Alexander-, Pariser und Potsdamer Platz sind über Berlins Grenzen hinaus weit bekannt. Aber die Hauptstadt hat noch viele weitere Orte, auf denen Geschichte gemacht wurde. Die Morgenpost erzählt die spannenden Geschichten einiger Berliner Stadtplätze.

Im Anfang war - die U-Bahn: Noch bevor am höchsten Punkt Charlottenburgs Häuser gebaut wurden, fuhr bereits das seinerzeit ziemlich schicke unterirdische Verkehrsmittel zum damaligen Reichskanzlerplatz. Die ersten Fotos der fertiggestellten Platzanlage stammen von 1907, im März 1908 nahm dann die U-Bahn ihren Betrieb hierhin auf, obwohl das heute als Neu-Westend bekannte elegante Stadtviertel Zwischen Heer- und Reichsstraße eigentlich erst aus einigen Baugruben, vielen freien Grundstücken und großzügigen Alleen dazwischen bestand.

Steht man heute am selben Platz, so wünscht man sich die damalige Ruhe zurück. Denn der Theodor-Heuss-Platz ist längst einer der verkehrsreichsten Knotenpunkte der Stadt, so laut und (mindestens bei manchen Wetterlagen) so versmogt, daß die Parkanlage inmitten des Kreisverkehrs fast völlig ungenutzt bleibt. Damit freilich tut man der ebenso reichen wie wechselvollen Geschichte dieses Platzes unrecht. Denn der "Theo", wie Charlottenburger das Areal zwischen Kaiserdamm, Messegelände und Heerstraße liebevoll nennen, gehört zu den spannendsten Adressen der Hauptstadt.

Innerhalb der wenigen Jahre zwischen Fertigstellung der U-Bahn und Beginn des Ersten Weltkriegs entstanden viele prachtvolle Wohn- und Geschäftshäuser vor allem am Nordrand des Platzes und entlang der Reichsstraße. In den Jahren der Weimarer Republik, das wohlhabende Charlottenburg war eben zu Groß-Berlin eingemeindet worden, gehörte die Adresse Reichskanzlerplatz zu den besten (und teuersten) der Hauptstadt überhaupt.

So war es kein Zufall, daß Magda Quandt genau hier 1929 eine großzügige Stadtwohnung mietete - nach ihrer Scheidung vom Industriellen Günther Quandt. Mit gestohlenen kompromittierenden Briefen brachte sie ihren Ex-Mann dazu, sie finanziell ausgesprochen großzügig zu versorgen. Und eben diese Magda Quandt heiratete Ende 1931 den Berliner Gauleiter der NSDAP, Joseph Goebbels. Fortan ging also Adolf Hitler ein und aus in der großen Wohnung am Reichskanzlerplatz.

So entbehrte es nicht einer gewissen Logik, daß der Platz schon am 21. April 1933 nach dem inzwischen zum Reichskanzler (und zum Ehrenbürger Berlins) aufgestiegenen NSDAP-"Führer" benannt wurde. Fortan hießen der Park und die darunterliegende U-Bahn-Station Adolf-Hitler-Platz.

Doch schon nach wenigen Jahren war dem Diktator der Platz zu bescheiden für eine Adresse, die seinen Namen trug. So konzipierte sein Leibarchitekt Albert Speer einen viel größeren Adolf-Hitler-Platz im Spreebogen ungefähr dort, wo heute der Platz der Republik liegt, begrenz unter anderem von einem gigantischen "Führerpalast" und der größenwahnsinnigen "Großen Halle". Der ehemalige Reichskanzlerplatz hätte in diesem Zusammenhang seinen Namenspatron verloren.

Doch aus dieser Not gedachte Hitler eine Tugend zu machen - und kündigte seinem Verbündeten Benito Mussolini bei dessen Staatsbesuch in Berlin 1937 an, schon bald würde der Charlottenburger Adolf-Hitler-Platz in Mussolini-Platz umbenannt werden. Ein 40 Meter hohes Denkmal für den italienischen Faschistenführer (übrigens von ausnehmender Scheußlichkeit) war bereits entworfen, erste Fundamentarbeiten begonnen und ein provisorisches Denkmal errichtet worden.

Darüber kamen die Bauarbeiten allerdings nicht hinaus. Und so standen am 2. Mai 1945 noch immer Straßenschilder mit der Aufschrift Adolf-Hitler-Platz. Umgehend nach dem Ende des Dritten Reiches wurde dieser Name aus dem Alltag getilgt; so trug die Station bereits auf dem ersten Nachkriegs-U-Bahnplan von Januar 1946 wieder ihren alten Namen. Offiziell umbenannt aber wurde der Platz erst am 31. Juli 1947.

Schneller ging es bei der letzten Umbenennung des Platz: Nur sechs Tage nach dem Tod des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss am 12. Dezember 1963 erhielt der Platz im Rahmen einer kleinen Feier einen würdigen Namenspatron. Während der Spaltung der Stadt markierte der Theodor-Heuss-Platz den westlichen Rand der Innenstadt West-Berlins, zugleich bildete er mit dem Reichssportfeld das Hauptquartier der britischen Schutzmacht.

Heute sind der ehemalige Reichskanzlerplatz und die umliegenden Straßen das Zentrum des westlichen Charlottenburgs - eine gutbürgerliche, aber längst keine mondäne Gegend mehr. Als Platz nimmt den "Theo" heute fast niemand mehr wahr. Daran ändert auch die Ewige Flamme nichts, die lange für die Vereinigung Deutschland gebrannt hatte und die heute Freiheit, Recht und Frieden auf der ganzen Welt anmahnt. Nur sehr selten sieht man Menschen vor dem Mahnmal.

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