Es gibt einen Fisch, der kann ertrinken. Kein Witz. Schon sein Name beseitigt alle Zweifel: Lungenfisch. "Es ist tatsächlich so, daß der Lungenfisch den allergrößten Teil seiner Atmung über die Lungen erledigt", sagt Tierpark-Kurator Klaus Rudloff. In der Tierpark-Cafeteria lebt ein solches Exemplar, ein Vertreter der afrikanischen Gattung. Unscheinbar sieht er aus, ein bißchen wie ein kleiner Aal. "Die Lungen sind eine Ausstülpung des Vorderdarmes und liegen hinter den Kiemen", erklärt der Biologe. Auffälliger sind die paddelartigen Brust- und Afterflossen. Letztere ähneln Gliedmaßen mit zwei Fingern und machen deutlich, was der Lungenfisch ist: die heute noch lebende Übergangsform vom Fisch zum Reptil.

Der Tierpark kam durch einen Zufall in den Besitz des inzwischen mindestens 32 Jahre alten Tieres. FU-Professor Burkhard Schricker suchte vor dreieinhalb Jahren eine neue Bleibe für den Fisch und bot ihn dem Tierpark an. Hier lebt er nun in einem kleinen Becken, läßt sich von Tierpflegerin Carla Ruß mit Stinten füttern, schwimmt frühmorgens und am späteren Nachmittag seine Runden und hält so manche Überraschung bereit für den, der sich auf ihn einläßt.

Überraschung 1: Der Lungenfisch kann auf dem Trockenen überleben. Trocknet sein bewohnter Süßwassertümpel aus, so gräbt er sich in den Schlamm ein, bildet einen schleimigen Kokon mit einem Loch zum Atmen und begibt sich in den Schlaf. Bis zu drei Jahre können die Tiere auf diese Art aushalten.

Überraschung 2: Wenn's dem Lungenfisch im Schlamm allzu langweilig wird, vertreibt er sich die Zeit mit Sex. Klaus Rudloff: "Die weiblichen Tiere sind in der Lage, die männlichen aufzuspüren und sich durch den Schlamm zu ihnen zu wühlen."

Überraschung 3: Hat der Lungenfisch keine Lust auf das Schlammbad, kann er sich auch auf die Suche nach einem besser gefüllten Wasserloch machen. Er ist in der Lage, sich mit seinen Flossen fortzubewegen. Ist der Untergrund feucht genug, so kann der Fisch sich schlängelnd und sogar springend eine neue Heimat suchen.

Ein kleines Wunder ist dieser unscheinbare Fisch also, der sich gern versteckt und deshalb erst recht übersehen wird. Noch eine Überraschung gefällig? Schätzen Sie doch mal, seit wann die Lungenfische auf der Erde herumschwimmen. Seit etwa 400 Millionen Jahren.