CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger will die wichtigste Position in seinem Schattenkabinett, das heute offiziell präsentiert werden soll, offenbar mit einem langjährigen politischen Weggefährten besetzen. Nach Informationen dieser Zeitung, die aus zuverlässigen Unionskreisen stammen, will Pflüger im Falle eines Wahlsieges am 17. September dem früheren Senatskanzleichef und ehemaligen Wirtschaftsstaatssekretär Detlef Stronk das Amt des Wirtschaftssenators übertragen. Weder Pflüger noch Stronk wollten sich gestern auf Nachfrage zu der Personalie äußern.
Der heute 61 Jahre alte Stronk arbeitete bis Anfang der 80er Jahre als Assistent des damaligen Bundestagsabgeordneten Elmar Pieroth in Bonn. 1981 kam er mit dem späteren Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker und Pieroth nach Berlin. Dort lernte er Pflüger kennen, der zu jener Zeit persönlicher Referent von Weizsäcker war. Zunächst arbeitete Stronk vier Jahre lang als Staatssekretär für Wirtschaft und Verkehr unter Senator Pieroth. Von 1985 bis 1989 leitete Stronk im Range eines Staatssekretärs die Berliner Senatskanzlei unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU).
Der Sieg von Rot-Grün unter dem damaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper (SPD) veranlasste Stronk im Jahr 1989 zum Wechsel in die freie Wirtschaft. Zwischen 1990 und 1997 fungierte Stronk als Vorstand bei der Herlitz AG. Anschließend wirkte er drei Jahre als stellvertretender Geschäftsführer des Weinhandelsunternehmens WIV Wein International GmbH, das der Familie Pieroth gehört.
Seit dem Jahr 2001 leitet Stronk die Zukunftsagentur Brandenburg GmbH, die sich als One-Stop-Agency um die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen im Berliner Umland kümmert.
Obwohl Stronk am 17. Januar 1945 in Hinterpommern geboren wurde, fühlt er sich als Berliner. Im Bekanntenkreis erzählt er gern folgende Geschichte: "Mir fehlt nur ein Tag, um gebürtiger Berliner zu sein. Am 16. Januar 1945 verließ meine Mutter Berlin, um mich im beschaulichen Pommern zur Welt zu bringen."
Stronks ehemaliger Chef, Elmar Pieroth, ist voll des Lobes über den designierten "Schattensenator". Pieroth sagte gestern: "Detlef Stronk hat großes gestalterisches Potenzial. Damit hebt er sich deutlich vom jetzigen PDS-Amtsinhaber Harald Wolf ab, der eine eher verwaltende Wirtschaftspolitik betreibt und immer erst dann zu den Arbeitern ans Werktor fährt, wenn ein Unternehmen kurz vor der Schließung steht. Wie ich Stronk kenne, wird er permanent das Gespräch mit den Spitzenmanagern von DaimlerChrysler, Siemens, Bosch und BMW suchen. Und zwar nicht nur in der Hauptstadt, sondern in München und Stuttgart, in den Zentralen dieser Unternehmen. Wichtig ist doch, den Kontakt zu den für Berlin relevanten Wirtschaftskapitänen kontinuierlich zu pflegen und nicht erst dann, wenn das Kind schon fast in den Brunnen gefallen ist."
Wenn CDU-Spitzenkandidat Pflüger heute sein Team präsentiert, werden wohl die großen überregionalen Namen, die Ex-CDU-Frontmann Frank Steffel im letzten Abgeordnetenhauswahlkampf vor fünf Jahren noch im Köcher hatte (unter anderem Ex-Boeing-Manager Horst Teltschik, Jenoptik-Chef Lothar Späth und DaimlerChrysler-Manager Manfred Gentz) fehlen. Aus Pflügers Sicht ist das "ganz normal". Pflüger: "Ich stelle kein mich beratendes Expertenteam vor, sondern eine Mannschaft, in der jeder Einzelne für ein Senatorenamt zur Verfügung steht. Das ist natürlich schon ein großer Unterschied."
Ohne konkrete Namen zu verraten, deutete Pflüger an, dass er vorrangig auf Berliner Personal zurückgreifen wolle. Die bislang lancierten Personalien bestätigen das. So soll offenbar die Berliner CDU-Spitzenkandidatin bei der letzten Bundestagswahl, Monika Grütters, Kultursenatorin werden, wenn die CDU in Regierungsverantwortung kommt. Für die Bereiche Inneres, Justiz und Stadtentwicklung sind drei erfahrene Abgeordnetenhausmitglieder vorgesehen - Innenexperte Frank Henkel, Justizfachmann Michael Braun und der CDU-Kreisvorsitzende von Marzahn-Hellersdorf, Mario Czaja. Für den Bereich Gesundheit hat Pflüger den renommierten Chef des Berliner Unfallkrankenhauses in Marzahn, Axel Ekkernkamp, auserkoren. Nach Pflügers Angaben steht sein Regierungsteam im Großen und Ganzen seit drei Wochen fest.

