Biomasse

Energiekonzern Vattenfall kauft Holz aus Liberia

Der Energieversorger Vattenfall wird eine Million Tonnen Holz aus dem westafrikanischen Liberia importieren, um diese Biomasse in seinen Kraftwerken zu verbrennen. Einen entsprechenden Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren hat die schwedische Konzernmutter Vattenfall AB jetzt mit der liberianischen Firma Buchanan Renewables Fuels abgeschlossen, die zu einem holländischen Konzern gehört.

Es ist gut möglich, dass Holz aus dem früheren Bürgerkriegsland auch in Berliner Kraftwerken landet. Denn Vattenfall ist dabei, in der deutschen Hauptstadt den Brennstoff Kohle zurückzudrängen und durch Holz zu ersetzen. Dafür werden eine Million Tonnen Biomasse pro Jahr benötigt, die der Versorger zu einem großen Teil importieren muss. Ob Holz aus Liberia nach Berlin komme, sei noch nicht klar, sagte ein Vattenfall-Sprecher.

Kritiker wie der Energieexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, Michael Schäfer, fürchten nun, der Holzeinkauf im Ausland könnte insgesamt der Umwelt und den Menschen in Ländern wie Liberia mehr schaden, als er hierzulande Nutzen bringe. Biomassenutzung sei im Sinne einer Reduktion des Klimagases CO2 positiv, könne aber auch "zu ökologischen und sozialen Katastrophen führen", sagte Schäfer. Sein Argwohn nährt sich aus den wechselnden Informationen, die Vattenfall über die Bezugsquellen für sein benötigtes Holz angegeben hat. Vor einem Jahr war davon die Rede, das Holz aus Wäldern der näheren und weiteren Umgebung Berlins zu beschaffen. Vor vier Wochen gab Vattenfall bekannt, mindestens ein Drittel des Brennstoffes importieren zu wollen. Als Bezugsländer wurden dabei die USA und Osteuropa genannt. Arme Länder in den Tropen wie Liberia erwähnte der zuständige Vattenfall-Manager Frank May seinerzeit nicht.

Holzhackschnitzel statt Parkett

Vattenfall betont, dass auch das Holz aus Liberia den selbst verordneten Nachhaltigkeitskriterien entspreche. Es handele sich dabei um Kautschukbäume, die auf großen Plantagen wachsen. Nach rund 20 Jahren produzieren diese Bäume keinen Kautschuk mehr. "Sie wurden früher als Müll angesehen und auf den Feldern verbrannt", zitiert ein Informationsdienst für Holzwirtschaft Göran Lundgren, den Chef des Vattenfall-Biomasse-Programms. Tatsächlich ist das Holz des Kautschuk-Baums vor allem als Material zum Möbelbau und für Parkettböden beliebt.

Der Geschäftspartner von Vattenfall, die Firma Buchanan Renewables, hinter der kanadische Investoren stehen, hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Er macht aus den alten Bäumen Holzhackschnitzel als Brennstoff für Kraftwerke. Gleichzeitig pflanzt er neue junge Kautschuk-Setzlinge, um so die Gummi-Produktion in dem nach jahrelangem Bürgerkrieg verwüsteten Land wieder aufzubauen.

Zu dem Vertrag mit den Schweden gehört laut Vattenfall auch die Lieferung von zwei früher auf der Insel Gotland als Reserve für die Stromversorgung eingesetzten Diesel-Generatoren. Diese sollen nun auf den Einsatz von Biodiesel umgerüstet und in Liberias Hauptstadt Monrovia eingesetzt werden, wo sie die Stromerzeugungskapazität verdoppeln werden.