Oper

Seefestspiele am Wannsee: Ein Casting für die Carmen

Während Popstars schon seit Jahren in großen Fernsehformaten gesucht werden, spielt sich die Welt der Oper - zumindest bis zur Premiere - meist hinter verschlossenen Türen ab. Vorsingen, Herzklopfen, Konkurrenzdruck, Inszenierung - das alles bleibt für Laien unsichtbar.

Bislang jedenfalls. Denn jetzt kommt auch die "Open Opera". Veranstaltungsmanager Peter Schwenkow hat die bisherigen Casting-Formate um ein weiteres Genre ergänzt. "Deutschland sucht den Opernstar", heißt es im Mai im Radialsystem an der Holzmarktstraße in Friedrichshain.

Mit diesem Casting sollen die vier Hauptrollen in der Oper "Carmen" von Georges Bizet besetzt werden, die vom 16. August bis 2. September bei den Seefestspielen am Wannsee aufgeführt wird. Der Kulturkanal Arte begleitet das Projekt und strahlt sechs Casting-Sendungen und eine 90-minütige Opernübertragung aus dem Strandbad in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz aus. Unter dem Titel "Wer wird die Carmen?" kann der Zuschauer miterleben, wie die vier Opernsänger, die auf der Bühne in Liebe, Lust, Leidenschaft, Tod und Tragödie miteinander agieren werden, gesucht und ausgewählt werden. Die Hauptrollen - Carmen, Micaela, Don José und Escamillo - sollen am Ende besetzt sein.

Casting-Format auf neuem Niveau

"Wir wollen das erfolgreiche Casting-Format auf eine neues Niveau bringen", sagte Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender der Deag, die die Seefestspiele veranstaltet. Aus diesem Grund habe man Dieter Bohlen gar nicht erst angefragt, fügte er scherzend bei der Präsentation seiner Pläne hinzu. Es gehe darum, die Oper einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Dieses Anliegen verfolgen auch die Macher des Fernsehsenders Arte. Kunst und Kultur sollten in ihrem Entstehungsprozess gläsern sein, sagt Wolfgang Bergmann, Koordinator von Arte im ZDF. Erste Erfahrungen habe der Kulturkanal bereits mit dem Format auf der Suche nach dem größten Dramatiker gemacht. Dass aber eine Opernaufführung vom Casting über die Inszenierung bis zur Premiere von einer Jury und Kameras begleitet werde, das sei bislang einmalig in Deutschland und auch in Frankreich.

Die Jury ist international besetzt: Kammersänger Bernd Weikl und Operntenor David Lee Brewer entscheiden gemeinsam mit weiteren wechselnden Gästen und dem Intendanten Christoph Dammann, wer sich in einem Coaching mit Weltstars wie Grace Bumbry auf seine Partie vorbereiten darf. Während der gesamten Zeit, angefangen beim Vorsingen über das Coaching bis zur Inszenierung, wird die Kamera dabei sein, auch backstage bei den Proben. Die Casting-Sieger werden am 17. August bei den Seefestspielen am Wannsee auf der Bühne stehen.

Mit mehr als 100 Bewerbern rechnet Intendant Dammann. Er erwarte ausgebildete Stimmen und Opernsänger mit Bühnenerfahrungen. "Aber natürlich kann sich auch der Telefonverkäufer, der Pizzabäcker und der Badewannensänger bewerben", sagt Dammann. Im Casting werde sich zeigen, wer sich durchsetzt.

Bühnenbild wird bereits gebaut

Parallel zu Casting und Proben wird jetzt auch das Bühnenbild gebaut. In Miniatur existiert es bereits: Ein bühnenübergreifender Fächer, der den Sonnenuntergang im Wannsee durchscheinen lässt, ist die Hauptkulisse für die Handlung. Er ist aus Stahl, wirkt aber filigran. Der Fächer kann mit einem großen Tor zur Zigarrenfabrik werden oder mit wenigen Umbauten zur Stierkampfarena.

Bühnenbildner Volker Hintermeier hat gemeinsam mit Volker Schlöndorff die Oper nach Kuba versetzt. "Dort gibt es das Temperament und auch noch die Architektur und die Automobile aus den 50er-Jahren", sagt Schlöndorff. In dieser Zeit könne er sich die Handlung gut vorstellen. Doch trotz der Projektion nach Kuba besteht der Regisseur darauf: "Eigentlich spielt das Stück am Wannsee." Die Werkstattzeichnungen des Bühnenbildes gehen jetzt in die Produktion. Schreiner, Schlosser und Maler sind dabei, die einzelnen Elemente in Echtgröße herzustellen. Ergänzt wird die Inszenierung, so viel verrät Schlöndorff bereits, von Filmeinspielungen.

Neu ist in diesem Jahr neben der Zusammenarbeit mit dem Kulturkanal Arte das Engagement der Lufthansa AG für das Opern-Event. Das Unternehmen wird die Seefestspiele mit ihrem Städtereiseangebot vom und zum neuen Flughafen BER in Schönefeld verknüpfen. Außerdem soll auf den Auslandsmärkten ganz besonders auf die Open-Air-Veranstaltung am Wannsee hingewiesen werden. Peter Schwenkow erhofft sich damit auch, den internationalen Stellenwert der Seefestspiele auszubauen und den Tourismus in der Stadt weiter zu beleben.