Stadtbad Schöneberg

Wo Hans Rosenthal schwimmen lernte

"Dalli, Dalli !" - mit diesen Worten hat Traudl Rosenthal, Witwe von Hans Rosenthal, das Signal zum Sprung ins Schwimmbecken des frisch sanierten Stadtbades Schöneberg gegeben. Die Kinder am Beckenrand ließen sich am Freitag nicht lange bitten und landeten noch in derselben Sekunde im Wasser.

Mit dem Tag der Wiedereröffnung des denkmalgeschützten Bauwerks aus dem Jahr 1930 trägt das Stadtbad den Namen "Hans Rosenthal".

Der Entertainer und Moderator hatte in der Halle an der Hauptstraße Schwimmen gelernt. Allerdings nicht als Kind, sondern erst im Alter von 25 Jahren. Unter den Nazis war ihm als Jude das Betreten öffentlicher Bäder verboten. Vor dem Hintergrund dieser Geschichte haben die Bäderbetriebe entschieden, das Stadtbad Schöneberg fortan Hans Rosenthal zu widmen, dessen Todestag sich am 10. Februar zum 25. Mal jährt.

Für sieben Millionen Euro haben die Berliner Bäderbetriebe das Stadtbad in den vergangenen zweieinhalb Jahren saniert. Geplant waren 2,4 Millionen und ein Jahr weniger Bauzeit. Doch immer wieder traten neue Schäden während der Arbeiten zu Tage: Die Lüftungsrohre und die Stahlkonstruktion zeigten Rostschäden, das Außenbecken war abgesackt, das Glasdach marode. Das Bad musste bis auf die Rohre entkernt und wieder aufgebaut werden. Im gesamten Schwimmbadbereich war zudem die Abdichtung undicht. Sie war zehn Jahre zuvor erneuert worden. Doch bereits drei Wochen nach der Sanierung im Jahr 1999 mussten Bad-Mitarbeiter Eimer aufstellen, weil es an mehreren Stellen durch die Decke tropfte.

Im Zuge der Bauarbeiten wurde das Bad auch energetisch mit neuen Fenstern und Fassadenelementen saniert. Finanziert wurden die Arbeiten aus dem Bädersanierungsprogramm. Zehn Prozent des Etats von 70 Millionen Euro - und damit der bislang größte Posten - flossen in das Stadtbad Schöneberg. Trotz der hohen Kosten wurde nur saniert, was unbedingt nötig war. Für die Whirlpools und die Sauna reichte das Geld nicht mehr. Diese Anlagen sind nicht in Betrieb. Noch einmal eine Millionen Euro hätten die Bäderbetriebe für die neue Wasseraufbereitungsanlage und den Neubau der Sauna gebraucht.

Im Moment haben die Berliner Bäderbetriebe noch drei große Baustellen. Im Schwimmbad an der Finckensteinallee in Lichterfelde werden die Sanierungsarbeiten Ende 2013 abgeschlossen und im Kombibad Gropiusstadt im Frühjahr 2013. Außerdem werden die Außenbecken im Kombibad an der Seestraße in Wedding saniert. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten im Kombibad Spandau-Süd beginnen.

Urenkel Oskar ist acht Monate alt

Zur Eröffnung waren am Freitag viele Mitglieder der Familie Rosenthal in das Stadtbad gekommen. Dort zeigte das Thermometer 30 Grad Lufttemperatur. Sogar Rosenthals Urenkel Oskar, acht Monate alt, hielt tapfer mit roten Bäckchen und bis auf seinen Body ausgezogen, durch. "Wenn ich gewusst hätte, wie schön warm es hier ist, hätte ich gleich eine Badehose für ihn mitgebracht", sagte seine Mutter Beate, die Enkelin von Hans Rosenthal.

Es sei eine große Ehre, dass das Stadtbad nach Hans Rosenthal benannt werde, sagte Traudl Rosenthal sichtlich gerührt. Sie erinnerte sich noch genau an den Schwimmkurs im Jahre 1950. Sie wollte ihn das erste Mal begleiten, doch das durfte sie nicht. "Wenn ich einmal quer durch das Becken schwimmen kann, dann darfst du gucken kommen", hatte ihr Mann bestimmt. Es dauerte keine Woche und Hans Rosenthal hatte es geschafft.

In seiner Biografie schrieb er auch darüber: "Zu Rekorden werde ich es nicht mehr bringen. Aber ich kann mich über Wasser halten - und niemand weiß besser als ich, wie wichtig das ist." Der Showmaster spielte damit auf den Holocaust an, den er in einem Versteck überlebte.

In schöner Erinnerung ist Traudl Rosenthal ein Italienurlaub geblieben, in dem sie, ihr Mann und die Kinder Gert und Birgit einen See schwimmend durchquerten. "Natürlich mit Beiboot zur Sicherheit", sagte die 84 Jahre alte Witwe. Die Kinder hätten bereits im Kindergartenalter schwimmen gelernt, erzählte sie. Wahrscheinlich sei das die Folge aus der Erfahrung ihres Mannes gewesen. Er habe sich sehr geniert, als Erwachsener vor einer Schar von lachenden Kindern schwimmen zu lernen.