Kriminalität

Haftbefehl für Moschee-Brandstifter

Gegen den mutmaßlichen Moschee-Brandstifter Manuel K. ist am späten Sonnabendnachmittag durch einem Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung erlassen worden. Zuvor hatte es am Sonnabend Spekulationen um einen Unterbringungsbeschluss gegeben, da eine psychische Störung des am Freitag in Neukölln Festgenommenen nicht ausgeschlossen werden kann.

Genauere Aufschlüsse soll jetzt eine psychiatrische Begutachtung des 30-jährigen Mannes erbringen.

Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt halten sich zu Details und Hintergründen des Falls bislang zwar bedeckt, dennoch kristallisiert sich offensichtlich heraus, dass Manuel K. allein und ohne erkennbare rechtsextremistische Motive handelte "Zumindest haben wir bislang keine Erkenntnisse über eine entsprechende Gesinnung oder eine Zugehörigkeit zur rechtsextremistischen Szene des Verdächtigen", sagte ein Beamter am Sonnabend, verwies zugleich aber darauf, dass die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden.

Manuel K. hatte noch am Freitagabend bei einer ersten Vernehmung durch Beamte des polizeilichen Staatsschutzes vier Brandanschläge auf Berliner Moscheen gestanden. Insgesamt wurden seit dem Sommer vergangenen Jahres sieben Anschläge auf islamische Einrichtungen in der Hauptstadt verübt, bei denen es zum Glück stets bei geringem Sachschaden blieb. Ob K. auch für die bislang noch völlig ungeklärten weiteren Attacken verantwortlich ist, wird derzeit geprüft. Bei seinen Taten hatte der 30-Jährige Kopien von Zeitungsartikeln am Tatort zurückgelassen. In einem Fall konnte ermittelt werden, auf welchem Kopierer die vom Täter am Tatort zurück gelassene Kopie hergestellt wurde, so kamen die Ermittler auf die Spur von Manuel K.

Der 30-Jährige ist in dem fünfgeschossigen Neubau an der Pintschallee in Neukölln bei vielen Bewohnern als "merkwürdiger Sonderling" bekannt. Seit mehr als fünf Jahren wohnt er dort in einer kleinen Einzimmerwohnung mit Balkon im ersten Stock. Etwa 300 Euro Miete muss er dafür bezahlen. Er habe sehr zurückgezogen gelebt und nur wenige Kontakte gehabt, sagen Anwohner. "Mit ihm Tür an Tür zu wohnen ist nicht ganz einfach", sagte eine Anwohnerin. Offenbar sei der junge Mann psychisch krank. Denn schon mehrfach habe sie beobachtet, wie er sich auf dem Balkon stehend mit einer Peitsche malträtiert und dabei laut geschrien habe. Andere Nachbarn berichteten von ähnlichen Fällen, auch sie halten K. für psychisch gestört. Mehrfach sei wegen solcher Vorfälle bereits die Polizei alarmiert worden, ohne dass sich etwas geändert hätte, sagte ein Nachbar am Sonnabend.

"Im November des vergangenen Jahres war mir aufgefallen, dass Manuel eines Tages mit einer grauen Gasflasche vor seiner Wohnungstür stand", berichtete Anwohner Hans-Jürgen Friebe. Daraufhin hatte er die Hausverwaltung angeschrieben. "Doch die hat nicht reagiert", kritisiert er. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er Angst, dass etwas passieren könnte. "Wir haben ernsthaft befürchtet, dass er da was anstellt und möglicherweise die Wohnung in die Luft fliegt, aber jetzt wird uns klar, wofür er die Gasflasche benötigte", so Hans-Jürgen Friebe. Dennoch könne er sich nicht vorstellen, dass sein Nachbar fremdenfeindlich sei.

Dass der 30-Jährige etwas mit Rechtsradikalen zu tun hatte, bestritt am Freitagabend gegenüber den Medien auch seine Mutter. Ebenso wie Hans-Jürgen Friebe und die meisten Nachbarn ist auch sie überzeugt, dass Manuel K. dringend Hilfe braucht.