"Puerto Verde"

Die Grünauer Hafenstadt wird neu geplant

Puerto Verde, das große Wohnprojekt am Ufer der Dahme in Grünau, steckt in Schwierigkeiten. Auf rund 100 000 Quadratmetern wollte die deutsch-spanische Projektentwicklungsgruppe Meermann-Chamartin eine kleine Stadt am Wasser für 1500 Bewohner bauen, mit Hafen, Kanälen, kleinen Brücken und dem Bootssteg vor der Wohnungstür.

Doch bis heute ist kein Haus gebaut worden. 400 Wohneinheiten waren vorgesehen, der Baubeginn für 2008 geplant. 2009 sollten die ersten Bewohner einziehen. Eine 150-Millionen-Euro-Investition hatte das Unternehmen angekündigt. Aber die Fläche an der Regattastraße liegt immer noch brach. Nicht nur die Finanzkrise kam dem Vorhaben in die Quere. Die Detailplanung für 250 Eigenheime und weitere Stadtvillen, kleine Wasserstraßen und den Hafen hat sich als zu schwierig erwiesen.

Seit mehreren Jahren entwickeln Bezirksamt und Investor die Pläne für das Grundstück. Es ist ein Bebauungsplan, der genau auf das Vorhaben zugeschnitten ist. Immer wieder haben die Experten vom Stadtplanungsamt Einzelheiten hinterfragt und Nachbesserungen gefordert.

"Im Plan sollen die Maße für jedes Haus feststehen, seine Lage, die Dichte der Bebauung", sagte eine Mitarbeiterin der Meermann-Chamartin Immobilien AG. Man habe im Laufe des Verfahrens Haustypen variieren und die Geschossanzahl ändern wollen. "Jede Änderung für ein einzelnes Gebäude hat eine Änderung des gesamten Planes bedeutet." Deshalb hat das Unternehmen den Antrag für dieses Planungsverfahren zurückgenommen. Die Abteilung von Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) prüft nun, wie damit umzugehen ist. Der Investor sehe unüberwindliche Schwierigkeiten darin, "das große und komplexe Vorhaben derzeit so konkret vorzuplanen und in zu benennenden Zeiträumen zu realisieren", wie es dieses Verfahren erfordere, so Hölmer. Dennoch wolle er die Pläne weiterverfolgen.

Ohne Kanäle und Bootsstege

Man habe bislang keine Erfahrung mit einem so großen Gelände, sagte die Mitarbeiterin von Meermann-Chamartin. Deshalb geht es jetzt in kleinen Schritten voran. Nur der erste von vier Bauabschnitten wird jetzt im Detail geplant. Es handelt sich um den Bereich des Grundstücks, der an Dahme und Teltow-Kanal liegt. Dort sollen Einzelhäuser am Ufer entstehen, dahinter Reihen- und Doppelhäuser. Wie die weiteren drei Bauabschnitte aussehen, wird von der Vermarktung des ersten Abschnitts abhängen und von aktuellen Gegebenheiten. Die Kanäle und vielen kleinen Bootsstege wird es nicht geben. Wenn das Bezirksamt Treptow-Köpenick dem Wunsch von Meermann-Chamartin folgt und das bisherige Planungsverfahren einstellt, dann könnte diese erste Fläche zügig geplant werden. Baubeginn für die fast 70 Einheiten soll noch 2011 sein.

Puerto Verde (Grüner Hafen) wird auf einem Industriegrundstück entwickelt. Es ist das ehemalige Betriebsgelände des VEB Berlin Chemie. Der Untergrund war stark mit Chemikalien verunreinigt. Über Monate ist die zehn Hektar große Fläche von Schadstoffen befreit worden. Auch eine Reinigung des Grundwassers ist erfolgt. Der Boden wurde bis zu einer Tiefe von zwei Metern ausgetauscht, Fundamente und Kellermauern wurden entfernt. Die Kosten dafür hat zum größten Teil der Bund bezahlt.