Der Berliner WM-Beauftragte Jürgen Kießling ist tot. Der 65jährige erlag gestern nachmittag im Virchow Klinikum seinen schweren Verletzungen, die er sich bei seinem Suizid-Versuch in der Nacht von Sonntag auf Montag selbst beigebracht hatte, teilte eine Sprecherin der Charité mit.

Wie berichtet, hatte sich Kießling kurz nach Ende des WM-Finales in seinem Haus in Lübars eine Kugel in den Kopf geschossen. Ein Nachbar hatte gegen 0.15 Uhr den Schuß gehört und Polizei und Feuerwehr alarmiert. Der Senatsbeamte war vom Notarzt sofort in das Virchow Klinikum eingeliefert worden. Die dortigen Ärzte hatten dem 65jährigen allerdings von Anfang an kaum Überlebenschancen gegeben. Die Verletzungen, die die Kugel herbeigeführt hatte, seien zu schwer gewesen, hieß es.

Über die Motive für den Suizid wurde auch nach dem Tod Kießling nichts bekannt. Nach übereinstimmender Darstellung der Polizei und mehrerer Familienangehörigen liegen sie im persönlichen Bereich. Zum Inhalt der beiden Abschiedbriefe, die Kießling an seine 15jährige Tochter und an die restliche Familie richtete, wurde ebenfalls nichts bekannt.

Timo Kießling, ein Sohn des Verstorbenen aus erster Ehe, äußerte gestern in einer gemeinsamen Erklärung mit Bildungssenator Klaus Böger (SPD), der Suizid sei eine persönliche Entscheidung seines Vaters gewesen, und er bitte dies zu akzeptieren.

In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Spekulationen über die Hintergründe des Suizids. Dabei war sowohl von beruflichen wie auch von finanziellen Problemen Kießlings die Rede. Von Seiten der Polizei hieß es gestern, derartige Mutmaßungen seien "völlig aus der Luft gegriffen".

Bei den Untersuchungen der Polizei war es in den vergangen Tagen auch um die von Jürgen Kießling benutzte Schußwaffe gegangen. Insbesondere sollte geklärt werden, warum der 65jährige eine Waffe im Hause hatte und ob diese legal erworben worden war. Diese Untersuchungen seien mit dem Tod Kießlings beendet, sagte ein Ermittler.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) reagierte gestern mit Betroffenheit auf den Tod des WM-Koordinators. "Jürgen Kießling hat sich um Berlin verdient gemacht, zuletzt durch sein überaus erfolgreiches Engagement für die Fußball-WM. Dafür gebührt ihm unser Dank", sagte Wowereit. Das Mitgefühl der Berliner, so Wowereit, gehöre Kießlings Familie, insbesondere seiner Tochter.

Auch der Präsident des Landessportbundes (LSB) Peter Hanisch, sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Vereine und Verbände in Berlin verlieren einen Freund des Sports", sagte Hanisch

Bildungssenator Klaus Böger (SPD), in dessen Behörde Kießling als Abteilungsleiter Sport tätig war, sprach von einer unfaßbaren Tragödie und einem schmerzlichen Verlust. Kießling habe fast 20 Jahre lang die Entwicklung Berlins zu einer Sportmetropole entscheidend beeinflußt. "Wir alle empfinden große Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre im Dienste des Sportes in unserer Stadt", sagte Böger gestern. Der Senator hatte gerade erst die Dienstzeit Kießlings, der in diesem Jahr das Pensionsalter erreicht hatte, auf dessen eigenen Wunsch um ein weiteres Jahr verlängert. Der 65jährige sollte die Leichtathletik-WM 2007 vorbereiten.