Vier Tage lang wollen sie für Berlin werben und Kontakte herstellen. Derzeit exportieren Berliner Firmen Waren für 265 Millionen Euro jährlich in den Wüstenstaat. Wowereit reist auf Einladung des Prinzen Salman Bin Abdul Asis al-Saud nach Saudi-Arabien.
Auf der Reise will der Regierende Bürgermeister mit der Königsfamilie auch über die politische Lage in der Region sprechen. "Der Besuch steht auch unter dem Einfluss der gegenwärtigen Freiheitsbewegungen", sagte er am Donnerstag. Es werde spannend sein zu erfahren, "wie aus deren Sicht die Einschätzung der Lage ist". Beim Besuch des Königs 2007 in Berlin habe er mit ihm offen über die Lage im Iran sprechen können.
Interesse an Modernisierung
Fragen der Demokratie und der Menschenrechte werde er zwar ansprechen, sagte Wowereit. Allerdings werde er keine eigene Außenpolitik betreiben. "Das würde sich die Bundesregierung auch verbitten", so der Regierende Bürgermeister.
In Saudi-Arabien finden im Gegensatz zu anderen Staaten der Region bislang keine Demonstrationen gegen die Herrschenden statt. Die Königsfamilie habe selber ein Interesse daran, die Modernisierung ihres Landes voranzubringen, zeigte sich Wowereit überzeugt. Dafür spreche auch das große Interesse an Investitionen in die Infrastruktur des eigenen Landes. Zu Wowereits Delegation zählen auch Vertreter der Wohnungs- und Gesundheitswirtschaft. Die beiden Branchen erhoffen sich Geschäftsabschlüsse, da Saudi-Arabien in den kommenden Jahren Milliardeninvestitionen in die Gesundheitswirtschaft und die Stadtentwicklung plant. Berlin habe ein Interesse an wirtschaftlicher Zusammenarbeit, sagte Wowereit. "Das ist für die Entwicklung der Länder wichtig."
Zur Wirtschaftsdelegation zählt auch der Ehrenpräsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Werner Gegenbauer. "In Saudi-Arabien besteht ein riesiger Investitionsbedarf und ein großes Nachhaltigkeitsbedürfnis", sagte Gegenbauer. Die Herrscherfamilie habe ein großes Interesse an Stadtentwicklung. "Und da hat Berlin Maßstäbe gesetzt." Entscheidend für den Erfolg der Reise sei die politische Unterstützung. Ohne die Königsfamilie sei kein Geschäft in Saudi-Arabien möglich und ohne die Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters blieben Türen zu den Herrschenden verschlossen. Gastgeber Prinz Salman sei die Nummer vier in der Rangfolge der Herrscherfamilie und stehe der Modernisierung des Landes offen gegenüber, sagte Stefan Weber vom Museum für Islamkunst. Das Islammuseum hofft, durch die Reise einen Investor für die Förderung der islamischen Kunst zu finden. Ende des Jahres soll in Berlin eine Ausstellung mit Ausgrabungen der vergangenen zehn Jahre aus Saudi-Arabien gezeigt werden.
In der 39-köpfigen Delegation sind 23 Berliner Unternehmen vertreten, darunter auch Vertreter der landeseigenen Charité und des Klinikkonzerns Vivantes. Vivantes pflegt bereits mehrere Kooperationen mit Saudi-Arabien, darunter auch mit dem al-Imam Medical Campus. Dieser zählt sieben Fakultäten, 3500 Studenten und 1000 Klinikbetten. Außerdem lassen sich nach Unternehmensangaben jährlich 1500 Patienten aus dem Königreich beim Berliner Klinkunternehmen Vivantes behandeln.
Einen zweiten Schwerpunkt der Reise wird das Thema Verkehr bilden. In den kommenden Jahren will Saudi-Arabien 100 Milliarden Dollar in die Verkehrsinfrastruktur des Landes stecken, geplant ist der Bau eines Eisenbahnnetzes. Das Berliner Verkehrsunternehmen IVU und auch Siemens sind bereits im Königreich engagiert und versprechen sich durch den Besuch ebenfalls bessere Geschäftschancen in der Golfregion. Für Wowereit ist es die erste Reise nach Saudi-Arabien, auch reiste er noch nicht mit einer solch großen Delegation.
Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft der arabischen Welt und verfügt über 25 Prozent der Welterdölreserven. In den kommenden zehn Jahren will das Königreich insgesamt 900 Milliarden Dollar in die Infrastruktur des Landes investieren. Herausragend ist die Planung mehrerer "economic cities". Es sollen bis zu sechs neue Städte mit vier bis fünf Millionen Einwohnern entstehen. Ziel der Königsfamilie ist es, die regionale Entwicklung zu fördern. Saudi-Arabien will dazu in den nächsten Jahren 1,3 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Ein Viertel des Staatshaushalts will die Herrscherfamilie künftig in die Bildung investieren.
"Der Besuch steht auch unter dem Eindruck der gegenwärtigen Freiheitsbewegungen"
Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister

