Ein verdrängter "Unort" der deutschen Geschichte kehrt zurück ins Stadtbild: Voraussichtlich noch in dieser Woche soll dort, wo tief in der Erde die Reste von Hitlers sogenanntem Führerbunker liegen, eine Informationstafel aufgestellt werden. Damit wird es zum ersten Mal seit mehr als sechzig Jahren am Originalort seriöse Details über dieses legendenumwobene Bauwerk geben. Die Initiative stammt vom rührigen Verein "Berliner Unterwelten" und wird mit Spenden finanziert (www.berliner-unterwelten.de).
Durch den Film "Der Untergang" hat die breite Öffentlichkeit von den absurden Vorgängen in der Betonhöhle im Garten von Hitlers Reichskanzlei erfahren. Doch dort gab es bisher noch nie einen Hinweis. Das düstere Kapitel der Berliner Zeitgeschichte ist unter der Asphaltdecke eines Parkplatzes verborgen. Trotzdem suchen seit dem Fall der Mauer Besucher diesen Ort auf, um sich von ihren "Guides" Geschichten über den mysteriösen Bunker erzählen zu lassen. Es sind meist englisch- und italienischsprachige Gruppen.
Erst 2003 und 2005 sind die ersten beiden seriösen Bücher über den Führerbunker erschienen. Jetzt kommt endlich eine knappe Tafel hinzu. Übrigens mit Unterstützung der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des Landesdenkmalamtes sowie des Berlin-Historikers Prof. Laurenz Demps. Am Rande des Parkplatzes hinter dem Haus Wilhelmstraße 92 werden Dietmar Arnold und Reiner Janick von den "Unterwelten" die Tafel aufstellen.
Dort, direkt an der Kreuzung der Straße In den Ministergärten und der Gertrud-Kolmar-Straße, liegen in etwa achteinhalb Metern Tiefe noch immer mehrere tausend Tonnen Stahlbeton, die 1943/44 für Hitlers "unzerstörbaren" Luftschutzraum im Boden versenkt wurden. Sein vorheriger Bunker mit 1,60 Meter Deckenstärke war dem größten Verbrecher der deutschen Geschichte nicht mehr sicher genug.
Tatsächlich geriet der neue Führerbunker so massiv, daß er weder 1947 noch 1959 zerstört werden konnte. Erst im dritten Anlauf gelang es der DDR 1988, ihn mit schwedischem Spezialgerät abzureißen, und auch das nur etwa zur Hälfte. Die Reste, eine mit Trümmern verfüllte Stahlbetonwanne von zwei bis vier Metern Wandstärke, liegen bis heute im Boden. Und zwar nur wenige hundert Meter vom Holocaust-Mahnmal entfernt.
Die neue Info-Tafel läßt für die Verherrlichung des Tyrannen Hitler oder andere rechtsextreme Machenschaften an diesem Ort keinen Raum.
sfk

