Seit Jahren ist das asbestverseuchte Mittelstufenzentrum geschlossen. Die 46-Jährige rief die Feuerwehr. "Wir hatten Angst, dass das Feuer auf unser Wohnhaus übergreift", sagt Claudia Schwarz. In dieser Brandnacht, in der viele vor Angst auf die Straße hinausgelaufen waren, fassten die Bewohner einen Entschluss: Sie mussten sich gegen die Verwahrlosung des aufgegebenen Schulstandorts, wo Jugendliche Partys feiern, Obdachlose unterschlüpfen und Drogendealer gesichtet wurden, wehren.

Die asbestverseuchte Schule ist genau wie der asbestverseuchte Kreisel in Steglitz-Zehlendorf zu einem Problemfall geworden.

1990 wegen Asbest geschlossen

Die ehemalige Bröndby-Schule an der Dessauer Straße 37-39 steht jetzt länger leer, als sie je in Betrieb war. Das Gebäude wurde 1975 gebaut. 1990 musste sie nach Asbestfunden geschlossen werden. Nur wenige Meter weiter entstand an der Dessauer Straße 63 ein Ersatzbau. Der sollte nur als Provisorium dienen, bis das andere Schulgebäude saniert ist. Der Mauerfall kam dazwischen, die Sanierung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Anfang 2000 hatte der Bezirk beschlossen, die Asbest-Schule ganz aufzugeben. "Der Ersatzbau hatte sich schließlich als der bessere Standort herausgestellt", sagt Norbert Schmidt (CDU), kommissarischer Baustadtrat in Steglitz-Zehlendorf. Das alte Schulgebäude ging an den Liegenschaftsfonds über. Im Bebauungsplan ist noch die schulische Nutzung verankert. "Wir warten jetzt darauf, was ein künftiger Investor dort plant und ändern dann den Bebauungsplan", sagt Schmidt. Das Bauamt könnte sich auf dem Gelände, das mitten in einem Wohnviertel liegt, gut weitere Wohnhäuser vorstellen.

Der Liegenschaftsfonds hat das Areal vor zwei Jahren ausgeschrieben. "Wir sind damit gescheitert, es gab keinen Markt", sagt Fonds-Sprecherin Anette Mischler. Anfang des Jahres habe man einen erneuten Versuch gestartet und sei auf einen Kreis von Interessenten zugegangen. Mit demselben Resultat: kein Kaufinteresse. Am Asbest kann es nicht liegen: Der Liegenschaftsfonds will den Asbestrückbau und den Abriss des alten Gebäudes beim Kaufpreis berücksichtigen.

Nach 15 Jahren Schulbetrieb verwildert das Schulgebäude jetzt seit 21 Jahren. Dass Jugendliche dort Party machen, ist längst bei der Polizei und im Bezirksamt bekannt. "Wir haben immer wieder Einsätze auf dem Gelände, weil sich junge Leute Zutritt verschafft haben", sagt der zuständige Kontaktbeamte vom Polizeiabschnitt 46 an der Gallwitzallee. Das sei nicht ungefährlich, nicht zuletzt aufgrund des Asbests. Anwohner würden sich zudem über den Lärm beklagen. Der Beamte kann auch den zunehmenden Vandalismus bestätigen. "Es gibt Jugendliche, die selbst die kaputten Scheiben noch aus den Fensterrahmen rausschlagen müssen", sagt der 46-Jährige. Außerdem tauchten ständig neue Löcher im Zaun auf.

Claudia Schwarz sieht nicht die Jugendlichen, die nachts mit Taschenlampen lärmend auf dem Schulgelände randalieren, als Problem. Sie zeigt auf die wachsenden Müllberge jenseits des Zauns. Die 46-Jährige geht abends nicht mehr an der Schule entlang, seit sie einen Drogenabhängigen mit Spritze und Löffel und Obdachlose dort gesehen hat. Noch schlimmer ist aber die Angst vor einem neuen Feuer, die sie nicht mehr loslässt.