Pankow

30 Millionen Euro für eine Schule

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Sabine Flatau

Wuchtig erheben sich die hohen, dunkelroten Backsteinfassaden an der Pasteurstraße in Prenzlauer Berg. Reliefs über den Fenstern der Torhäuser zeigen Bären, die Flöte spielen. Das alte Schulgebäude ist ein viereckiges Ensemble mit Innenhof, um 1910 nach Plänen von Ludwig Hoffmann erbaut.

Noch lernen Kinder in den Räumen. Doch die Häuser sind zum Teil in desolatem Zustand. Das wird sich ändern. Das alte Baudenkmal ist das bisher größte Investitionsvorhaben des Bezirks Pankow.

Senat stellt das Geld zur Verfügung

Rund 30,7 Millionen Euro sollen Sanierung und Erweiterung des alten Schulgebäudes an der Pasteurstraße 7-11 kosten. Etwa zehn Millionen davon entfallen auf den Neubau einer zweistöckigen Sporthalle mit vier Feldern und dazugehörigen Freiflächen. Zum Vergleich: Im Schul- und Sportstättensanierungsprogramm des Senats sind insgesamt 32 Millionen Euro für alle Bezirke im Jahr 2012 eingeplant. Der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses fordert, dass diese Summe erhöht werden soll.

Das Gebäude an der Pasteurstraße beherbergte schon früher ein Gymnasium. "Wir haben es geschlossen, weil die Schülerzahlen zurückgingen", sagt Pankows Immobilien-Stadträtin Christine Keil (Linke). Doch weil immer mehr junge Familien nach Prenzlauer Berg ziehen, steigt die Zahl der Grundschüler stetig an.

Deshalb soll das alte Backsteinensemble wieder zum Gymnasium werden - mit moderner Technik und neuer Heizung. Fahrstühle werden eingebaut, weil die einzelnen Gebäudeteile unterschiedliche Höhen haben. Drei Klassenzüge sind vorgesehen, 510 Schüler sollen Platz finden. Um alle erforderlichen Räume einzurichten, wird auch das einstige Lehrerwohnhaus mit 500 Quadratmetern Fläche für Schulzwecke umgebaut. Das Geld für das Großprojekt stellt der Senat zur Verfügung. Das Vorhaben sei schon länger Teil der Investitionsplanung des Landes, sagte eine Sprecherin der Bildungsverwaltung.

Die kommenden zwei Jahre gehören den Planern. Sie stellen im Detail fest, was an dem Schulhaus Pasteurstraße zu tun ist. Erst 2014 sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Grundinstandsetzung werde nach derzeitiger Einschätzung 2016 beendet sein, sagt Stadträtin Keil. Am Donnerstag hat sie den Vertrag mit der Planungsgesellschaft Junk & Reich unterzeichnet. "Die gesamte Elektrik muss erneuert werden", sagt Architekt Ulrich Junk. Im Untergeschoss gebe es Schäden durch Feuchtigkeit. Die alte Aula soll wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Zu DDR-Zeiten wurde eine Zwischendecke eingehängt und eine Küche eingebaut. Beide sollen entfernt werden, damit der große Raum für Musikveranstaltungen und Theateraufführungen zur Verfügung steht. Eine Mensa wird im Untergeschoss eingerichtet. Die von Ludwig Hoffmann geplanten Schulgebäude seien sehr solide geplant, sagte Architektin Heide-Rose Kristen vom Büro Pitz & Hoh, das auf Denkmalpflege spezialisiert ist: "Sie können auch an die heutigen Schulformen gut angepasst werden. Die Grundsubstanz ist richtig gut - das gilt heute und für die Zukunft." Deshalb lohne es sich, diese Gebäude zu erhalten. Die Treppen seien breit und stabil und so angelegt, dass Schüler im Havariefall gut in Sicherheit gebracht werden könnten. Der Fußboden der großen Flure sei mit Terrazzo ausgelegt und gut zu pflegen. "Das sind gebaute Qualitäten, die man nicht einfach wegschmeißen sollte", sagt die Architektin über die Substanz des Gebäudes.

Was zu Zeiten der DDR verloren ging - die Dachgauben und der Uhrturm - wird jedoch nicht wieder errichtet. Die Klinkerfassade zeigt noch Spuren des Zweiten Weltkrieges - nun wird diskutiert, ob man diese Schäden beseitigen sollte oder nicht. "Wir werden von vornherein einen behutsamen Eingriff planen", sagt Kristen. Anspruchvoll wird auch die Anpassung des alten Hauses an die neuen Normen des Energieverbrauchs. Ganze Teile müssten deshalb ausgetauscht werden, zum Beispiel die Fenster.

Respekt vor dem Denkmal

Die Planer erwarten auch, dass sich durch die Sanierung das Verhalten der Schüler ändert. "Erfahrungen zeigen, dass der Umgang mit dem Gebäude respektvoll wird, dass nur noch selten Graffiti auftaucht", sagt Architekt Ulrich Junk.

Die Senatsbildungsverwaltung hält das teure Bauvorhaben für notwendig. "Die Schule ist dringend erforderlich, um den Bedarf in Prenzlauer Berg zu erfüllen", sagte die Sprecherin. Der Betrag von 20 Millionen Euro werde nicht nur für die Sanierung des desolaten Gebäudes veranschlagt, sondern auch, um es barrierefrei herzurichten und Fachräume anzulegen. "Ein Neubau in der Größenordnung wäre nicht wesentlich preiswerter", so die Sprecherin. Auch müsste dafür ein ausreichend großes Grundstück in Prenzlauer Berg zur Verfügung stehen. Dies sei nicht der Fall.

Wann die neue Sporthalle fertig wird, steht noch nicht fest. Sie soll an das Schulgebäude angrenzen und auf vier Grundstücken an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße gebaut werden. Diese Flächen will das Bezirksamt kaufen. Mit zwei Eigentümern ist sich die Behörde noch nicht einig. 1,1 Millionen Euro sind für den Erwerb der vier Grundstücke vorgesehen. Die Sporthalle soll auch von anderen Schulen genutzt werden und am Nachmittag Vereinen zur Verfügung stehen. Doch vorerst bleibt die alte Turnhalle im Untergeschoss des Schulgebäudes erhalten. Stadträtin Keil kündigte an, dass das Bauvorhaben den Anwohnern auf einer Informationsveranstaltung vorgestellt werden soll.