische Gene geerbt?

Hans Wall: Meine Eltern waren keine Unternehmer, und auch in der Verwandtschaft gibt es keine. Aber es hat mir immer Freude gemacht, mehr zu leisten, als mir zugetraut wurde. Aber ich hab wohl doch etwas geerbt von meinen Eltern. Mein Vater war Ostpreuße und ein ganz harter Hund, meine Mutter, eine Schwäbin, das krasse Gegenstück, immer freundlich und großzügig. Ich hab von beiden was in mir. Aber Erfolg hat man letztlich nur, wenn man an sich selbst glaubt, sich etwas zutraut.

Berliner Morgenpost: Ein Tipp auch für die heutige Jugend?

Hans Wall: Viele Jugendliche trauen sich zu wenig zu, weil sie eingemauert werden von Eltern oder Lehrern, die ihnen einreden, aus ihnen würde wegen schlechter schulischen Leistungen nichts werden. So werden Mauern aufgebaut, über die sie nicht mehr hinwegkommen. Ich kann mitfühlen mit manchen jungen Menschen. Ich war auch kein besonders guter Schüler und hab in meiner Jugend viel Unsinn gemacht. Junge Menschen müssen sich immer anstrengen, das herauszuholen, was in ihnen steckt.

Berliner Morgenpost: Diese Einsicht hat bei Ihnen auch ein bisschen länger gedauert ...

Hans Wall: Ich wusste zunächst gar nicht, wie ehrgeizig ich bin. Ich habe erst etwas später im Leben gemerkt, dass man nicht aufgeben darf, wenn man ein Ziel erreichen will. Ein guter Freund hat mal über mich gesagt: Der Wall ist immer positiv eingestellt, aber nie zufrieden. Da ist was dran.

Berliner Morgenpost: Mittelständler wie Sie, so heißt es, seien das Rückgrat unserer Wirtschaft. Fühlen Sie sich als Mittelständler genügend gewürdigt?

Hans Wall: Wir wissen ja alle das nicht stimmt, was die Politiker immer behaupten, nämlich dass sie den Mittelstand unterstützen. Aber wir sind es gewohnt, auf uns gestellt zu sein und uns dem freien Wettbewerb zu stellen. In dem bekommt, wenn es fair zugeht, das beste Produkt zu den besten Konditionen den Zuschlag. Es gehört aber auch sportlicher Kampfgeist dazu. Wenn mal der Konkurrent gewinnt, darf ich den nicht schlecht machen. Aber in meinem Herzen muss ich sagen: Warte nur, nächstes Mal bin ich wieder der Bessere.

Berliner Morgenpost: Bei der Stadtmöblierung mit Warte- und Klohäuschen waren Sie oft der Beste. Haben Sie unter dem Titel Klo-König gelitten?

Hans Wall: Das ist doch eigentlich ein Lob. Als ich 1984 nach Berlin kam, zahlte der Senat der BSR jedes Jahr 30 Millionen D-Mark für die Klo-Reinigung. Die öffentlichen Toiletten waren aber so konstruiert und so dreckig, dass man sie gar nicht mehr reinigen konnte. Ich hab dann die auch Rollstuhl gerechten Toiletten für Berlin entwickelt. Die stehen mittlerweile in vielen in- und ausländischen Metropolen. Besser Toiletten-König als gar kein König.

Berliner Morgenpost: Sie sind sehr wohlhabend geworden, zugleich aber immer sozial stark engagiert.

Hans Wall: Soziales Engagement hat mir immer Spaß gemacht. Aber wir müssen alle noch mehr tun. Wenn einer wie die Wall AG Erfolg hat, dann muss er eben mehr machen.

Berliner Morgenpost: Sie sponsern kulturelle Projekte, lassen Berliner Brunnen sprudeln, helfen Menschen in Not oder fördern Gedenkorte in der Stadt. Ihr neuestes Förder-Projekt?

Hans Wall: Der Turmbau an der Parochialkirche in Mitte. Unter dem Motto: "Schluss mit oben ohne" will ich helfen, den 35 Meter hohen Turm einer der ältesten Berliner Barockkirchen wieder erstehen und das wunderbare Spiel der 37 Glocken wieder erklingen zu lassen. Bis 2015 zur 300-Jahr-Feier der Kirche wollen wir es schaffen.

Berliner Morgenpost: Und was hat Ihnen in der Vergangenheit besonders viel Freude gemacht?

Hans Wall: Die Weihnachtsbeleuchtung am Kudamm. Mein Ziel ist es, Berlins schönste Einkaufsmeile noch heller erstrahlen zu lassen als die Fifth Avenue in New York.

