Urteil

Pokerraub: Hohe Strafe für den Mann im Hintergrund

Als das Urteil verkündet wurde, begann eine ältere Frau im Zuschauerraum laut zu weinen. Es war vermutlich die Mutter des Angeklagten Mohamed C., die ihren Sohn nun lange Zeit nur im Gefängnis besuchen kann. Sieben Jahre und drei Monate Freiheitsentzug wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung lautet das Urteil der 10. Großen Strafkammer.

Folgerichtig bleibt Mohamed C., in der Szene "Momo" genannt, auch weiterhin in Haft.

Richter Carsten Wolke sah es in seiner Urteilsbegründung als erwiesen an, dass Mohamed C. einer der Initiatoren des inzwischen schon legendären Raubzuges bei einem Pokerturnier im Luxushotel "Grand Hyatt" am Potsdamer Platz war. Die sogenannte Pokerraub-Bande war am 6. März vergangenen Jahres bewaffnet in den Spielsaal eingedrungen und hatte rund 242 000 Euro erbeutet. Wie es sich wenig später herausstellte, handelte es sich um zwischen 19 und 21 Jahre alte Männer, die bei diesem Überfall, so der zuständige Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra, "die Drecksarbeit machen mussten". Sie wurden im Juli 2010 von einer Jugendkammer zu Strafen zwischen drei Jahren und sechs Monaten und drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Überraschende Aussagen

Einen Monat später begann der Prozess gegen Mohamed C. und den 30-jährigen Ibrahim El-M. - in der Szene "Onkel Ibo" genannt. Die Staatsanwaltschaft ging zu diesem Zeitpunkt schon davon aus, dass es sich bei diesen Angeklagten um die Drahtzieher des Überfalls handelte. Beide machten vor Gericht fast ein Jahr lang keine Aussage. Bis Mohamed C. am 16. August überraschend sein Schweigen brach, seine Unschuld beteuerte und seinen - nunmehr ehemaligen - Freund Ibrahim El-M. belastete. Ibrahim El-M., am 13. Dezember zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, machte zwei Wochen später ebenfalls eine Aussage - und belastete Mohamed C. Seinen Aussagen zufolge hatte "Momo" an dem Pokerturnier teilgenommen und war verärgert, die Chance auf den Gewinn von einer Million Euro verpasst zu haben. Zwei Tage vor dem Überfall habe ihm "Momo" von dem vielen Geld erzählt, das dort offen herumliege. Bei diesem Gespräch habe er gefragt, ob Ibrahim El-M. "Leute kenne", die in der Lage seien, so einen Überfall zu begehen. Ibrahim El-M. heuerte dann über einen Neffen die vier jungen Räuber an, instruierte sie, lenkte nach dem Überfall das Fluchtfahrzeug und verteilte die Beute, von der ein großer Teil allerdings noch immer verschwunden ist.

Die Erinnerungen von Mohamed C. jedoch waren ganz anders. Er hatte zu Protokoll gegeben, dass er damals durchaus mit dem Gedanken gespielt habe, die Kasse des Pokerturniers mitgehen zu lassen. Diesen Gedanken habe er jedoch wieder verworfen. Und Ibrahim El-M. müsse dann wohl zufällig mitgehört haben, als er in einem Café von diesen ehemaligen Raub-Plänen erzählte. Als Ibrahim El-M. von ihm gefordert habe, aus dem "Grand Hyatt" heraus bei einem günstigen Zeitpunkt mit dem Handy ein Zeichen zu geben, habe er angeblich sogar noch versucht, ihn von dem Überfall abzuhalten.

Das Gericht glaubte ihm nicht. Die Kammer gehe davon aus, so Richter Carsten Wolke, dass der Angeklagte Mohamed C. den Plan für den Überfall ausgeheckt und beim Überfall dann auch wie abgesprochen vom Spielraum des "Grand Hyatt" aus per Handy das Signal für den Beginn des Raubes gegeben habe. Wolke zählte eine Reihe von Beweisen und Indizien auf, die zu der Verurteilung von Mohamed C. geführt hätten. Dazu gehörten die Aussagen von Ibrahim El-M. und von den vier jungen Räubern. Letztere hatten Mohamed C. zwar nicht direkt belastet, jedoch von einem Tippgeber erzählt, der an dem Pokerturnier teilnahm. Einer von ihnen hatte zudem ausgesagt, dass dieser Tippgeber aus dem Hotel heraus auch das Zeichen für den Überfall gegeben habe.

Ein weiteres Indiz, so Wolke, seien Handygespräche zwischen "Onkel Ibo" und Mohamed C. kurz vor und nach dem Überfall. Insgesamt hätten 21 Handyverbindungen nachgewiesen werden können.

Hinter einer Säule versteckt

Wichtig für die Kammer seien auch die Aussagen eines Zeugen, der Mohamed C. während des Überfalls zufällig gesehen hatte. Dabei habe der Angeklagte "halb verdeckt hinter einer Säule gestanden und das Tatgeschehen beobachtet". Ein anderer Teilnehmer des Pokerturniers hatte ausgesagt, Mohamed C. sei am Tattag "auffällig abwesend" gewesen.

Das Verfahren um den Überfall auf das Pokerturnier ist mit diesem Urteil noch nicht beendet. Ein Verteidiger von Mohamed C. legte Sekunden nach der Urteilsverkündung demonstrativ einen Zettel auf den Tisch von Richter Wolke, mit dem Hinweis, dies sei die Ankündigung des Antrages auf Revision. Er und ein anderer Verteidiger hatten zuvor für Mohamed C. Freispruch beantragt. Im Zuschauerraum gab es gegen das Urteil laute Proteste. Ein Verwandter des Angeklagten beschimpfte den auf der Pressebank sitzenden Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra. Der nahm das jedoch gelassen zur Kenntnis.