Hans Wall: Nachdem ich meine Aktien der Wall AG verkauft hatte und mein Sohn Vorstandsvorsitzender geworden ist, hab ich ihm gesagt: Du musst das weitermachen. Wenn nicht, dann bezahl ich es aus meiner Privattasche. Und wenn es mich den letzten Pfennig kostet.

Berliner Morgenpost: Apropos Aktienverkauf. Warum haben Sie 2009 ihr Unternehmen an Ihren Konkurrenten, den Franzosen Decaux verkauft?

Hans Wall: Mein Ziel war es, der erfolgreichste Stadtmöblierer Deutschlands zu werden. Das konnte ich allein nicht schaffen. Deshalb habe ich an Decaux verkauft. Aber mit der vertraglichen Zusicherung, dass der Firmenname Wall ebenso bleibt wie unser Firmenzeichen.

Berliner Morgenpost: Obwohl die Wall AG nur noch eine selbstständige Tochter von Decaux ist?

Hans Wall: Dass der Name Wall vorne dran geblieben ist, verstehe ich als ein großes Kompliment auch für die Qualität unserer Mitarbeiter. Und für die Stadt ganz wichtig, dass Wall-Decaux die Unternehmenszentrale in Berlin hat. Die Wall AG beschäftigt jetzt hier in Berlin 1000 Mitarbeiter.

Berliner Morgenpost: Und Ihre Rolle?

Hans Wall: Ich bin Aufsichtsratsvorsitzender der Wall AG. Mein Sohn Daniel hält noch zehn Prozent. Er führt als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte. Für mich im Leben ist das Allerwichtigste, dass ich meine Ziele erreiche. Ich hab's geschafft. Weil ich meine Aktien verkauft habe. Und wissen Sie, was das schönste Gefühl ist?

Berliner Morgenpost: Nein.

Hans Wall: Ich habe keine Schulden mehr.

Berliner Morgenpost: Haben Sie eine Finca und dort von einem Politiker Besuch bekommen?

Hans Wall: Ich habe nur einen kleinen Ferienbungalow auf Fehmarn. Da hat mich noch keiner besucht. Aber wenn Sie damit auf die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff anspielen, kann ich nur sagen: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Berliner Morgenpost: Sie haben als Einziger kürzlich in Maybritt Illners Talksendung Christian Wulff verteidigt. Woher nahmen Sie den Mut?

Hans Wall: Wenn ein deutscher Bundespräsident sagt, er habe Fehler gemacht, sei aber niemals bestechlich gewesen - dann zählt sein Wort für mich. Wenn vor den Anschuldigungen 70 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von ihm hatten, dann muss Christian Wulff als Präsident doch gute Arbeit geleistet haben. Dann erübrigt sich doch auch die Diskussion um den Ehrensold. Den hat er verdient. Der Wulf mit seiner Frau - es war doch eine Freude, den beiden zuzusehen.

Berliner Morgenpost: Würden Sie heute noch jemanden bestärken, Politiker zu werden?

Hans Wall: Alles in diesem Land - nur kein Politiker; und erst recht kein Bundespräsident. Es darf doch nicht sein, dass durch Denunziation fertiggemacht wird, wer Erfolg hat.

Berliner Morgenpost: Was stimmt Sie für die Zukunft zuversichtlich?

Hans Wall: Dass die Menschen im Lande in so viele Entscheidungen eingebunden werden, dass Unternehmer wie Arbeitnehmer gefragt werden, mitreden. Das finde ich klasse. Auch deshalb, weil es in vielen Teilen der Welt nicht so ist.

Berliner Morgenpost: Und was macht Ihnen Sorge?

Hans Wall: Wir bezahlen die zu schlecht, die sich um unsere Zukunft, also um unsere Kinder kümmern. Die Lehrer, Universitäten, aber auch die Polizisten, Krankenschwestern und Müllmänner. Jetzt, da es wirtschaftlich so gut geht, sollen die auch mal mehr bekommen. Die geforderten 6,5 Prozent haben sie verdient. Doch weil Milliarden Euro nach Griechenland überwiesen werden, ist für unsere Leute nichts mehr da. Deutsche Politiker lassen sich von der EU zu viel vorschreiben. Die haben keinen Hintern in der Hose.

Berliner Morgenpost: Und was erwartet Sie heute noch

Hans Wall: Eigentlich wollte ich gar nicht feiern. Aber ich bin gedrängt worden. Nun werde ich mit der Familie und engsten Weggefährten im Kreis von etwa 20 Personen in einem Berliner Restaurant feiern. Bei einem Spanier an der Kantstraße. Da ist es gemütlich, herrscht gute Stimmung und es gibt klasse Essen, Sangria und Musik. Ich störe den Abend auch durch keine Rede.